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Stadt Kempen
Was in Frankreich anders ist

Stadt Kempen: Was in Frankreich anders ist
Französische und deutsche Schüler haben in einem Workshop aufgelistet, welche Unterschiede zwischen den beiden Ländern liegen. Es sind wichtige Dinge, aber auch kleine Banalitäten des Alltags. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Die Teilnehmer des deutsch-französischen Schüleraustausches in Kempen setzten sich auch mit den Unterschieden zwischen den beiden Ländern auseinander. Französische Schüler fahren zum Beispiel weniger Fahrrad. Von Bianca Treffer

In der Aula der Erich Kästner Realschule rattert der Drucker. Louis (15) und Pedro (12) warten voller Spannung auf die Fotos, die vor wenigen Sekunden vom Kamerastick auf den Rechner gezogen worden. "Wir haben heute Morgen einen Rundgang durch Kempen gemacht und Fotos von Dingen gemacht, die uns aufgefallen sind, weil sie anders als daheim in Frankreich sind", erklärt Louis, der gerade ein Bild von einem auf Asphalt aufgemalten Fahrrad sowie ein weiteres Foto, das viele Räder vor dem Schulgebäude zeigt, entgegennimmt. "In Frankreich wird nicht so viel Fahrrad gefahren", bemerkt Pedro dazu, während er die Bildrückseite mit Kleber versieht, um das Foto im Anschluss auf das große Plakat zu kleben, auf dem die drei großen Überschriften "Deutschland", "Frankreich" und "Both", das englische Wort für beide, zu lesen sind.

Auf der französischen Seite hat Mette schon etliches eingetragen, was ihr im März beim Frankreichbesuch während des Schüleraustausches aufgefallen ist. "Es gibt einiges, was in Frankreich anders ist. Das fängt schon beim Unterricht an. Die Franzosen haben 55-minütige Schulstunden. Bei uns dauert eine Unterrichtseinheit 45 Minuten", sagt die zwölfjährige Schülerin des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums (LvD).

Auch unter der Rubrik "Both" stehen schon die ersten Begriffe. Aber nicht nur hier wird fleißig gesammelt. 80 Schüler aus Kempen und der französischen Partnerstadt Orsay sind damit beschäftigt, Unterschiede, die ihnen persönlich bei den gegenseitigen Besuchen aufgefallen sind, auf großen Plakaten festzuhalten, wobei in zehn bunt gemischten Gruppen gearbeitet wird. Unter dem Titel "Wie aus Fremden Freunde werden" ist im Rahmen des langjährigen Schüleraustausches erstmals ein gesellschaftspolitischer Workshop-Tag vorgesehen.

Den haben die Bürgermeister beider Städte gemeinsam geplant und mit den sechs beteiligten Schulen umgesetzt. Auf französischer und deutscher Seite sind je drei weiterführende Schulen beteiligt. "Das Tolle ist, dass es sich um den Blickwinkel der Schüler handelt. Mir wäre nie aufgefallen, dass die Tastatur auf den Smartphones in Deutschland und Frankreich anders angeordnet ist", sagt Ettine Bauer, Lehrerin am LvD. Wenn jemand beim Chatten ironisch ausdrücken möchte, dass etwas gar nicht zum Lachen ist, schreibt der Franzose MDR. Das steht nicht für Mitteldeutscher Rundfunk, sondern für "mort de rire", also "Ich lach mich tot". Der deutsche Teenager nutzt dagegen "Hahaha".

Aber es gibt auch sehr ernste Unterschiede. So fiel den deutschen Schülern bei ihrem Frankreichbesuch im März, als sie schon für den geplanten Workshop fotografierten, die starke Militärpräsenz auf. "Vor Sehenswürdigkeiten, selbst vor Kaufhäusern wurde kontrolliert", erzählt die 15-jährige Hannah vom Thomaeum.

Weitere Unterschiede: Den Franzosen fehlen feste Zeiten für das Mittag- und Abendessen, während sich die Deutschen wundern, dass in Frankreich warme Milch aus einer Schüssel getrunken wird, in die zudem das Croissant getaucht wird. Unter den Aspekten, welche Gefahren in anderen Ansichten liegen können, wie Vorurteile entstehen, aber auch wie die Vielfalt vorteilhaft genutzt werden, geht es beim gemeinsamen Tag weiter. Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer beleuchtet diesen Part im Anschluss an die Präsentationen der Workshop-Ergebnisse ganz genau. Eines ist allen Workshop-Teilnehmern klar geworden: Unterschiede trennen nicht, sondern bereichern.

Quelle: RP
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