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Stadt Willich
Störche haben Nachwuchs

Stadt Willich. Erstmals seit mehr als hundert Jahren haben Störche wieder im Kreis Viersen erfolgreich Eier ausgebrütet. Sie leben in einem Horst an der Clörather Mühle zwischen Viersen und Anrath. Für Experten ist ein Traum wahr geworden. Von Ludger Peters

Hoch über einer Wiese der Familie Mertens an der Clörather Mühle bei Anrath gibt es eine kleine Sensation zu bestaunen: Ein Storchenpaar hat Nachwuchs ausgebrütet – seit etwa hundert Jahren im Kreisgebiet das erste Mal, berichten Fachleute. Mächtig stolz auf den Bruterfolg sind die Biologische Station Krickenbecker Seen, die untere Landschaftsbehörde des Kreises und zahlreiche Naturschützer, die sich seit Jahren um die Wiederansiedlung des Vogels bemühen.

Großer Stahlkorb

"Der Reichmann spinnt", hatten im Februar vergangenen Jahres einige Naturfreunde erklärt, als der Leiter der in Nettetal ansässigen Biologischen Station einen Nistplatz für Störche an der Clörather Mühle neu ausstaffierte. Der große Stahlkorb wurde mit einem Weidengeflecht ausgepolstert und mit weißer Farbe bespritzt. Dr. Ansgar Reichmann hatte bei einem Besuch in Olfen, wo Störche nisten, eher beiläufig erfahren, dass die Vögel bei ihrer Horstsuche gebrauchte Immobilien bevorzugen. Die weißen Farbspritzer gaukeln ihnen den Kot möglicher Vorbesitzer vor.

Der Trick dürfte funktionieren. Denn schon ab dem 17. Juni 2009 tummelten sich zwei ganz junge Störche (der Ring eines Vogels wies nach, dass er im Jahr 2007 im Kreis Minden-Lübbecke in Ostwestfalen geschlüpft war) an der Clörather Mühle. Allen heftigen Bemühungen des männlichen Vogels zum Trotz, klappte es mit dem Nachwuchs jedoch nicht. Nach der Enttäuschung war die Freude daher gedämpft, als am 20. April 2010 erneut ein Paar einschwebte und sich im Horst an der Clörather Mühle einrichtete. Die Biologen fragten sich täglich neu: "Ist ein Ei drin?" Die unberingten Vögel ließen ihre Beobachter lange warten. 33 Tage braucht ein Storchenpaar für die Brut. Der Biologe Reichmann fürchtete bereits einen erneuten Fehlschlag, als der 11. Juni verstrich, ohne dass sich im Horst etwas regte. Vor genau einer Woche aber gab es Gewissheit: Das Storchenpaar hat Nachwuchs.

Von der Aussichtsplattform aus verfolgen Naturfreunde das Schauspiel, wie das Storchenpaar Nahrung heranschafft und die Jungen (es sind ein oder zwei Vögel) umsorgt. Die Biologen bitten, sich dem Horst nicht zu nähern, zumal er sich auf Privatgelände befindet. Jahrelange Anstrengungen im Umweltschutz haben sich gelohnt. Die Störche fangen kleine Mäuse und Maulwürfe. "Der Frosch ist eher eine seltene Beute. Störche ernähren sich vor allem von Heuschrecken", berichtet Reichmann. Ob es davon genügend auf Wiesen an der Niers gibt, kann keiner sagen.

Quelle: RP
 
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