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Stadt Willich
Wende im Schiefbahner Norden?

Stadt Willich: Wende im Schiefbahner Norden?
Eine große Umgehungsstraße im Schiefbahner Norden (hier vom Diepenbroich in Richtung Osten fotografiert) ist wohl vom Tisch. Es könnte aber eine kleine Alternative geben. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Die CDU-Bürgerrunde in Schiefbahn war mit 70 Personen sehr gut besucht. Ein Landwirt erklärte, dass er Grundstücke für die Erschließung des neuen Wohngebietes an der Fontanestraße möglicherweise verkaufen würde. Von Willi Schöfer und Marc Schütz

Es begann wie in den vielen, vielen Jahren zuvor: Zahleiche Bürger Schiefbahns empörten sich - diesmal bei der CDU-Bürgerrunde - über den seit vielen Jahren zunehmenden Verkehr, egal ob im Norden oder Süden des Stadtteils. Dabei wiesen sie auf die fehlende verkehrliche Infrastruktur auch bei den künftigen Vorhaben hin - und meinten damit die Schaffung zusätzlicher Wohneinheiten im geplanten Baugebiet "Schiefbahner Dreieck" und an der Fontanestraße. Im Kreuzfeuer ihrer Kritik standen Stadt- und Landesplaner, aber bei einigen Rednern auch Landwirte, die offenbar ihre Flächen für eine Umgehung oder eine Erschließungsstraße nicht abgeben wollen - so dachte man zumindest zunächst. Aber es kam dann doch ganz anders. CDU-Bürgerrundenleiter Christian Pakusch, der auch Vorsitzender des Willich Planungsausschusses ist, resümierte gestern auf Nachfrage erfreut: "Das könnte womöglich die Lösung eines Problems sein, das die Stadt Willich seit Jahrzehnten hat."

Doch der Reihe nach: Etwa 70 Personen waren in den "Niederheider Hof" gekommen, wo Pakusch die Anwesenden zunächst auf den aktuellen Stand brachte. Zum "Schiefbahner Dreieck" sagte er, dass mit der Vergabe der einzelnen freien Parzellen im Frühjahr 2017 begonnen werde. Dann fange man mit der Lärmschutzwand entlang der Korschenbroicher Straße, mit dem Bau des Blockheizkraftwerks und mit der Erschließung des Gebietes an. Zuletzt wolle die Verwaltung "wohl erst im Jahr 2020" den großen Kreisverkehr an der Einmündung der Willicher Straße in die Korschenbroicher Straße errichten.

Diese Mitteilung traf bei vielen Wortführern, darunter auch Ralf Lück von der "Bürgerinitiative Verkehrsbelästigung Schiefbahner Norden" auf Unverständnis. Klaus Brell sagte stellvertretend für viele nachfolgende Redner: "Ihr könnt doch nicht erst danach mit dem Kreisverkehr beginnen, das gibt doch in der Bauphase das größte Chaos mit langen Staus." "Über welche Straßen soll denn dann der Verkehr geführt werden?", wollte Jürgen Weiler wissen. Helmut Scholz regte an, in der Bauphase zumindest einen Abbiegestreifen auf der Landstraße in die Willicher Straße hinein vorzusehen.

Doch nicht nur das "Schiefbahner Dreieck" war Thema. Luftlinie etwa 250 Meter entfernt soll an der Fontanestraße gebaut werden. Dort soll es nach Anregungen von Anwohnern zu einer gesunden Mischung von Flüchtlingshäusern und Einfamilien- oder Doppelhäusern kommen. Gebaut werden aber zunächst neun anderthalbgeschossige Reihenhäuser für Flüchtlinge. Die Genehmigung hierfür liegt derzeit noch beim Kreis Viersen in der "Unteren Landschaftsbehörde", da es sich bei den Grundstücken noch um einen Außenbereich handelt. Demnächst soll aber mit dem Bau dieser Häuser begonnen werden, so Pakusch. Was das übrige, sich daran anschließende Baugebiet angeht, muss das Planungsrecht erst noch geschaffen werden.

Wo sich die Haupterschließungsstraße befinden soll, ist noch nicht klar. Christian Pakusch teilte lediglich mit, dass nach dem derzeitigen Stand der Dinge der Baustellenverkehr über einen neuen kleinen Kreisverkehr auf der Willicher Straße in die verkehrsberuhigte Augustinerinnenstraße hinein und dann in der Verlängerung über die derzeit gesperrte Wegeverbindung neben der alten Deponie zur Fontanestraße geführt werden soll.

Die Wende in der Diskussion kam, als es eigentlich um die seit Jahren diskutierte Nordumgehung Schiefbahns ging: Als einige Redner sich allmählich auf die Landwirte einschossen und beklagten, dass diese ihre Flächen für eine Umgehung oder für eine Erschließung der Fontanestraße nicht bereitstellen würden, meldete sich überraschend Frank Mertens zu Wort. Der Obst- und Gemüsehändler bewirtschaftet große Plantagen, die unter anderem an der hinteren Willicher Straße liegen.

Mertens berichtete, dass er schon einmal vor etwa fünf Jahren zu den marktüblichen Preisen Land an die Stadt abtreten wollte. "Der Vertrag war fast unterrichtsreif, platzte dann überwiegend aus steuerrechtlichen Gründen durch die Verwaltung." Nach wie vor sei er bereit, diese Gespräche wieder aufzunehmen: "Aber von der Verwaltung ist bislang keiner mehr auf mich zugekommen." Es sei zum Beispiel kein allzu großes Problem, über sein derzeitiges Eigentum eine Erschließungsstraße für das Gebiet Fontanestraße zu errichten. Christian Pakusch notierte erfreut sein Entgegenkommen. "Ich will prüfen lassen, ob das die abschließende Lösung sein könnte", sagte er gestern. Natürlich müsse aber auch geprüft werden, welche Auswirkungen dies auf das gesamte Wohngebiet haben könnte. Womöglich sei durch diese Option an diesem Abend aber ein wichtiger Meilenstein gesetzt worden, so Christian Pakusch.

Quelle: RP
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