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Stadt Willich
Wegekapelle als Zeichen der Erinnerung

Stadt Willich. Eine kleine Kapelle an der Krefelder Straße in Willich soll an die im vergangenen Jahr entwidmete Kirche St. Mariae Rosenkranz erinnern. Die Erdarbeiten haben gerade begonnen, fertig sein soll die Kapelle Ende 2017. Von Willi Schöfer

Dr. Paul Schroembges, der dem Kirchenvorstand der katholischen Pfarrgemeinde St. Katharina angehört, blickt zurück und erinnert daran, mit welch großem Engagement in der Nazi-Zeit viele Katholiken im Norden von Willich in den Jahren 1938 und 1939 den Bau der Kirche St. Mariae Rosenkranz möglich gemacht hatten. Dies ist lange her. Die Kirche gibt es seit dem vergangenen Jahr nicht mehr. Um daran zu erinnern, ist gerade als sichtbares Zeichen des Glaubens, der Tradition und des Zusammenhalts mit dem Bau einer kleinen Wegekapelle begonnen worden.

"Wir wollen damit ein Zeichen auch für die nächsten Generationen setzen", sagte Pfarrer Jürgen Lenzen, als jetzt der Kapellenbau im Pfarrhaus vorgestellt wurde. Vor allem soll die kleine Kapelle, die die Außenmaße von 2,5 mal fünf Meter haben wird, bei einer Traufhöhe von 2,50 Meter, vielen vorbeifahrenden Autofahrern oder den Fußgängern quasi im Weg stehen. Denn sie wird nur wenige Meter von der der am 31. Mai 2015 entwidmeten Kirche entfernt direkt an der stark frequentierten Krefelder Straße in unmittelbarer Nähe der Autobahnauf- und -abfahrten gebaut. Mittels eines Erbbauvertrages hatte sich die Pfarre dazu das Einverständnis vom jetzigen Eigentümer, der Stadt Willich, geholt. Schroembges dazu: "Der Vertrag läuft erst einmal über 99 Jahre, also Zeit genug, dass die Kapelle später mal zu einem Denkmal werden kann ..."

Gerade hat eine Firma aus Süchteln mit dem Erdaushub begonnen. "Wir werden mit dem Bau aller Voraussicht bis Ende des Jahres fertig sein", sagt Architekt Gregor Dewey, der schon an der umfangreichen Sanierung von St. Katharina in den Jahren 2009 bis 2012 beteiligt gewesen war. Dewey führt unter anderem aus, dass der Zugang zur Kapelle im rückwärtigen Teil sein werde. Von der Straße gibt es inmitten der grauen Natursteinelemente ein gläsernes und teilweise künstlerisches gestaltetes Fensterband, durch das man die Marienskulptur als auch die Fläche für die Opferkerzen sehen kann.

Bei der Präsentation im Pfarrhaus stand in einer Ecke auch eine nahezu lebensgroße Marien-Skulptur. Sie hatte der einstigen Pfarrvikarie ihren Namen gegeben, stand bis zur Entwidmung die ganze Zeit in der Kirche am Ortsrand von Willich. Sie soll im Innenraum der neuen Kapelle auf einem etwa 60 Zentimeter hohen Podest ihren neuen Platz bekommen. Ihr gegenüber wird eine Sitzbank aufgestellt. Dies ist im Innern der neuen Wegekapelle an "Mobiliar" auch schon alles. Platz dürfte drinnen für maximal sechs bis acht Personen sein.

Die Kosten, die die Pfarrgemeinde St. Katharina aus eigenen Mitteln trägt, haben es in sich; es sind rund 142.000 Euro. Um die moderne und künstlerische Innen- und Außen-Gestaltung des Kapellenraumes kümmert sich vor allem Steinmetz Christoph Schwartzenberg. Er hat sich aus einem Steinbruch in Italien aus vulkanischem Trachyt-Gestein das gräuliche "Peperino Grigio" beschafft und ist gerade mit seinem Team dabei, die Gesteinsbrocken in Form zu schneiden. Insgesamt dürfte das zu verarbeitende Gestein, das sich an den Wänden und auf dem Dach in verschiedensten Elementen wiederfinden wird, rund 42 Tonnen schwer sein.

Es werden übrigens noch weitere sakrale Gegenstände dort eingebracht. "Wir werden die Altartische vom Haupt- und Nebenaltar von Mariae Rosenkranz unter der Betonwanne beerdigen, um sie dadurch weiter aufzubewahren", sagt Jürgen Lenzen. Und es gibt noch etwas, rund 1,50 Meter von der Eingangstür entfernt: ein Glockengehäuse, in dem in 2,50 Meter Höhe die alte Sakristeiglocke von St. Mariae Rosenkranz installiert wird. Auf Wunsch kann sie, so bei Andachten oder Rosenkranzgebeten, mittels eines kleinen "Hammers" angeschlagen werden.

"Warten Sie es ab, die Kapelle wird nicht altbacken, sondern sehr modern aussehen", sagt Paul Schroembges. Wahrscheinlich wird die Kapelle dann im Frühjahr des kommenden Jahres feierlich eingesegnet. Ein Team von Ehrenamtlichen, das sich bald um das kleine Bethaus kümmern will, ist gerade dabei, weitere Einzelheiten, so auch die Öffnungs- und Schließzeiten, zu besprechen. Wobei Verantwortliche des Kirchenvorstandes davon ausgehen, dass die neue Kapelle zumindest tagsüber immer geöffnet sein wird.

Quelle: RP
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