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Lesetipp Von Carmen Alonso, Leiterin Der Stadtbücherei Tönisvorst
Wie drei Elfjährige die Welt retten

Willich. St. Tönis (RP) Im Klassenraum sitzt Kurt immer ganz hinten: klein, blass, bebrillt. Seine Mutter ist als Archäologin dauernd unterwegs, und so kümmert sich Oma um seinen Vater und um ihn. Leider auch um Dinge wie Kleiderwahl. Kurt muss sich also mit Hemden und Hosen mit Bügelfalten abfinden. Sein Vater ist ihm keine große Unterstützung, er sitzt den ganzen Tag am Schreibtisch und erfindet Computerprogramme, bekommt meist sowieso nichts mit. Träumt Kurt eben vor sich hin und dabei purzeln ihm Millionen Gedanken durch den Kopf; besonders gerne grübelt er über technische Dinge. Gut, dass es da noch andere Kinder in seiner Klasse gibt, die von den anderen ebenso unterschätzt und übersehen werden: Sandro z. B. mit seinen langen Haaren und meist so nervös, dass er vor Aufregung oft zu stottern beginnt und Mitteilungen und Gefühle lieber gleich stumm auf Zettel schreibt. Und Tilda, genannt die Prinzessin, mit einem unbezwingbaren Ordnungsfimmel und der Gabe - "verrumpelter Ömmler!" - fantasievolle Flüche zu erfinden.

Tilda bemerkt auch als erste, dass irgendetwas Verrücktes vor sich geht: Die Erwachsenen kümmern sich plötzlich nicht mehr um ihre Kinder; Eltern, Lehrer und sogar die Verkäufer im Supermarkt übersehen und vergessen sie irgendwann schlicht und einfach. Was anfangs noch lustig klingt - nicht mehr waschen, nicht zur Schule gehen, Fernsehen gucken bis tief in die Nacht - wirkt bald nur noch bedrohlich. Außerdem entwickeln jene Kinder, die von merkwürdigerweise überall kostenfrei verteilten, unwiderstehlich duftenden Pommes und Hähnchen probiert haben, eine erschreckende Gleichgültigkeit und Ruhe.

Als die meisten Erwachsenen eines Tages dann ganz von der Bildfläche verschwinden, wird es Zeit für die drei Klassenkameraden, der Sache auf den Grund zu gehen. Nach einiger Beobachtung haben sie herausgefunden, dass sich der Verursacher der unheimlichen Vorfälle tief unter der Stadt versteckt, in der dunklen und muffigen Kanalisation. Was Kurt, Tilda und Sandro dort erwartet, sprengt alles je Dagewesene: Sie müssen es aufnehmen mit dressierten Ratten, mutierten Lurchen, madigen Keksen und einem Oberbösewicht, der unerbittlich ist.

Die schaurig-schleimige Reise der drei Freunde ist spannend beschrieben und nimmt immer noch eine unerwartete Wendung. Dabei bietet die Geschichte dem jugendlichen Leser eine gute Mischung aus gruseligen, manchmal ekligen, aber auch sehr lustigen Momenten. Die Hauptpersonen sind dabei keine Superhelden, sondern einfach drei Kinder von 11 Jahren, denen nichts anderes übrig bleibt, als sich einer für ihre Stadt und für ihre Familien bedrohlichen Situation zu stellen und dabei Mut und Besonnenheit beweisen.

Autorin Antje Herden, 1971 in Magdeburg geboren, studierte etwas Chemie und viel Architektur. Sie reiste zwei Jahre lang als Fotomodell um die Welt und lebte in Kapstadt, London und Barcelona. Seit 2004 schreibt sie Kurzgeschichten für Erwachsene und Reportagen für Stadtmagazine, seit 2010 hauptsächlich Kinderbücher. Sie lebt mit ihren beiden Kindern in Darmstadt.

Antje Herden: "Letzten Donnerstag habe ich die Welt gerettet" (Tulipan, 2012) 12,95 Euro.

Quelle: RP
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