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Stadt Willich
Schüleraustausch mit Kameras

Stadt Willich: Schüleraustausch mit Kameras
Frank Richter, Geschäftsführers des Zeitbild-Verlages, zeigt den Schülern, wie sie die Kameras und Brillen benutzen können. Mit der Technik können sie sozusagen virtuell nach China reisen. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Fünf Schulen aus Deutschland nehmen an dem Pilotprojekt "Virtual Student X Change" teil. Das Lise-Meitner-Gymnasium aus Anrath gehört als einziger Vertreter aus NRW dazu. Von Bianca Treffer

Die schwarzen Kartons auf dem Lehrerpult ziehen nicht nur die Blicke der 21 Schüler auf sich. Auch die beiden Lehrerinnen Ina Hartmann und Julia Tadych sowie Muttersprachlerin Mengxin Liu und Thomas Prell-Holthausen, Schulleiter des Lise-Meitner-Gymnasiums (LMG), schauen nicht minder gespannt. Mit den Kartons wird am LMG eine neue Dimension des modernen Medienzeitalters eingeläutet. Es handelt sich nämlich um 21 Virtual-Reality-Brillen, kurz VR-Brillen genannt, und eine 360-Grad-Kamera, die in den Kartons stecken. "Dazu kommt die gesamte benötigte Software als auch weiteres Zubehör", sagt Frank Richter, der die gerade ausgepackte Kamera auf ein Stativ schraubt. Für das Anrather Gymnasium ist der Besuch des Geschäftsführers des Zeitbild-Verlages ein besonderer Moment. Es ist der Startschuss für ein Projekt mit dem Namen "Virtual Student X Change".

Das LMG ist eine von insgesamt zehn Schulen in Deutschland und China, die an dem Pilotprojekt teilnehmen. Es handelt sich dabei um eine Unterstützung des deutsch-chinesischen Schüleraustausches per 360-Grad-Videoaufnahmen. Je fünf Schulen in Deutschland und in China erhalten VR-Brillen, besagte Kamera und das Zubehör. Das Anrather Gymnasium ist die einzige Schule aus NRW, die an dem Pilotprojekt teilnimmt, hinter dem die Stiftung Mercator steht. Sie hat das innovative digitale Bildungsprojekt in Auftrag gegeben. Unterstützt wird die Stiftung vom Goethe-Institut Peking.

Richter, der das Projekt nicht nur leitet, sondern auch konzipierte, hat alle teilnehmenden Schulen bereits Ende vergangenen Jahres mit der Technik versorgt und vertraut gemacht. "Eigentlich wären wir nach München geflogen und hätten dort an der Lehrerschulung für das Projekt teilgenommen und das Equipment erhalten. Aber unser Flug wurde seinerzeit wegen Sturm abgesagt", berichtet Hartmann, die zusammen mit Tadych die China-AG am LMG begleitet. Daher reiste Richter jetzt nach Anrath, brachte die Ausrüstung mit und gab eine Einführung.

Die Schüler sowohl in Deutschland als auch China sollen je fünf kurze Videofilme erstellen, die dann mit der jeweiligen Partnerschule ausgetauscht werden. "Wir erhoffen uns, auf diesem Weg Berührungsängste abzubauen und den Austausch neben persönlichen Begegnungen zu fördern. Wir wollen den Schulaustausch an sich unterstützen und den Spracherwerb ausbauen", sagt Richter. Ein 360-Grad-Film kommt dabei einer persönlichen Begegnung sehr nahe. Richter vergleicht die Aufnahmen gerne mit einem Aquarium. Man stehe mit dieser neusten Technik nicht vor dem Aquarium, sondern mittendrin. Eine Technik, die vor einigen Jahren noch gar möglich war. Die Schüler erleben die Filme ihrer Partnerschule durch die VR-Brillen und erhalten so das Gefühl, wirklich vor Ort zu sein und ein Stück des chinesischen Schulalltags mitzumachen. Umgekehrt sollen die Videos der Anrather Schüler dies den Schülern an der chinesischen Partnerschule vermitteln.

"Wir freuen uns sehr, dass wir ausgewählt wurden, am Projekt teilzunehmen", sagt Prell-Holthausen. Das Anrather Gymnasium bewarb sich über seine China-AG und wurde aufgrund seiner internationalen Verflechtungen vom Goethe-Institut ausgewählt. Seit dem Schuljahr 2012/13 besteht am LMG eine Kooperation mit der Middle School attached to Sun Yat-sen University in Guangzhou. Im Rahmen der Schulpartnerschaft findet alle zwei Jahre ein Austausch mit Gegenaustausch statt.

Bei den Schülern, die bereits einen ersten Film ihrer chinesischen Partnerschule erhalten haben, ist die Spannung groß. "Wir überlegen jetzt, was wir filmisch umsetzen werden, und freuen uns auf weitere Filme aus Guangzhou", sagt Aleksandra (14 Jahre). Das neue Projekt sei eine tolle Chance, und man lerne vieles schon etwas vor dem eigentlichen Austausch kennen, fügt Annis (13 Jahre) an. Das Pilotprojekt läuft bis Mai. Danach erfolgt die Auswertung über die Veranstalter. Die gesamte Ausrüstung darf das LM behalten und für weitere Projekte nutzen.

Quelle: RP
 
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