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Stadt Willich
Schülerin studiert Latein

Stadt Willich: Schülerin studiert Latein
Ceylan Karadas mag Sprachen. Neben Latein und Englisch wählte sie auch Französisch, Italienisch, Spanisch und Altgriechisch. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Ceylan Karadas hat ein ungewöhnliches Hobby. Die Oberstufenschülerin des Lise-Meitner-Gymnasiums liebt Latein. Im kommenden Jahr vertritt sie NRW beim internationalen Lateinwettbewerb in Italien. Von Bianca Treffer

Jeden Mittwochnachmittag fährt Ceylan Karadas mit dem Zug nach Köln. Ihr Ziel ist aber nicht die Innenstadt, um zu bummeln, sondern die Uni. Die 16-jährige Willicherin besucht seit Beginn des Wintersemesters im Rahmen eines Schülerstudiums zwei Seminare in Latein. Als einzige Schülerin sitzt sie unter den Studenten und beschäftigt sich mit der lateinischen Sprache - und das mit Begeisterung.

"Ich mag Sprachen generell", erzählt Ceylan. Ging es in der fünften Klasse am Lise-Meitner-Gymnasium mit Englisch los, so stand ein Jahr später die Entscheidung zwischen Latein und Französisch an. Eigentlich wollte die Willicherin zuerst Französisch nehmen, entschied sich dann aber doch für Latein, weil "ich sonst keine Möglichkeit mehr gehabt hätte, diese Sprache am Gymnasium zu lernen", erklärt sie. Ganz schnell stellte Ceylan fest, dass sie ein Faible für Latein hat. Die andere Herangehensweise an die Texte, das genaue Auseinandersetzen mit den Sätzen, die etwas kompliziertere Satzstellung - all das begeisterte die Gymnasiastin. Zudem stellte sie fest, dass Latein ihr auch in anderen Fächern half. "In Geschichte liest man oftmals alte Quellen mit schwierigen Satzstrukturen. Ich finde, wenn man sich mit Latein beschäftigt, versteht man solche Konstrukte viel besser. Zudem ist Latein die Grundlage für andere romanische Sprachen", sagt Ceylan, die es nicht bei Latein beließ, sondern auch noch Französisch, Italienisch, Spanisch und Altgriechisch dazu nahm.

Ihrem Latein- und Altgriechischlehrer Jens Jüttmer fiel die Begeisterung auf. Er war es auch, der im vergangenen Jahr den Vorschlag machte, dass Ceylan, die zu diesem Zeitpunkt die Einführungsstufe besuchte, beim Wettbewerb "Certamen Carolinum" teilnehmen sollte. Ein Wettbewerb, bei dem bislang noch kein Schüler des Anrather Gymnasiums gestartet war. "Die Teilnahme zieht sich über ein Jahr, und es geht über insgesamt drei Runden, wobei man sich immer wieder für die nächste Runde qualifizieren muss", informiert Jüttmer. Im ersten Halbjahr der Einführungsstufe ging es los. Ceylan startete mit 82 weiteren Teilnehmern aus NRW. Die erste Runde bestand aus einer Facharbeit, wobei drei Themen zur Auswahl standen. Ceylan meisterte die erste Runde mit Bravur, und auch die zweite Runde, bei der eine Übersetzungsklausur in Düsseldorf geschrieben werden musste, verlief erfolgreich. Mit insgesamt neun Kandidaten begann die dritte Runde.

Vom 19. bis 21. November dieses Jahres fuhr die Willicherin dafür nach Aachen, wo sie am Kaiser-Karls-Gymnasium zunächst zwei persönliche Gespräche mit den Juroren absolvieren musste. Am zweiten Tag folgte ein Vortrag mit einem frei gewählten Thema. "Marcus Tullius Cicero, ein begnadeter Selbstdarsteller der Antike und ein Vorbild für heute?" lautete ihr Vortrag, den sie vorbereitet hatte. "Ich mag Cicero als römischen Autor sehr gerne, daher meine Wahl", erklärt Ceylan. Am dritten Tag stand fest: Die Willicherin hatte das Rennen gemacht. Sie gewann den Hauptpreis, eine Aufnahme in die Studienstiftung des Deutschen Volkes sowie als Jahresbeste den Sonderpreis. Der führt sie im kommenden Jahr nach Italien. Genauer gesagt nach Arpino in der Nähe von Rom, denn dort findet der Internationale Lateinwettbewerb statt, in dem Ceylan für NRW an den Start geht. "Damit hätte ich nie gerechnet. Allein die Teilnahme am Certamen Carolinum war für mich eine schöne Erfahrung", freut sich die 16-Jährige.

Weil ihr Latein soviel Spaß macht, machte Jüttmer ihr den Vorschlag, über die Hochbegabten-Förderung ein Schülerstudium in Latein aufzunehmen. Denn nach dem gerade abgeschlossenen Latinum hätte Ceylan ansonsten bis zum Abitur kein Latein mehr am Lise-Meitner-Gymnasium gehabt. Über das Studium aber bleibt sie am Ball, denn schließlich möchte sie Latein studieren. So steckt sie schon jetzt neben der Schule viel Zeit in die Sprache. Etwas, das ihr aber nicht schwerfällt. "Latein ist nämlich meine Freizeit", meint die Gymnasiastin lachend.

Quelle: RP
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