| 00.00 Uhr

Stadt Willich
Stadt und Anwohner suchen den Dialog

Stadt Willich: Stadt und Anwohner suchen den Dialog
Die ersten Wände in der patentierten Leichtbauweise von "Mega Village" sind für das Flüchtlingsdorf an der Moltkestraße installiert. Dort wird Platz für 280 Flüchtlinge geschaffen. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Rund 130 Anwohner kamen zur zweiten Info-Veranstaltung zum Thema Flüchtlingsdorf ins Gründerzentrum des ehemaligen Stahlwerks. Die Zaunanlage an der Moltkestraße soll videoüberwacht werden. Von Willi Schöfer

Beigeordneter Willy Kerbusch war ehrlich: "Wir wissen nicht, ob das alles funktioniert, wie wir uns das vorstellt haben, aber der Versuch ist es wert." Etwa 130 Leute, darunter viele Anwohner, kamen zur zweiten Info-Veranstaltung, diesmal ins Gründerzentrum des ehemaligen Stahlwerks. Es ging erneut um das gerade entstehende Flüchtlingsdorf an der Moltkestraße, in dem schrittweise ab März maximal 280 Flüchtlinge aufgenommen werden sollen. Bei vielen waren auch danach die Ängste nicht ausgeräumt, ob sich auch tatsächlich die Fremden, die nach Willich kommen, an die "Spielregeln" halten.

Die ersten Wände sind bereits in der patentierten Leichtbauweise von "Mega Village" auf dem ehemaligen Sportplatz der britischen Streitkräfte installiert. Wie berichtet, sind dort, einem strukturierten Campingplatz vergleichbar, kleine nahezu autarke Wohngruppen vorgesehen, mit jeweils eigenen Küchenhäusern, mit relativ großen Multifunktionsräumen, Waschräumen, Toiletten und Duschen, mit einer Kleiderkammer und Platz für die Verwaltung und für die Sicherheit des Dorfes.

Kerbusch und Brigitte Schwerdtfeger stellten drei Gesellschafter vor, die sich in einer Art Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben und sich bald um die Menschen dort kümmern. Dorfmanager soll der 56-jährige Anrather Ulrich Blesin werden. Um die Verwaltung kümmert sich Karl-Heinz Penners. Der 64-jährige Ruheständler war jahrzehntelang bei der Willicher Stadtverwaltung beschäftigt, zuletzt über 20 Jahre in leitender Funktion in der Personalwirtschaft. Und für die Sicherheit drinnen ist Rainer Hallmann (52) verantwortlich. Dazu Kerbusch: "Es werden immer rund um die Uhr mindestens zwei Sicherheitskräfte anwesend sein."

Die jüngsten Ereignisse in Köln, aber auch die in einigen großen Flüchtlingsunterkünften, in denen zum Beispiel kleine Flüchtlingskinder auf dem Weg zur abendlichen Toilette von Älteren sexuell genötigt worden waren, trugen sicherlich nicht dazu bei, dass Anwohner die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen. Wer kommt da überhaupt? Woher? Sind dies überwiegend Familien? Gibt es genügend Dolmetscher? Wie kann uns die Polizei vor Übergriffen mit ihrer dünnen Personaldecke überhaupt schützen? Müssen wir Angst um unsere Kinder haben, wenn diese zukünftig ins Willicher Freizeitbad gehen und dort den Flüchtlingen begegnen? Dies waren nur einige Fragen der Anwesenden, auf die es keine konkrete Antwort gab beziehungsweise geben konnte. "Wir haben uns mit allen möglichen Szenarien beschäftigt, um dort ein vernünftiges Miteinander entstehen zu lassen", sagte Kerbusch. Drinnen im Dorf werde für die Sicherheit alles getan. So gäbe es dort eine Video-Überwachung der Zaunanlage, ein zusätzliches Melderegister, sogar ein kleines Ärztehaus. Und in der Freibadesaison denke man darüber nach, auf Honorarbasis "Studenten mit breiten Schultern" einzustellen, die dann dort im Bad nach dem Rechten schauen.

"Wir wissen natürlich jetzt noch nicht, welche Leute zu uns kommen, was wir uns wünschen, sind funktionierende Nachbarschaften, die uns helfen und die den Flüchtlingen erst einmal vorurteilsfrei begegnen", sagte die Beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger. "Dann müssen aber auch die Vorurteile bei so manchen Flüchtlingen abgebaut werden, für die in ihren Ländern ein Stalltier mehr Wert hat als eine Frau", entgegnete eine Willicherin. Ihre Freundin ist Polizistin. Und diese hatte ihr von unbeschreiblichen Vorkommnissen berichtet: So habe kürzlich bei einem Abtransport eines straffällig gewordenen Flüchtlings dieser im Transportwagen seine Geringschätzung so zum Ausdruck gebracht, in dem er im Wagen uriniert habe...

Kerbusch wusste darauf auch keine Antwort, wie draußen ein besserer Polizeischutz ermöglicht werden könne. Dies läge in der Verantwortung des NRW-Innenministers. "Warum stellt sich heute kein Vertreter der Polizei unseren Fragen?", meinte ein Anwohner. Schwertfeger entgegnete, dass man dies versucht habe, der Termin sei zu kurzfristig gewesen. Allerdings soll in der nächsten Ratssitzung ein verantwortlicher Polizeibeamter Rede und Antwort stehen.

Für das Pilotprojekt der Verwaltung gab es nicht nur Kritik. "Sie sind dies schon professionell angegangen", "Ihre Pläne sind gut, wir müssen jetzt alle näher zusammen rücken" oder "Es könnte klappen", dies waren nur einige Kommentare, für die es ebenfalls Beifall gab. "Nehmen Sie bitte unsere Sorgen sehr ernst", sagte ein Redner am Schluss der etwa eineinhalbstündigen Veranstaltung.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.