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Stadt Willich
Vor 75 Jahren zum Priester geweiht

Stadt Willich: Vor 75 Jahren zum Priester geweiht
Pater Peter Michael Heintges im Kreise seiner Familie, das Bild entstand 2013 bei einem Besuch auf den Philippinen. FOTO: kn
Stadt Willich. Der gebürtige Schiefbahner Peter Michael Heintges feiert ein seltenes Jubiläum. Der 102-Jährige lebt auf den Philippinen. Er hat 20 Bücher geschrieben, größtenteils über den Glauben. Er interessiert sich sehr für seine Heimat. Von Willi Schöfer

Wenn man sieben Jahrzehnte lang Priester war, spricht man von einem "Gnadenjubiläum". Der gebürtige Schiefbahner Peter Michael Heintges setzt da noch einen drauf. Am 15. August 2015 wird es nämlich 75 Jahre her sein, dass Michael Heintges im amerikanischen Techny im Bundesstaat Illionis die Priesterweihe empfing. "Und den Tag des Jubiläums möchte ich gerne noch erleben", sagte der Jubiliar, als ihn zuletzt 2013 seine Nichte Katharina Wilms besucht hatte. Sie musste mit ihrem Ehemann Johannes weit reisen. Denn der Geistliche wird seit einigen Jahren im Seniorenheim "Villa Cristo Rey" in Quezon City auf den Philippinen betreut.

Pater Michael hat auch mittlerweile ein "Gnadenalter" erreicht. Er wurde am 1. Oktober 1912 auf dem elterlichen damals von Elisabeth und Heinrich Heintges geführten Hof im Schiefbahner Unterbruch geboren, ist also 102 Jahre alt. "Mit dem Wort Ruhestand konnte mein Onkel noch nie allzu viel anfangen", erinnert sich Katharina Wilms an die letzte Begegnung in seinem kleinen Zimmer im Seniorenheim. Nur ein Bett, ein Bücherregal und ein kleiner Schreibtisch mit einer alten Schreibmaschine standen dort. An der Wand hing neben dem Stammbaum der Familie Heintges eine alte Deutschlandkarte, auf der auch sein Heimatort Schiefbahn eingezeichnet ist. Bis vor wenigen Jahren nahm er noch die Beichte ab. Und die alte Schreibmaschine hat er dazu gebraucht, über 20 Bücher größtenteils über den Glauben zu schreiben, aber unter anderem auch über die amerikanische Historie.

Nachdem Michael Heintges zunächst auf dem elterlichen Hof arbeitete, fasste er schon früh, vielleicht auch wegen des herannahenden Zweiten Weltkrieges den Entschluss, Priester zu werden und in der Mission zu arbeiten. Zumal sein sechs Jahre älterer Bruder Karl, der 1986 starb, ebenfalls Priester bei den Steyler Missionaren war und lange Zeit in China wirkte. Jedenfalls trat Michael Heintges in den 1940-er Jahren ebenfalls dieser Ordensgemeinschaft bei, die offiziell die Gesellschaft des Göttliches Wortes heißt. Und er hatte sich USA als sein neues Betätigungsfeld ausgesucht. Am 1. Oktober 1937 sah der Einwanderer von seinem Schiff zum ersten Mal die Freiheitsstatue im Hafen von New York. Der Vater von Katharina Wilms (73), die ebenfalls in Schiefbahn geboren wurde, aber schon seit 26 Jahren in Anrath wohnt und im Namen ihrer vielen Geschwister den Kontakt zu ihrem Onkel pflegt, war der Bruder des späteren Missionars, der erst einmal nach seiner Priesterweihe am 15. August 1940 in den USA blieb, dort an einigen Missionsschulen oder bei Priesterseminaren Theologie, Latein, sogar Griechisch und später sogar die "American History" unterrichtete. 1957 folgte er dem Ruf des Ordens und wirkte ab dem Zeitpunkt auf den Philippinen, bildete dort zahlreiche Priester aus, war unter anderem Rektor und bekam mehrere Professuren.

"Die Liebe zu seiner früheren Heimat Schiefbahn Heimat hat mein Onkel nie verloren", sagt seine Nichte und sie ergänzt: "Regelmäßig erkundigt er sich nach seinen Verwandten und den Willicher Bürgermeister Josef Heyes kennt er auch." Während seines USA-Aufenthaltes sah er seine Heimat erst 1966 wieder. Damals wurde in der katholischen Schiefbahner Pfarrkirche St. Hubertus seine Primiz nachgefeiert, gleichzeitig mit seinem 25-jährigen Priesterjubiläum. Und auch das Goldene Priesterjubiläum des Paters im Jahre 1990 wurde festlich mit ihm in St. Hubertus begangen. Das war das vorläufig letzte Mal, dass Pater Michael Schiefbahn besuchte. In Manila feierte er am 1. Oktober 2012 seinen 100. Geburtstag.

"Jetzt ist er aufgrund seines Alters nicht mehr so mobil wie früher, aber nach wie vor steht er jeden Morgen um 5 Uhr auf und lässt nahezu keine Frühmesse aus", erzählt Katharina Wilms. Auch habe er sich darüber freut, als sie mit ihrem Mann Johannes im vergangenen Jahr die Goldhochzeit feierten. Leider können die Eheleute Wilms den Pater zu seinem nächsten äußerst seltenen Jubiläen im August nicht besuchen. Allerdings wird es dazu viele schriftliche Glück- und Segenswünsche aus seiner früheren Heimatgemeinde geben. Unter anderem von Willichs Bürgermeister Josef Heyes, der den Pater mehrmals getroffen hat. Und auch Hans Grips, der heutzutage ebenso wie früher Pater Michael noch im Unterbruch lebt, hat dem heute 102-Jährigen vor einiger Zeit mal die Entwicklungen und Veränderungen in der kleinen Schiefbahner Honschaft mitgeteilt.

Quelle: RP
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