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Stadt Willich
SPD will das "Gedächtnis der Stadt" in Schiefbahn behalten

Stadt Willich: SPD will das "Gedächtnis der Stadt" in Schiefbahn behalten
Noch arbeitet Stadtarchivar Udo Holzenthal im Verwaltungsgebäude St. Bernhard in Schiefbahn. Womöglich wird sich das 2020 ändern. FOTO: Kaiser
Stadt Willich. Eindringlich wirbt Markus Gather (SPD) um Unterstützung: "Willicher, Anrather, Schiefbahner und Neersener - lasst euch eure Vergangenheit nicht stehlen!", schreibt er auf seiner Facebook-Seite und hofft, dass am kommenden Mittwoch, 24. Mai, um 18 Uhr viele Bürger ins Schloss Neersen kommen werden, wenn dort der Stadtrat tagt. Auf der Tagesordnung steht auch das Stadtarchiv. Dazu gibt es einen gemeinsamen Antrag von CDU, Grünen und FDP, in dem es heißt, dass die Stadtverwaltung die Verhandlungen mit dem Kreis darüber intensivieren soll, ob und wie das Willicher Stadtarchiv oder Teile davon in das neue Kreisarchiv, das bald in Dülken gebaut wird, eingebracht werden können. "Hier soll ein Bildungsangebot abgebaut werden. Darüber gibt es nichts zu verhandeln", so Gather im Gespräch mit unserer Redaktion. Von Marc Schütz

Das Kuriose: Im vergangenen Jahr hatte der Willicher Rat beschlossen, dass Willich seine Archivalien nicht ins Kreisarchiv geben werde, wenn dieses nicht in Willich gebaut wird. Es wurde obendrein beschlossen, dass die Archivalien vor 1970, die sich im derzeitigen Kreisarchiv befinden, nach Willich zurückgeholt werden. "Nur einige Monate nach der Ratsentscheidung, dass unser Stadtarchiv in Willich bleiben soll, sieht man nun viele Politiker als Wendehälse, vergessen sind die Reden von gestern", kritisiert Markus Gather von der SPD, die sich für den Verbleib der Archivalien, die im Keller des Verwaltungsgebäudes in Schiefbahn untergebracht sind, in der Stadt Willich starkmacht. "Das Gedächtnis einer Stadt muss dort verweilen, damit Kinder und Jugendliche es kennenlernen können, Schüler und Schülerinnen davon hören und vieles sehen und viele Ehrenämter, Willicher Bürger weiter in unserer Vergangenheit forschen können", sagt Gather, der mit seiner Fraktion jetzt das Stadtarchiv besuchte.

War das damalige Nein zur Beteiligung am Kreisarchiv also nur ein Druckmittel, um den Kreisarchiv-Neubau doch nach Willich zu holen? Der Verdacht liegt nahe. Nun, da sich der Kreistag längst für Dülken als Standort entschieden hat, gibt es jedenfalls eine Rolle rückwärts. Anlass dafür ist wohl ein Schreiben des Landrats Dr. Andreas Coenen, in dem er Zugeständnisse macht. Coenen sichert zu, dass das bisherige Personal des Willicher Stadtarchivs übernommen wird - und es solle sich weiterhin um die Willicher Archivalien kümmern. Zudem solle Willichs Archivar in die Fortschreibung des archivpädagogischen Konzeptes sowie in die Konzeption der Archivausrichtung insgesamt eingebunden werden. Auch die Bildungsarbeit an Willcher Schulen und die Unterstützung der Heimatvereine sollen aufrechterhalten werden. Die Schulen sollen künftig weiterhin von Archivmitarbeitern mit einem "Archivkoffer" besucht werden, aber die Bildungsarbeit soll auch neue Wege gehen. So will Landrat Coenen ein "Archiv-Shuttle" anbieten. Mit diesem Bus-Service soll für Schulen der kostenfreie Besuch des Archivs in Dülken möglich sein. Der jetzige Willicher Stadtarchivar soll künftig auch in einem bestimmten Rhythmus vor Ort in Willich eingesetzt werden, um dort die Heimat- und Geschichtsvereine zu betreuen.

"Die Angebote des Landrats sind nicht zufriedenstellend. Wir glauben, dass die Bildungskooperation so Stück für Stück sterben wird", entgegnete der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Willicher Stadtrat, Bernd-Dieter Röhrscheid, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die SPD hofft nun, dass am Mittwoch möglichst viele Bürger im Stadtrat Präsenz zeigen. "Es wäre schön, wenn viele Bürgerinnen und Bürger zuvor versuchen würden intensiv auf alle politischen Vertreter einzuwirken. Ansonsten werden wir das Archiv wohl verlieren", so Gather.

Quelle: RP
 
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