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Stadt Willich
Unterschiedlich in Temperament und Ausdruck

Stadt Willich: Unterschiedlich in Temperament und Ausdruck
Die 13 Mitglieder der Künstlergilde Neersen und Gast Heidrun Pielen bei der Eröffnung der Werkschau. FOTO: W. Kaiser
Stadt Willich. Die Künstlergilde Neersen zeigt bis zum 6. September die aktuelle Werkschau im Schloss Neersen. Von Angela Wilms-Adrians

"Unterschiedlicher könnten wir nicht sein, doch gerade das ist das Reizvolle", sagt Susanne Neuls mit Blick auf die Temperamente und Ausdrucksmittel der Kreativen der Künstlergilde Neeren. Die Künstlerin überzeugt in diesem Reigen mit Bildern in ausdrucksstarker Abstraktion. 13 Mitglieder bestreiten bis zum 6. September im Schloss die Werkschau und setzen getreu dem Zwei-Jahresrhythmus wieder einmal auf eine breite Palette von HDR-Fotografie über altmeisterliche Schichtenmalerei und optische Illusion bis zu Skulpturen.

Im Verbund mit Hans-Georg Linden und Lilly Rieger-Grab hat Neuls wieder die Aufgabe der Hängung geschickt gelöst, sodass die Individualität der Werke zur Geltung kommt und Dialoge erkennbar sind. Mitten im Raum sind die Bronzeskulpturen der Gastkünstlerin Heidrun Pielen platziert. Sie umspielt das Thema Gesicht und Maske und fängt etwa mit der Bronze "Pegasus" im Widerspiel von Konkretion und Auflösung Bewegung und Vergänglichkeit ein. Eine digitale Fotografie des Vorsitzenden Uwe Richter, zentral flankiert von Karstjen Schüffler-Rohdes Malerei, scheint deren Impressionen zu beleuchten. Schüffler-Rohde betont, dass sie mit dem für sie charakteristischen flüchtigen Strich Natur nicht abbilden will. "Ich zeige das, was mir in Erinnerung bleibt, wenn ich die Augen schließe", sagt sie. Wie wichtig der Blickpunkt in der Betrachtung ist, macht Burckhard Freihoff über eine überdimensionierte Brille bewusst. Denn diese lenkt den Blick auf Fotos zur Flüchtlingssituation von vor 70 Jahren und zum aktuellen Zeitpunkt. "Ich will, dass wir auf die Flüchtlinge von heute sehen wie damals auf uns", erklärt Freihoff. Während er schon seit Jahren ausstellt, wagt Ehefrau Hilde mit behutsam gestalteten Aquarellen vom Mikrokosmos den Einstieg in eine öffentliche Präsentation. In Hans-Dieter Poppes HDR-Fotografie gewinnt das Vertraute, wie ein Landschaftsausschnitt unter dunklen Wolken, etwas Monumentales, das innehalten lässt.

Mit 27 Jahren ist Anja Barth das "Küken" der Gruppe, und doch hat gerade sie sich der altmeisterlichen Schichtenmalerei verschrieben, die über einer Grisaille-Unterlage Farbe ins Bild bringt. Durchgängig sind Frauenmotive zu beobachten. "Das ist mir so nicht aufgefallen", sagt die Psychologin, die neben der Ausbildung zur Psychologietherapeutin an ihrer Dissertation schreibt und sich in ihren Bildern auf das konzentriert, was sich nicht fotografieren lässt. Traum und Realität mischen sich auch in Angela Richters Kalenderbildern mit fantastischen Blüten und märchenhaften Anklängen. In expressiven Variationen um tiefgründige Nuancen von Violett spürt Manfred Bode den Emotionen in Gesichtern und Landschaften nach. Vor dem Bild eines modernen Romeos in Verzweiflung bekennt er sich zu seinem Anliegen: "Das muss man fühlen können."

Quelle: RP
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