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Stadt Willich
Vom Schillern und Blinken der Klangfarben

Stadt Willich. "Nordlichter" - Unter dieses Motto hatte Friederike Braun, Kantorin von St. Katharina Willich ihr Chor- und Orgelkonzert am vergangenen Sonntag in der Pfarrkirche von Willich gestellt. Und in der Tat. Es gab Lichtes und Schillerndes aus dem interessanten Bereich der Nordischen Musik zu hören. Der Kammerchor an St. Katharina Willich sang in gemischter Aufstellung, was der gegenseitigen Durchdringung von Stimmen und Klangfarben recht dienlich war. Sicher nicht alles war von Beginn an im Klangsitz ausgewogen. Mitunter schillerten die Farben und Linien ein wenig unsicher durch den Raum. Doch selbst dieses Schillern trug in seinem irisierenden Schillern eine gewisse Spannung in sich, die in ihrer Schattierung vielfältiger war, als so manches Bild, das so dekorativ an den Kirchenwänden platziert war.

Der skandinavischen Chormusik haftet bis weilen etwas Geheimnisvolles an. Das war auch in der Messe von Johann August Södermann (1832-1876) zu spüren. Warme und satte Harmonien wurden von überraschenden Dissonanzen, wie von blinkenden Eiskristallen durchbrochen Im "Kyrie" dieser Messe gab es schön ausgesungenes Sopran-Solo von Simone Schöntaube. Neben Beiträgen aus der Chormusik der skandinavischen Romantik hatte Friederike Braun aber auch ausdrücklich einen Schwerpunkt auf zeitgenössische Beiträge gelegt. Besonders hervorzuheben ist hier die gelungene Wiedergabe von Kurt Nystedts (1915-2014) "Peace". Die eindringliche und dynamisch differenzierte musikalische Bitte um "Frieden" wurde sehr ruhig und präzise ausgeleuchtet. Oszillierend wie ein Polarlicht schwebte die Musik durch den Raum und hinterließ einen geradezu ätherischen Eindruck.

Das gut besuchte Konzert wurde von der Kantorin noch um einige Orgelwerke aus Skandinavien bereichert. Dabei gab es auch hier neben romantischen Ansätzen, wie etwa in Niels Wilhelm Gades (1817-1890) "Tonstücken für Orgel op. 22" ein moderneres Werk zu hören. Das "Lux Aeterna" für Orgel ist vom Grundgedanken her zwölftönig verfasst. Allerdings wird die Abstraktion von einer Klangsinnlichkeit begleitet, die im An- und Abschwellen von Melodiepassagen und Harmonien eine ganz eigene Suggestionskraft entwickelt.

Die Vielfältigkeit der einzelnen Musikbeiträge zeigte, dass die Chor- und Orgelmusik der nordeuropäischen Hemisphäre immer noch eine Entdeckung wert sind. Dafür gab es vom Publikum ganz zu recht mehr als nur dankbaren Applaus.

(GB)
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