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Stadt Willich
Was wird aus dem Pimpertzhof?

Stadt Willich: Was wird aus dem Pimpertzhof?
Der Pimpertzhof verfällt seit Jahren. Sein Eigentümer ist überzeugt, dass man ihn retten kann. FOTO: Thomas Lammertz
Stadt Willich. Der Streit zwischen dem Eigentümer Ferhad Jalali und der Stadt Willich um das Gehöft in Anrath geht weiter. Die Stadt behauptet, Jalali hätte unerlaubt Gebäudeteile abgerissen, was dieser vehement bestreitet. Von Marc Schütz

Aus dem unansehnlichen Pimpertzhof in Anrath möchte der Eigentümer Ferhad Jalali ein Schmuckstück machen und dort nach einer umfangreichen Sanierung mit seiner Familie einziehen. Doch dafür gibt es keine Genehmigung von der Stadt. Eine Ordnungsverfügung besagt zudem, dass das Grundstück nicht betreten werden darf, da die Gebäude einsturzgefährdet sind. Jalali hat nun die Technische Beigeordnete der Stadt, Martina Stall, wegen Nötigung und Verleumdung angeklagt und erhält in den sozialen Medien viel Zuspruch für seine Hartnäckigkeit. Im Internet unter www.pimpertzhof.de stellt er zudem ausführlich seine Geschichte dar, veröffentlicht Schriftstücke und hat die Seite so gegliedert, dass man auf die Namen von Bürgermeister Josef Heyes, Martina Stall, aber auch städtischen Mitarbeitern klicken kann - was Jalali den Vorwurf einbringt, er würde dort Menschen "an den Pranger stellen".

Die Stadt, die eine andere Sicht auf den Fall Pimpertzhof hat, darf sich aus rechtlichen Gründen nicht im Detail äußern. Jalali hat jedoch ein Schreiben des Bürgermeisters veröffentlicht, das den Sachverhalt aus Heyes' Sicht darstellt. Jalali argumentiert, dass die Stadt jahrzehntelang eine Schlosserei im Pimpertzhof geduldet habe. Heyes schreibt, dass diese Firma jedoch bereits im Jahr 2002 nach Tönisvorst zog, danach gab es laut Heyes keine Nutzung der Scheune mehr. Zudem wurden bereits 2001 Zweifel an der Standfestigkeit der Scheune laut, und es gab brandschutztechnische Mängel.

Anfang 2013 erwarb Jalali den Pimpertzhof und soll verschiedene Bauarbeiten vorgenommen haben - allerdings ohne Genehmigung. Denn im Bebauungsplan ist die Fläche für landwirtschaftliche Zwecke vorgesehen, eine Nutzung zu Wohnzwecken ist ausgeschlossen. Dennoch wurde die Aufhebung des Bebauungsplans ins Arbeitsprogramm der Stadtverwaltung aufgenommen, unter anderem wegen Personalmangels verzögerte sich die Bearbeitung allerdings. Jalali soll aber weitere, nicht genehmigte Abrissarbeiten vorgenommen haben, die dazu geführt haben sollen, dass die Gebäude nun einsturzgefährdet sind. Weitere Abbrucharbeiten und die Nutzung der Gebäude wurden untersagt, die Hofanlage wurde versiegelt. Dagegen klagte der Eigentümer jedoch nicht, weshalb das Gebäude bis heute nicht betreten werden darf.

Dennoch seien die Abbrucharbeiten 2015 weitergegangen, so Heyes, zudem soll unter anderem ohne Genehmigung ein Erdwall angelegt worden sein. Das bestreitet Jalali auf Nachfrage unserer Zeitung jedoch vehement: Er habe allenfalls ein paar Gartenarbeiten erledigt, den bereits vorhandenen Erdwall habe er sogar verkleinert und nicht aufgeschüttet. Die Gebäude habe er nicht betreten, geschweige denn abgerissen. "Ich würde gern wissen, was ich konkret getan haben soll. Bisher habe ich alles gemacht, was die Stadt von mir verlangt hat", so Jalali.

Im Dezember 2015 wurde eine Bauvoranfrage aus dem Jahr 2013 abgelehnt - mit der Begründung, dass die Bausubstanz nicht mehr erhaltenswert sei und bereits eine illegale Nutzungsänderung stattgefunden habe. Jalali klagte gegen diese Ablehnung, Ende August 2016 fand auf dem Pimpertzhof ein Ortstermin des Verwaltungsgerichts Düsseldorf statt, bei dem über die Standsicherheit der Gebäude gesprochen worden sein soll. Die Richterin soll sich geweigert haben, die Gebäude zu betreten. Im Rahmen des Termins soll auch über die Möglichkeit gesprochen worden sein, das Gelände als Gewerbegebiet für nicht störendes Gewerbe ausweisen zu lassen - woraufhin Jalali seine Klage zurückzog.

Später stellte sich jedoch heraus, dass diese Lösung aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist. Allerdings soll die Stadt Willich in Aussicht gestellt haben zu prüfen, ob eine Nutzung des ehemaligen Wohnhauses als Einfamilienhaus genehmigt werden kann - allerdings müssten dann alle weiteren Gebäude des Pimpertzhofes abgerissen werden. Der städtischen Bauaufsicht sollen inzwischen entsprechende Anträge Jalalis vorliegen, die allerdings noch Mängel aufweisen.

Jalali bestätigt im Gespräch mit unserer Redaktion, diese Anträge gestellt zu haben. Allerdings nur halbherzig. Denn er dürfe nicht mal eine Einliegerwohnung für seinen Vater abteilen, da es sich dann nicht mehr um ein Einfamilienhaus handele. Zudem habe das Haupthaus eine Wohnfläche von 750 Quadratmetern. "Das ist zu viel für eine Familie. Soll ich 150 Quadratmeter abtrennen und den Rest verfallen lassen?", fragt Jalali. Er wolle nun endlich wissen, was er konkret machen dürfe und was nicht. Zudem wolle er, dass er von der Verwaltung ausführliche Antworten bekommt und seine Anträge bearbeitet werden. Er sei nach wie vor gesprächsbereit und habe das dem Bürgermeister vor wenigen Tagen in einer E-Mail signalisiert. Heyes habe aber geantwortet, dass er nicht zuständig sei.

Quelle: RP
 
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