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Stadt Willich
Verkehrshelfer in der Prüfung

Stadt Willich: Verkehrshelfer in der Prüfung
Peter Opdensteinen, Leiter der Direktion Verkehr der Kreispolizei Viersen, stellt mit den Schülerlotsen Situationen nach, die die Jugendlichen im Alltag bewältigen müssen. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Einmal im Jahr findet der Schülerlotsen-Vorentscheid auf Kreisebene statt. In der Anrather Johannesschule traten 18 Schülerlotsen aus dem Kreis Viersen zum Wettbewerb an. Von Bianca Treffer

Klassenarbeitsstimmung herrscht in einem der Räume der Johannesschule in Anrath. 18 Köpfe sind über Fragebögen gebeugt, Stifte flitzen über das Papier. Allerdings ist es keine Klassenarbeit, die die Köpfe der Jugendlichen zum Rauchen bringt, sondern der schriftliche Test des Schülerlotsen-Vorentscheides auf Kreisebene. Fragen über die Ausbildung und den Aufgabenbereich der Verkehrshelfer, wie die Schülerlotsen korrekt genannt werden, sind ebenso zu beantworten wie Fragen über allgemeine Verkehrssituationen und zum Allgemeinwissen. "Es ist ein Potpourri aus verschiedenen Themenbereichen", sagt Verkehrssicherheitsberater Martin Gennert.

Neben dem Theorieteil müssen im Rahmen des Wettbewerbs zudem ein Reaktionstest, ein Rollenspiel und eine Geschwindigkeitsschätzung absolviert werden. Mittlerweile haben die ersten Schülerlotsen den schriftlichen Teil abgeschlossen. "Manche Fragen waren schwierig", kommentiert der 15-jährige Lucas den Test. Genau wie Lisa (13 Jahre) und Sonja (15 Jahre) gehört er seit Herbst vergangenen Jahres zur Gruppe der Willicher Schülerlotsen. "Ich finde, es ist eine wichtige Aufgabe, und ich mache es gerne, denn es geschieht zum Wohl der jüngeren Kinder", sagt Lisa.

Wer die Theorie hinter sich gebracht hat, geht zum Rollenspiel. Verkehrssicherheitsberater Dieter Bach spielt einen Autofahrer, der an einer Lotsenstelle hält, es eilig hat und barsch die Lotsen anspricht. Fabiene und Julia bringt das nicht aus der Ruhe. Die beiden 16-jährigen Mädels gehören seit der achten Klasse dem Lotsendienst an. "Wir haben in all der Zeit noch nie einen unfreundlichen Autofahrer erlebt", sagt Fabiene, die kleinere Geschwister hat und sich entschieden hat, etwas dafür zu tun, dass auch andere Kinder sicher zur Schule kommen können. Die Jury, bestehend aus Peter Opdensteinen, Leiter der Direktion Verkehr, und den beiden Betreuungslehrern der Lotsen, Michael Bittner und Chris Michiels, ist vom Auftreten der beiden angetan. Ob Erscheinungsbild, Ausdrucksweise, Durchsetzungsvermögen, Rechtssicherheit und Teamfähigkeit: Es gibt ordentlich Punkte bei den fünf Bewertungskriterien.

Einige Räume weiter steht der Reaktionstest an. Es gilt, bei einem Hupsignal blitzschnell mit dem rechten Fuß von der Bremse aufs Gaspedal zu steigen. "Der Anhalteweg setzt sich aus den drei Komponenten Reaktionszeit und -weg sowie Bremsweg zusammen", erklärt Heinz Schwoll von der Kreisverkehrswacht Viersen. Pierre hat 0,298 Sekunden für den Wechsel benötigt. "Eine sehr gute Zeit", lobt Schwoll. Dieter Lambertz, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht, will es auch wissen und nimmt zur Freude der Jugendlichen vor den Pedalen Platz. Mit einer Zeit von 0,280 Sekunden lässt der 71-Jährige die Jugendlichen staunen. "Trotz dieser schnellen Zeit würde bei den aktuell eingestellten Kriterien von 150 Stundenkilometer bei Regenwetter der Anhalteweg 165 Meter betragen", erläutert Schwoll und macht damit deutlich, wie wichtig angepasste Geschwindigkeiten und Sicherheitsabstand beim Autofahren sind.

Wer das alles hinter sich gebracht hat, der darf noch Geschwindigkeiten und entsprechend Anhalteweg auf dem Schulhof schätzen. Danach heißt es, auf die Ergebnisse zu warten. Die besten drei qualifizieren sich für den NRW Landeswettbewerb. "Leider ist die Zahl der Schülerlotsen rückläufig, das ist auch durch die Auflösung der Hauptschulen bedingt, aus denen wir bislang die meisten Lotsen rekrutieren konnten", berichtet Verkehrssicherheitsberater André Schmitz. Der Kreis Viersen hat dabei sehr gute Lotsen. Seit 1970 gab es allein sechs Landessieger aus dem Kreis und einen Drittplatzierten im Bundeswettbewerb.

Quelle: RP
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