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Stadt Willich
Weiterer Widerstand gegen die Halle

Stadt Willich. Anwohner der geplanten Veranstaltungshalle neben dem Schwimmbad wehren sich mit Flugblättern gegen die städtische Planung. Sie werben für zahlreichen Widerspruch in der laufenden Auslegung der Pläne. Von Nadia Joppen

"Es werden stündlich mehr." So beschreibt Sabine Wienecke, eine Anwohnerin am Heiligenweg, die Gruppengröße derjenigen, die sich in Willich gegen die Planungen für eine Veranstaltungshalle neben dem Schwimmbad wehren. Sie und weitere betroffene Anwohner haben mit "zehn bis zwölf Leuten Ende März" ein Flugblatt "Wir wehren uns" entworfen, das sie derzeit verteilen. Sie möchten damit mehr Bürger dafür gewinnen, in der derzeit laufenden "Auslegung" des Bebauungsplanes 16 I W, "südlich Schwimmbad", Widerspruch gegen das Projekt bei der Stadt einzureichen. Wienecke hat das Flugblatt und ihre Argumentation an die Rheinische Post geschickt. Im Folgenden sollen ihre und die Argumente aus der bisherigen Planung von Politik und Verwaltung gegenüber gestellt werden.

Flugblatt: Die Stadt Willich plant ... eine Veranstaltungshalle für bis zu 1200 Besucher.

Stellungnahme Wienecke: Zu dem Zeitpunkt, als der Rat den geplanten Standort für eine Veranstaltungshalle beschlossen hat, wurde von einer Halle für 400 bis 500 Besucher ausgegangen. Nur für diese Größenordnung wurde der Standortvergleich durchgeführt.

Kämmerer Willy Kerbusch: Es wurden drei Modelle entwickelt - für 500, 700 oder 1000 Stehplätze. Nur die letzte Größe ist wirtschaftlich vertretbar, weil für alle die gleichen Kosten für die Grundtechnik anfallen. Ein kleiner Saal schafft zudem keinen Platz, um die Großveranstaltungen aus der Jakob-Frantzen-Halle verlegen zu können. Der Umbau der Frantzen-Halle ist aufwändig, außerdem ist sie für Inklusion ungeeignet. Die Verlagerung der Veranstaltungen bringt den Sportvereinen mehr Zeit in der Halle.

Schreiben Wienecke: Die Vereine haben kein Interesse, einen Saal zu mieten und für das Catering selbst zu sorgen... übrig bleiben maximal sechs Veranstaltungen pro Jahr.

Kerbusch: Die Halle ist der Wunsch der Vereine. Der Stadtsportverband ist vehement für die neue Halle. Die Vereine geraten ohne Halle in Existenznot, mittelfristig ist das kulturelle Leben in der Stadt gefährdet. Die Halle ermöglicht es z. B. dann den Schülern, ihre Abitur-Bälle im Ort zu veranstalten - bisher gibt es dafür kein Angebot.

Michael Atsuki, Vorsitzender VMC: Wir brauchen eine Alternative zum Kaisersaal. Für Chorkonzerte reicht der Krücken-Saal nicht aus (...) Ich gehe fest davon aus, dass die Halle bei erschwinglichen Konditionen von den Vereinen genutzt wird.

Jürgen Stuppan, Vorsitzender MGV Liederkranz: Wir sind aufgeschmissen, weil keine Halle da ist. Krücken ist für ein großes Konzert mit 400 Leuten nicht geeignet. Wir brauchen so ein Konzert, um finanziell über die Runden zu kommen. Ein Chorleiter ist teuer.

Flugblatt: Gekrönt wird dieses Vorhaben durch die Errichtung einer ca. 100 Meter langen und 6,5 Meter hohen Lärmschutzwand direkt entlang der Schiefbahner Straße.

(RP: Die jetzige Darstellung im Plan weist an einer Fläche eine relative Nähe der Lärmschutzwand zur Schiefbahner Straße auf. Es bleibt noch der Bürgersteig sowie ein begrünter Abstand, der sich im nördlichen Verlauf verbreitert.)

Martina Stall, Technische Beigeordnete: Wir haben die Lärmschutzwand mit einer max. Breite von 1 Meter geplant. Wir müssen sehen, wieviel Platz an der absoluten Engstelle bleibt. Es gibt auch Lärmschutzwände, die nicht so massiv und aus durchsichtigem Material sind. Wichtig ist es, den Schalldämmwert erzielen zu können. Das Aussehen hat noch keine Relevanz. Es ist Grünfläche zum Kaschieren da, ein Großteil der Wand wird kaschiert.

Kerbusch: Das Problem im Moment ist der Lärm, wenn 4000 Menschen im Freizeitbad sind. Der neue Lärmschutz würde auch dagegen schützen, er kommt aber nur in Verbindung mit der Halle.

Flugblatt: Für die Halle sollen gerade einmal 100 Stellplätze neu angelegt werden. Der bisherige Parkplatz mit 111 Plätzen wird bereits für die Bütt, die Frantzen-Halle, das Berufskolleg und den Sportplatz genutzt und reicht ... bei weitem nicht aus. Dies führt bereits jetzt dazu, dass sämtliche angrenzenden Grünflächen sowie die Straßen der umliegenden Wohngebiete zugeparkt werden.

Kerbusch: Im Plangebiet sind drei Parkplätze, direkt an der Bütt sind noch ca. 85 Parkmöglichkeiten. Überschneidungen mit dem Hauptbetrieb der Bütt wird es selten geben. Die Norm verlangt bei einer Halle pro 100 Besucher zehn Parkplätze - das erfüllen wir. Die Halle ist fußläufig aus Willich heraus zu erreichen. Da umgekehrt auch der Ortskern von den Parkplätzen aus zu Fuß erreichbar ist, verbessert sich die Situation.

Flugblatt: Solch hohe Besucherzahlen werden dazu führen, dass der zu- und abfließende Verkehr über die Schiefbahner Straße und die engen Anliegerstraßen erfolgt und dort vor allem in den Abend- und Nachtstunden zu einer erheblichen Lärmbelästigung führt.

Kerbusch: Die Planung sieht die Ausleitung eines Großteils der Autos von den Parkplätzen in Richtung Tennisplätze vor und die Autos dürfen nur in Richtung Schiefbahn abfahren. Ein untergeordneter Teil wird aber über die Einfahrt zum Schwimmbad ausfahren.

Schreiben Wienecke: Ein möglicher Standort im Stahlwerk Becker wird seitens der Politik abgewiegelt.

Kerbusch: Wir haben sieben Standorte bewertet. Ein Standort im Stahlwerk ist fußläufig nicht erreichbar, der Synergie-Effekt durch das Blockheizkraftwerk am Schwimmbad entfällt. Bei Westwind beschweren sich die Anwohner aus Wekeln jetzt schon über Lärm aus dem Stahlwerk. Die Entscheidung für den Standort fiel einstimmig, lediglich die FDP hatte Bedenken, insbesondere wegen der Hallengröße.

RP: Das Protokoll der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 5. November 2013 zeigt folgenden Beschluss: "Sodann beauftragt der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig - bei zwei Enthaltungen der FDP-Fraktion - die Verwaltung, die Vorplanung für Hallenmodelle mit 500 / 700 / 1100 Sitzplätzen am Standort "Freizeitzentrum" in Willich durchzuführen... Der Planungsausschuss wird gebeten, die planerische Grundlage für die Errichtung einer Veranstaltungshalle an dem Standort "Freizeitzentrum Willich" zu erarbeiten."

Quelle: RP
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