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Stadt Willich
Salon Rapking schließt seine Pforten

Stadt Willich: Salon Rapking schließt seine Pforten
Für alle Kunden heißt es jetzt, Abschied von Birgit Ranking zu nehmen. Auf dem Bild föhnt sie ihre Mutter Ingrid. Viele müssen sich nach langen Jahren einen neuen Friseur suchen. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Willich. Nach 52 Jahren schließt Birgit Rapking ihr Friseurgeschäft. Damit geht an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße eine Ära zu Ende. Die Ladeneinrichtung geht an einen Düsseldorfer Retro-Salon. Von Bianca Treffer

Der Duft nach Haarspray liegt noch in der Luft und das leise Klappern einer Schere ist noch zu hören. Ein Geruch und ein Geräusch, die nun nicht mehr an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße 71 in Willich anzutreffen sein werden. "Meine letzte Kundin", meint Birgit Rapking, während sie der Frisur von Waltrud Lühring den letzten Schliff verpasst.

Dabei wird der Blick der Friseurmeisterin, der durch den Laden geht, ein bisschen wehmütig. In dem Ladenlokal ist sie quasi großgeworden und an der Grundladeneinrichtung hat sich in 52 Jahren nichts verändert. Noch immer sind es die einzeln abgetrennten Kabinen, in denen die Kunden entsprechend in der Damen- und Herrenabteilung Platz nehmen.

"Früher gab es noch Vorhänge vor den einzelnen Kabinen, die dann zugezogen wurden, damit niemand sah, wie gerade gefärbt wurde oder die Lockenwickler den Kopf zierten", erzählt Ingrid Rapking, die das Friseurgeschäft am 1. März 1963 zusammen mit ihrem Mann, dem Friseurmeister Friedrich Rapking, eröffnete. Das Ehepaar aus Düsseldorf war damals mit ihrer Tochter Birgit nach Willich gezogen, weil in dem gerade frisch gebauten Wohnkomplex ein entsprechendes Ladenlokal sowie eine direkt darüber liegende Wohnung zu vermieten waren. "Das war einfach nur optimal war uns und so starteten wir unsere Selbstständigkeit in Willich", erinnert sich Ingrid Rapking.

Ihre Tochter wuchs im Salon mit auf. "Schon als Kind habe ich mich mit Begeisterung im Salon aufgehalten. Und solche Sachen wie eben mal Lockenwickler rausnehmen, waren für mich selbstverständlich", meint Birgit Rapking. Kein Wunder also, dass sie die Frisurlaufbahn einschlug. Die Lehre absolvierte die junge Frau im elterlichen Geschäft, wo sie danach als Gesellin arbeitete. Die Meisterprüfung machte sie 1984 und vor 26 Jahren übernahm sie den Salon. "Ich bin mit unseren Kunden zusammen alt geworden", bemerkt Birgit Rapking lächelnd. Den Kunden fällt der Abschied ebenfalls schwer. "Ich bin hier fast 40 Jahre lang zum Friseur gegangen. Meine Mutter kam schon hierhin", erzählt Lühring, die, frisch frisiert, unter Tränchen und mit einer liebevollen Umarmung Abschied nimmt. Andere langjährige Kunden kommen auch noch einmal vorbei.

Es gibt Blümchen, Erinnerungen werden ausgetauscht und sogar das Fotoalbum mit den Flat-Topper-Frisuren nimmt die Friseurmeisterin nochmals vom Regal. "Mein Vater war in den 80er Jahren einer der wenigen in dieser Ecke, die mit dem Flat-Topper gearbeitet gearbeitet haben. Die Kunden kamen von überall her, sogar aus den Niederlanden", berichtet Birgit Rapking. Stammkunden gab es unzählige. Sogar wer wegzog, kam bei Besuchen in der Heimat zu Rapking. Da habe man beim Termin immer ein bisschen mehr Zeit eingeplant, weil dann jedes Mal viel erzählt worden sei, verraten Ingrid und Birgit Rapking. Die Entscheidung, den Friseursalon zu schließen, fiel nicht leicht. Die Tatsache, dass der Mietvertrag auslief, der Vermieter nicht in die Gebäudesubstanz investierte und auch die einstige gute Lage mit großem Lebensmittelgeschäft, Wirtschaft, Zeitschriftenladen, Apotheke und Sparkasse einer längst vergangenen Zeit angehörte, löste letztendlich den Entschluss aus. "Wenn wir in Willich ein gutes Ladenlokal gefunden hätten, dann wäre es weitergegangen. Aber das war nicht der Fall", sagt Birgit Rapking. Für die Friseurmeisterin selber als auch ihre langjährige Gesellin Erika Wittke ist aber beruflich noch kein Ende in Sicht. Beide sind auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen. Was die Rapkings freut ist die Tatsache, dass ihre Ladeneinrichtung weiter genutzt werden wird. In Düsseldorf wird es bald einen Salon mit ihrer "Retro"-Einrichtung geben.

Quelle: RP
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