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Stadt Willich
Wenn Abfälle zu Todesfallen werden

Stadt Willich: Wenn Abfälle zu Todesfallen werden
FOTO: Kaiser Wolfgang
Stadt Willich. Naturtrainerin Elita Grafke bildet Grundschulkinder zu Experten aus. Sie vermitteln Gleichaltrigen und auch Erwachsenen, wie wichtig Müllvermeidung in der Natur ist. Von Bianca Treffer

Eigentlich war sie als Dauerausstellung für den Naturschutzhof in Lobberich gedacht, aber das Interesse ist so groß, dass sie jetzt auf Reisen geht - und mit ihr Elita Grafke. Die Rede ist von der Ausstellung "Wilder Müll, eine lebensbedrohliche Gefahr für Tiere". Grafke, die Naturtrainerin der NABU-Ortsgruppe Willich ist, konzipierte vor einigen Monaten gemeinsam mit den Naturdetektiven, wie eine Gruppe an der Schiefbahner Astrid-Lindgren-Grundschule eine Ausstellung, die verdeutlicht, wie gefährlich wild entsorgter Müll in der Natur für Tiere ist.

Die Kinder stellten mithilfe von Tierpräparaten nach, wie Glasscherben, Kunststoffringe, Dosen und andere Behältnisse sowie Plastikverpackungsmüll und Schnüre zu Todesfallen für Vögel, Igel, Rehe, Füchse und Co. werden. Es entstand eine eindrucksvolle Ausstellung, die schon bei der Willicher Aktion "Willi Wisch" für Furore sorgte.

Mit Grafkes Hilfe hatten sich die Kinder zu Experten für die einzelnen Tiergruppen ausgebildet und erläuterten eindrucksvoll, warum der Müll für die Tiere so gefährlich ist. Angefangen beim Vogel, der wegen eines Plastikringes seinen Schnabel nicht mehr öffnen konnte und verhungerte bis hin zum Igel, der in einem leeren Gurkenglas feststeckte und elendig starb. "Wir haben die Ausstellung in der Astrid-Lindgren-Grundschule klassenweise 245 Schülern sowie 14 Lehrern vorgestellt und stießen auf eine wahnsinnige Resonanz. Meine ,Experten' erklärten hervorragend und bewegten die Zuhörer", berichtet Grafke.

Die Lehrer griffen das Thema im Unterricht auf, und es gab spontane Müllsammelaktionen von Schülern. So sammelten zwei Schüler allein im Klosterwäldchen zwei Müllsacke voll mit Unrat. Eltern zeigten sich beeindruckt und beschäftigten sich auf einmal unter anderem mit der Thematik der Coffee-to-go-Becher, die Tag für Tag millionenfach verbraucht werden, Ressourcen verschlingen, für Müllberge sorgen oder einfach achtlos in der Natur landen.

Zur Saisoneröffnung traf die Ausstellung dann auf dem Naturschutzhof in Lobberich ein, wo sie eigentlich auf Dauer bleiben sollte. Doch das Interesse war so groß und es gab immer wieder Nachfragen, ob die Ausstellung nicht an weiteren Standorten gezeigt werden könnte. Unter anderem bekundete sogar der Krefelder Zoo sein Interesse, die Biologische Station Krickenbeck sowie weitere Schulen.

Vor diesem Hintergrund beschloss Grafke, das Projekt auszuweiten. Die Ausstellung geht nun, nach dem Ende der Sommerferien, an die Willicher Kolping-Schule. Dort steht sie aber nicht nur einfach der Schule zur Besichtigung zur Verfügung. Die Naturtrainerin macht vor Ort zehn Kinder zu neuen Experten, die danach wiederum klassenweise ihre Schulkameraden die Thematik wilder Müll und seine Gefahren in der Natur anhand der Exponate vorstellen.

Grafke hat sich einen Spruch von Konfuzius zu Eigen gemacht. Der chinesische Philosoph sagte einst: "Sage mir etwas, und ich vergesse es. Zeige es mir, und vielleicht behalte ich es. Aber beteilige mich, dann verstehe ich es." Die Naturtrainerin setzt auf Beteiligung der Schüler und nicht nur auf das Präsentieren der Exponate. "Kinder wollen beteiligt werden. Sie wollen selber etwas tun. Dann nehmen sie auch Dinge an und geben sie weiter. Außerdem ist es viel besser, wenn ein solches Thema von Kind zu Kind transportiert wird, das kommt intensiver an", sagt Grafke. Ihr ist wichtig, dass nicht mit dem erhobenen Zeigefinger etwas angemahnt wird, sondern dass man ein Bewusstsein schafft und sensibilisiert. Auf diesem Weg kann zum Nachdenken angeregt werden.

Grafke glaube nicht, dass jemand, der etwas in der Natur wegwirft, mit Absicht Tieren schaden will. Die Naturtrainierin ist sich sicher, dass das Problem wilder Müll in der Natur verkleinert und vielleicht irgendwann ganz aus dem Weg geschafft werden kann, wenn man auf die Gefahren aufmerksam macht. Vor allem Kinder sollten früh sensibilisiert werden, so Grafke.

Quelle: RP
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