| 16.32 Uhr

Stadt Willich
Was sonst kaum einer sieht

Stadt Willich. Wie entstehen Kulissen und andere Utensilien für die Schlossfestspiele Neersen? Auf diese Frage gibt die Ausstellung der Ausstatterin Silke von Patay eine Antwort. Zudem zeigt sie, wie vielseitig die Hamburgerin ist. Von Angela Wilms-Adrians

Bis zu den Schlossfestspielen in Neersen ist es noch ein wenig hin, doch schon jetzt können die Besucher der Temporären Galerie im Schloss Neersen ein wenig Theaterluft schnuppern. Unter dem Titel "Freie Kunst – Theater und die Welt dazwischen" zeigt die Hamburgerin Silke von Patay Figuren, Zeichnungen und "das, was sonst kaum einer sieht".

Die Festspielfreunde erkennen in den Exponaten z.B. Mirandolina und den Räuber Hotzenplotz wieder. "Sie sind gebraucht, sie haben gelitten und eine Bühnengeschichte hinter sich", sagt die Künstlerin, die 2008 und 09 als Ausstatterin bei den Festspielen dabei war. Die Präsentation offenbart zudem eine hier bisher unbekannte Seite der Bildhauerin, Bühnenbildnerin, Malerin und Puppenbauerin: ihre freie, nicht auf das Theater gerichtete Kunst.

Die Ausstellung wurde von Astrid Jacob vorgeschlagen. Die Festspielintendantin realisiert damit den lang gehegten Wunsch, endlich einmal die Kunst hinter den Kulissen ins Blickfeld zu rücken. Auf der rechten Seite vom Eingang dominiert die Theaterwelt. Der monumentale Rahmen aus der Inszenierung "Arsen und Spitzenhäubchen" wird zur Bühne der Marionetten aus "Mirandolina". Die vorgelagerten "Statisten" einer Bauprobe dokumentieren im unfertigen Zustand einen Abschnitt des Arbeitsprozesses. An Kleiderbügeln reihen sich an der Wand gegenüber die kopflosen "Kaukautzkis", denen die Darsteller des Kinderstücks "Räuber Hotzenplotz" ihre Gesichter liehen. Unweit davon scheinen es sich die lebensgroßen "Leichen" der Krimikomödie "Arsen und Spitzenhäubchen" bequem zu machen. Wie die anderen Figuren sind sie aus textilen Stoffen gearbeitet.

Auf Packpapier zeichnete Silke von Patay ihre Helden zunächst mit Kreide und Kohle und fixierte die Ergebnisse mit Haarspray, damit in späteren Arbeitsschritten nichts verwischt. Denn so lebendig die Figuren auch wirken, so sind sie Teil der Vorarbeit. Dazu geheftete Stoffe geben der Kostümschneiderei Auskunft über die gewünschte Materialität der Kleider.

Abstrahierte Impressionen

Am anderen Ende des Saals faszinieren Beispiele der freien Kunst ohne Zielrichtung Theaterbühne. Eindrucksvoll erschafft Silke von Patay abstrahierte Impressionen vom "Ball des Todes". Mit sicheren Strichen fängt sie in Serie die Bewegungsfreude der "Drallen Tänzerin" ein. Köstlich sind die witzigen Studien zum "Tortentanz". In Silke von Patays Gabe, menschliche Schwächen auf den Punkt zu bringen, erkennt Astrid Jacob eine Parallele zu Daumier, der die "Karikatur als Kunstform" perfektionierte.

Zur aktuellen Festspielsaison verlässt sich die Intendantin erneut auf von Patay: Sie wird die Inszenierungen "Der kleine Lord" und "Der Gott des Gemetzels" ausstatten.

Quelle: RP
 
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