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Gemeinde Grefrath
Schülerfirma hilft Flüchtlingen

Gemeinde Grefrath. Mülhausener Liebfrauen-Schüler verkaufen Kunstdrucke — mit Motiven aus der niederrheinischen Textilindustrie Von Heike Ahlen

"Diff-Kurs PoWi 9" - so lautet die etwas sperrige Bezeichnung dessen, was Niklas, Felix, Hanna und Omid gewählt haben. Einen Differenzierungskurs mit den Schwerpunkten Politik und Wirtschaft im neunten Schuljahr. Für die 20 Liebfrauen-Schüler ist dieser Kurs bis jetzt schon zu einem einmaligen und lehrreichen Erlebnis geworden. Ihr Lehrer Michael Vietoris hat schon seit Jahren Kontakte zu den Junior-Schülerfirmenprogrammen des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Das NRW-Wirtschaftsministerium und das Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft unterstützen dort Schülerfirmen. Und genau so eine hat der Wirtschaftskurs aus Mülhausen gegründet: "KardastiArt". Der Name des Unternehmens setzt sich aus dem persischen und dem englischen Begriff für Kunst zusammen. Der Unternehmenszweck: Kunstwerke verkaufen und vermieten.

Wie kommt ein Wirtschaftskurs auf Kunst? "Die Projektidee ist von der Fachschaft Kunst an uns herangetragen worden", sagt Felix Tilgner, der gemeinsam mit Niklas Erkes die Geschäfte des Unternehmens führt. Kunstlehrerinnen standen mit Rat und Tat sowie ihrer Freizeit für das junge Unternehmen parat. "Dafür sind wir auch ausgesprochen dankbar", betont Felix. Denn nicht nur die Schüler verbrachten die Freizeit oft im Kunstraum, um Kunstwerke entstehen zu lassen, sondern auch Lehrerin Carola Sielaff.

Und es fügte sich eins zum anderen. Als um Weihnachten herum die ersten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge im Antoniushaus in Mülhausen einzogen, war für die Schüler klar, was man mit den Erlösen aus der Firma tun könnte. "Aber wir wollten nicht nur finanziell unterstützen, sondern sie einbeziehen, mit uns in Kontakt bringen und sie in die Netzwerke holen", sagt Niklas.

Einige besuchen auch den Unterricht der Liebfrauenschule. Hier sollen sie vor allem Deutsch lernen. Denn die Verständigung war zunächst schwierig. Französisch oder Englisch halfen - und Omid. Seine Eltern sind vor 20 Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen, er ist hier geboren. Aber durch seine Familie spricht er Farsi. Und einige der afghanischen Flüchtlinge können sich ebenfalls so verständigen. So waren sie schnell mittendrin im Geschehen der Firma.

Michael Vietoris hatte von einem Bekannten alte Druckplatten für die Muster von Stoffen leihweise erhalten. Und so war ein weiterer Baustein da: Kunst, das Unternehmen, soziales Engagement - und jetzt auch noch die Geschichte der Textilindustrie im Heimatort.

In der Schülerfirma gibt es wie in einem großen Unternehmen verschiedene Abteilungen. Klara, Jule und Hanna aus der Preiskalkulation haben die Erfahrung gemacht, dass man beim Bilderverkauf vieles bedenken muss. Der Erlös geht zu einem Drittel an die Schule, zu einem Drittel an den Künstler, unter denen auch die Flüchtlinge sind, oder an das Projekt, für das derjenige spendet - und bleibt nur zu einem Drittel bei der jungen Firma. "Zu Anfang haben wir die Rahmen, die wir als Firma ja vorher ankaufen mussten, mit verkauft. Wenn dann gedrittelt wurde, blieb für die Firma nur sehr wenig", erzählt Jule. Inzwischen kann man die Rahmen separat erwerben.

Inzwischen sind die Bilder - außer den Drucken sind auch viele andere Malereien und Zeichnungen entstanden - einem breiten Publikum zugänglich gemacht worden. Niklas Mutter stellte als Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung der Stadt Viersen einen Kontakt zur Galerie "Konzept 48/11" in Dülken her. Dort fand jetzt die Vernissage mit den Schüler-Werken statt (weitere Termine finden sich im Info-Kasten).

Die Schülerfirma "KardastiArt" wird am Ende des Schuljahres aufgelöst. Jedoch nicht ohne weitere gute Tat: Das Firmenkapital soll dann ebenfalls einem sozialen Zweck zugute kommen.

Quelle: RP
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