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Stadt Willich
Spielen für eine neue Tonanlage

Stadt Willich. "Faust" und "Romeo und Julia": Mit gleich zwei Klassikern warten die beiden Literaturkurse der Q1 vom Lise-Meitner-Gymnasium auf.

"Haben wir Sicherheitsnadeln?", die Frage von Nathalie, die gerade ein kleines Tischchen mit weißem Stoff verhüllt, löst bei Anne Tendyck ein Nicken aus. "Die sind in der Zwei, wo gerade die Engel festgesteckt werden", kommt die Antwort der Literaturlehrerin. "Ich brauche Haarklammern für Victors Perücke", ist der nächste Wunsch von Elisabeth zu hören. "Zweiter Schrank links, unten im Kasten", kann Tendyck auch hier weiterhelfen. In den beiden Räumen neben der Bühne des Lise-Meitner-Gymnasiums herrscht hektische Betriebsamkeit. Schüler verwandeln sich in Engel, Barkeeper und Lehrer. Ein Teufel im schwarzen Umhang und Hörnern auf dem Kopf saust umher und Antonia ist dank grauer Perücke und edler Weste zu Johann Wolfgang von Goethe mutiert.

An diversen Requisiten wird letzte Hand angelegt und die Technik lässt die unterschiedlichsten Lichter auf der Bühne aufflammen, die den Teufelsthron mal in einen rötlichen, mal in einen grünlichen Ton tauchen. "Alle Spieler bitte die Korken nehmen", ordert Tendyck mitten in das Gewusel hinein an. Mit den Korken im Mund setzen die gewohnten Sprechübungen ein, die zu einem langsamen, lauten und deutlichen Sprechen führen. Eine Übung, die die 14 Schüler des Literaturkurses der Q1 mit Beginn des Schuljahres begleitet. Denn seit diesem Datum laufen die Proben für den "Faust" in seiner modernen Variante.

Aber nicht nur Goethe kommt aktuell zur Aufführung. Auch William Shakespeares "Romeo und Julia" wird in der Aula des Anrather Gymnasiums zu sehen sein. Der Literaturkurs zwei hat sich des Klassikers, ebenfalls in einer aktuellen Form, angenommen. Inzwischen ist der schuleigene Chor eingetroffen, wobei ein jeder in einem Engelskostüm steckt. Während sie sich einsingen, laufen die letzten Atem- und Konzentrationsübungen unter Anleitung von Tendyck auf der Bühne. Dann steht die erste Szene an. Auf der Bühne ist ein Klassenzimmer mit einem hohen alten Lehrerpult und einer Tafel entstanden. Gelangweilt aussehende Schüler nehmen auf den Stühlen Platz. Das "Guten Morgen" der eintretenden Lehrerin - in der Rolle bewegt sich Louisa - geht völlig unter. "Die Klausur ist geschrieben. Wir fangen mit einem neuen Thema an", teilt sie ihren Schülern mit und schreibt das Wort "Faust" an die Tafel. Ein Stöhnen geht durch die Schülerreihen. Doch auf einmal taucht die Idee auf, den Faust modern zu spielen, und damit gehen die Verwicklungen los. Szene folgt auf Szene, der Chor schmettert den eigens dafür komponierten Faust-Rap. Die jungen Darsteller sind allesamt in ihren Rollen fit, die Sänger souverän im musikalischen Auftritt. Nur die Technik sorgt immer wieder für Kummer. Die Tonanlage zickt herum. Aber auch ohne Mikro sind alle gut zu verstehen, denn das ständige Üben in Sachen laut, langsam und deutlich Sprechen zahlt sich aus.

Aufführung "Faust - der Tragödie neuester Streich": 3. und 4. Juni, je 19 Uhr. "Romeo und Julia - reloaded": 17. und 18. Juni, je 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, es wird um eine Spende für die neue Tonanlage gebeten.

(tre)
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