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Stadt Willich
Verwahrlosung im Alter: 30 extreme Fälle in 2015

Stadt Willich. Der Prozess verläuft meist lange im Verborgenen, bis er Nachbarn, Verwandten oder Behörden auffällt: Der Willicher Sozialausschuss nahm einen Bericht der Verwaltung zur Verwahrlosung älterer Menschen zu Kenntnis. Das Thema war bereits in der Sitzung im vergangenen November angerissen worden, und die Sozialpolitiker hatten die Verwaltung gebeten, einen detaillierten Bericht vorzulegen. Von Nadia Joppen

Die Seniorenstelle / Pflegestützpunkt der Stadt Willich hat im vergangenen Jahr 598 Klienten beraten, davon fielen 30 Beratungen unter die Beschreibung einer "extremen Verwahrlosung". 17 Personen waren männlich, 13 weiblich - und die Problematik taucht auch schon bei Menschen bis 60 Jahren (4 Fälle) auf. In der Gruppe der 61- bis 70-Jährigen gab es acht Fälle, in der der 71- bis 80-Jährigen 13 und in der Gruppe der über 80-Jährigen fünf extreme Verwahrlosungen.

Es lasse sich keine Konzentration auf einen bestimmten Ortsteil oder ein Quartier erkennen, "die Klienten leben gleichmäßig über die Stadt verteilt sowohl in Mietwohnungen, als auch im Eigentum", so die Verwaltung. Die Klienten hätten "multikomplexe Problemlagen" - sie seien zum Beispiel mit der eigenen hauswirtschaftlichen Versorgung überfordert, brauchten Pflege, seien dementiell verändert, hätten psychische oder Suchtprobleme, seien überschuldet, mangelernährt oder ihnen drohe die Obdachlosigkeit. Um diesen Menschen zu helfen, arbeitet die Seniorenstelle in einem großen Netzwerk etwa mit Ärzten und Sozialdiensten, ambulanten Pflegediensten, Ehrenamtlern verschiedener Organisationen sowie Behörden, Gericht und Versicherungsträgern zusammen. Wird die Notlage eines älteren Menschen bekannt, begleitet die Seniorenstelle diesen durch sämtliche Unterstützungsmaßnahmen.

Die Erfahrung zeigt, dass sich 80 Prozent der Menschen, deren problematische Situation bekannt wird, helfen lassen und die Hilfe in der Regel zu einer deutlichen Verbesserung der Versorgungssituation führt. Die Seniorenstelle rechnet damit, dass die Fallzahlen steigen werden - weil die Bevölkerung sensibler für das Thema wird und weil die Versorgungsstrukturen weiter ausgebaut werden.

Quelle: RP
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