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Stadt Willich
Stadtspitze will die Bürger mitnehmen

Stadt Willich: Stadtspitze will die Bürger mitnehmen
Beim Infoabend in der Robert-Schuman-Gesamtschule standen die Beigeordneten Martina Stall, Brigitte Schwerdtfeger und Willy Kerbusch den Bürgern Rede und Antwort. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Am Montag startete die Verwaltung die Stadtteil-Reihe der "runden Tische". Bei diesen Gelegenheiten erhalten interessierte Bürger Informationen zu den vom Rat beschlossenen Maßnahmen in Sachen Flüchtlingsunterbringung. Von Willi Schöfer

Es war nicht anders zu erwarten, nachdem Anwohner der Moltkestraße (Willich) und des Niersweges (Neersen) vor vollendete Tatsachen gestellt und größtenteils aus der Presse erfahren hatten, dass dort in ihrer unmittelbaren Nähe Wohnraum für die Asylbewerber geschaffen wird. Denn als jetzt die ersten zwei "Runden Tische" stattfanden, kam es doch zu einigem Widerspruch und zu kritischen Stimmen. Aber es gab auch Anregungen und Pro-Stimmen für ein gutes Miteinander.

Mit allen drei Beigeordneten, Martina Stall, Brigitte Schwerdtfeger und Willy Kerbusch, wollte die Stadtverwaltung in Willich und Neersen Überzeugungsarbeit leisten. "Ich hasse das Wort alternativlos, aber die einzige andere Alternative wäre nur gewesen, dass wir die Menschen in weiteren Sporthallen unterbringen müssen", ging Kerbusch auf das Dilemma und den schon längst nicht mehr prognostizierbaren Flüchtlingsstrom ein. Zuletzt waren wöchentlich bis zu 44 Flüchtlinge Willich zugewiesen worden.

Die Beigeordneten erklärten die neuen Standorte. In das kleine Flüchtlingsdorf an der Moltkestraße sollen voraussichtlich ab Ende Januar die ersten von maximal 280 Flüchtlingen in kleinen überschaubaren Wohneinheiten einziehen. Kerbusch dazu: "Das ist eine temporäre Einrichtung." Heißt: dort leben dann über einen Zeitraum von maximal fünf Jahren die Ausländer, über deren Asylantrag noch nicht abschließend entschieden worden ist. Wenn sie anerkannt und damit zu Willichs Mitbürger erklärt worden sind, werden sie in normale Wohnungen ziehen. So unter anderem an den Niersweg. Dort werden wahrscheinlich ab Februar des nächsten Jahres vier zweieinhalbgeschossige Mehrfamilienhäuser gebaut. "Für hundert bis maximal 130 Personen", sagte Kerbusch. Der Erste Beigeordnete geht davon, dass die Stadt Willich im nächsten Jahr etwa 50 Wohnungen auf eigenen Grundstücken selbst errichtet und die gleiche Anzahl auf dem freien Wohnungsmarkt zur Verfügung stellen kann.

"Helfen Sie uns, auch wir können nicht garantieren, dass das alles so läuft, wie wir uns das vorstellen", bat Kerbusch auf beiden Veranstaltungen die Anwohner um Mithilfe und um Anregungen. Etwa 60 Bürger, darunter zahlreiche Anwohner von Moltkestraße, Krusestraße oder des Straßenzuges An Liffersmühle, waren in die Aula der Alt-Willicher Gesamtschule gekommen. Die Beigeordneten führten unter anderem aus, dass man derzeit noch an einem detaillierten Integrationskonzept arbeite, dass aber sicher sei, dass es sowohl in Willich als auch am Niersweg neben einem Hausmeister auch eine pädagogische Betreuung gäbe. Außerdem würde in beiden Fällen eine 24-stündige Hotline geschaltet, die jeder Anwohner bei besonderen Ereignissen anrufen könne. Und man versuche, so Brigitte Schwerdtfeger, dass verfeindete Bevölkerungsgruppen nicht gemeinsam unter einem "Dach" leben. So habe man dies auch schon in der Vergangenheit praktiziert.

Es gab natürlich einige Fragezeichen, zumal in der Zukunft natürlich nicht prognostiziert werden kann, ob überwiegend Alleinstehende oder Familien kommen. "Hier leben viele alleinstehende Frauen, und wir haben Angst", erinnerte eine Dame an Vorkommnisse vor vielen Jahren, als dort in der Nähe schon einmal Asylbewerber wohnten und es zu Übergriffen und Diebstählen gekommen war.

In Neersen kamen etwa 50 Anwohner von Niersweg, Niersplank, Erlen-, Kastanien- und Mutschenweg, ins Schloss. Für einige Wortführer war es bloßes Wunschdenken, dass dort alles reibungslos funktioniere. Für andere war es unverständlich, dass die vier Häuser dort in einem Landschaftsschutzgebiet gebaut werden dürfen. Dazu Martina Stall: "Dies war bislang eine reine Ackerfläche, also ökologisch nicht besonders hochwertig." Jedenfalls sei eine Bebauung dort jetzt nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen möglich, der Kreis habe auch bereits zugestimmt.

Einige Bewohner blieben skeptisch. "Ich fühle mich dann in meiner Lebensqualität beeinträchtigt", sagte ein direkter Anwohner. Ein Anderer spielte bereits mit dem Gedanken, sein Eigenheim zu vermieten oder zu verkaufen.

Quelle: RP
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