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Stadt Willich
Wein mit Pflastergeschmack
Stadt Willich: Wein mit Pflastergeschmack
Diplom-Biologin Pia Kambergs (li.) beobachtet, wie die Teilnehmer des Wildkräuter-Kochkurses die Zutaten für das Drei-Gang-Menü im Kräutergarten der Eva-Lorenz-Umweltstation sammeln. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Willich. Welche Kräuter essbar sind und was damit alles gemacht werden kann, das zeigte jetzt Pia Kambergs. Die Diplom-Biologin lud zum Wildkräuter-Kochkursus im Neersener Schlosspark ein. Von Natascha Becker

"Das wird unser Nachtisch", sagt Pia Kambergs und deutet auf die grünen Pflanzen mit den hellen Blüten, die an Brennnesseln erinnern. Den ein wenig ratlos schauenden acht Teilnehmern um sie herum hilft sie auf die Sprünge. "Das ist Mädesüss. Die Blüten haben ein Mandelaroma, die Blätter erinnern ein wenig an den Geruch von altem Heftpflaster", erklärt die Diplom-Biologin.

Für den Nachtisch sind die Blüten gefragt. Erste Scheren werden gezückt. Angelika Hannig und Andre Beermann machen sich an die Arbeit und schneiden vorsichtig Blüten ab. Derweil macht Axel Schmidt an den Blättern die Geruchsprobe. "Riecht wirklich so. Dann haben wir vorhin Wein mit Heftpflastergeschmack getrunken", spielt er auf den Willkommensgruß an, den die Teilnehmer des Wildkräuter-Kochkurses bekommen haben. Zur Begrüßung gab es nämlich einen Mädesüss-Honigwein. Schnell ist ein Körbchen mit Mädesüssblüten voll und es geht weiter.

Wissen über essbare Kräuter

Brunnenkresse für den Salat und das Pesto steht als nächstes auf dem Programm. Dafür müssen die Teilnehmer ein Stück die Böschung des schmalen Kanals, der den Neersener Schlosspark kreuzt, hinunter. "Ist es das Weiß blühende?", möchte Sandra Beckmann wissen. Kambergs schüttelt den Kopf. Das sei Merk, sagt sie. Katrin Maurer hat indes nach den Beschreibungen der Biologin die Brunnenkresse erkannt. Doch sicherheitshalber fragt auch sie noch einmal nach. Das nächste Körbchen wird voll.

Auf dem Weg zum Kräutergarten der Eva-Lorenz-Umweltstation entdeckt Harald Janko noch Wasserminze und Doris Hölker kann den Gundermann problemlos identifizieren. Was Kambergs an Wissen über essbare Kräuter, deren Erkennungsmerkmale und Einsatzmöglichkeiten, aber auch über mögliche Verwechslungspflanzen erklärt hat, sitzt bei allen Teilnehmern. "Es ist schon interessant, was man alles mit einheimischen Kräutern machen kann. Ich habe im Oktober einen ersten Kräuterkursus mitgemacht. Aber jede Jahreszeit bietet andere Kräuter und Früchte an, daher ist es immer wieder informativ", sagt Ulla Hansen, die ein Körbchen voller Bärenklau trägt.

Malvenfrüchte, Scharfgarbe – in und an den Kräuterbeeten findet sich das, was noch fehlt, um ein Drei-Gang-Menü zu zaubern. Nach dem Sammeln ist nämlich Kochen angesagt. Aus Ziegenfrischkäse entstehen Kräuter-Bällchen in Blüten gewälzt und in Beinwellblätter gehüllt, dazu kommt ein Wildkräuterpesto, das zu den Spaghetti gereicht wird, und der Scharfgabensalat bekommt durch frische Pilze eine besondere Note. Zum krönenden Abschluss dann der Mädesüss-Pudding.

Wie es geht, zeigt Kambergs. Blüten in der Milch aufkochen, ziehen lassen, abseihen und die Milch für den anschließenden Pudding hat einen ganz besonderen Geschmack. Und damit alles gut verdaut wird, steuert sie zum Abschluss noch einen Walnusslikör aus grünen Walnüssen bei.

Quelle: RP
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