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Jva Willich Ii
Schiefner bei Gefangenen im Unterricht

Willich. Bereits zum elften Mal leitet Uli Winkler, ehemaliger Lehrer aus Anrath, im Auftrag des Bildungswerks Stenden einen Kursus "Politische Bildung" im Frauengefängnis in Anrath. Die Themenauswahl wird mit den Teilnehmern abgestimmt. Sehr bald entwickelte sich der Wunsch, über die aktuelle Politik nach der Bundestagswahl zu sprechen. So entstand die Idee, einen Bundestagsabgeordneten einzuladen. Sowohl die Leiterin der JVA, Charlotte Adams-Dolfen, als auch das Lehrpersonal befürworteten den Wunsch - und so kam jetzt der hiesige Bundestagsabgeordnete Udo Schiefner (SPD) in den Unterricht.

Schiefner berichtete zunächst über seinen politischen Werdegang und gab dann in kurzen Auszügen einen Überblick über seine Arbeit im Parlament, in den Ausschüssen und sonstigen Gremien. Insbesondere seine Tätigkeit im Petitionsausschuss ließ die Frauen aufhorchen, und die eine oder andere äußerte nach der Veranstaltung den Wunsch, sich mit persönlichen Anliegen an den Abgeordneten zu wenden. Positiv nahmen die Inhaftierten die Mitteilung auf, dass Schiefner vor seiner Parlamentstätigkeit eine berufliche Tätigkeit in einem benachbarten Großunternehmen ausgeübt. "Endlich mal einer aus der Arbeitswelt und kein Rechtsanwalt oder Beamter", äußerte sich eine Teilnehmerin dazu.

Anschließend befragten die Teilnehmerinnen Schiefner nach seiner persönlichen Meinung zu dem weiteren Vorgehen der SPD bezüglich einer Regierungsbeteiligung. Dem Abgeordneten ließ sich aber nur die Aussage entlocken, dass weitere Gespräche notwendig seien und er beziehungsweise seine Partei für alle Möglichkeiten offen stünden.

Eine Teilnehmerin fragte ganz konkret, wie viel Schiefner als Abgeordneter verdiene, und er antwortete ebenso direkt, dass er monatlich 9500 Euro brutto erhalte. Zusätzlich bekomme er eine monatliche "gedeckelte" Pauschale, mit der er ausschließlich Bürokräfte entlohnen kann. Des Weiteren befragten ihn die Frauen zu den Themen Asyl- und Rentenpolitik sowie der sozialen Ungerechtigkeit in der Gesellschaft. Hierüber entspann sich eine lebhafte Diskussion, bei der die Frauen nicht immer mit dem Abgeordneten übereinstimmten.

Am Schluss äußerte sich Udo Schiefner sehr positiv über die politischen Kenntnisse der inhaftierten Frauen. "Sie haben mich echt gefordert, und ich muss mein bisheriges Urteil über Frauen in Haft revidieren. Sie setzen sich teilweise wesentlich differenzierter mit politischen Fragen auseinander als viele Menschen ,draußen' glauben", so Udo Schiefner. Er versprach dem Kursleiter Uli Winkler, im nächsten Jahr wiederzukommen. (RP)

Quelle: RP
 
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