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Stadt Kempen
Wie Historisches bewahrt werden kann

Stadt Kempen: Wie Historisches bewahrt werden kann
Das unter Denkmalschutz stehende Haus Peterstraße 20 in der Kempener Altstadt vor dem Abriss. Die Fassade musste erhalten bleiben und wurde inzwischen in den Neubau integriert. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Das neue Heimatbuch des Kreises Viersen 2017 beweist einmal mehr, wie aktuell historische Themen sein können. Vorgestellt werden von den Autoren immer wieder neue Forschungsergebnisse zur Orts- oder Personengeschichte. Von Andreas Reiners

Um das unter Denkmalschutz stehende Haus Nummer 20 an der Peterstraße in der Kempener Altstadt entbrannte im Frühjahr 2014 eine heftige Diskussion. Es ging darum, ob das Haus, das in Teilen aus dem 18. Jahrhundert stammt, nun denkmalwert ist oder ob es einem Neubau weichen kann. Die Geschichte ist in Kempen sattsam bekannt: Die Landeskonservatorin als obere Denkmalschützerin setzte sich für das Haus ebenso ein wie viele Kempener Bürger, die im Zuge der Diskussion sogar eine bis heute aktive Bürgerinitiative gründeten. Am Ende des Diskussionsprozesses stand ein Kompromiss: Die Fassade des Haus blieb erhalten und wurde in den Neubau integriert.

Diese Geschichte hat Niederschlag gefunden in einem Aufsatz in der neuesten Ausgabe des Kreisheimatbuches. Tina Hirop, Mitarbeiterin des Kreisarchivs und engagierte Heimatforscherin hat die Geschichte des Hauses Peterstraße 20 anhand eines alten Fachwerkbalkens, der im Hausinneren gefunden wurde, nacherzählt. Der Balken trägt eine lateinische Inschrift mit dem Namen des damaligen Bauherrn. Das wuchtige Holzstück landete beim Abriss des Hauses nicht im Bauschutt, sondern wurde aussortiert und befindet sich heute im städtischen Kramer-Museum.

Kreisdirektor Ingo Schabrich (l.) und Archivar Gerhard Rehm. FOTO: Kaiser

Der Artikel von Tina Hirop fürs neue Kreisheimatbuch - es ist die 68. Auflage des Klassikers nicht nur für Heimatforscher im Kreis Viersen - zeigt, wie lebendig und aktuell heimatgeschichtliche Themen sein können. Selbstverständlich geht es in dem Werk auch um Menschen und deren Lebensgeschichten, die weiter zurückliegen. Es geht auch um Kunst- und Architektur oder Natur und deren historische Bedeutung für den hiesigen Raum. Die Autoren zeichnen in der Regel Historisches aus dem Umfeld nach, in dem sie leben.

Die Artikel sind auch für den historischen Laien sehr lesenswert, auch wenn die Verfasser und das Team der Heimatbuch-Redaktion um Kreisarchivar Dr. Gerhard Rehm großen Wert darauf legen, dass die Arbeiten auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Rehm selbst ist in dem aktuellen Buch mit dem ersten Teil seiner Forschungsergebnisse über einen seiner Vorgänger im Amt des Kempener Kreisarchivs, Dr. Walther Föhl, vertreten. Föhl war von 1956 an Archivar des damaligen Kreises Kempen-Krefeld. Der Historiker machte sich in seiner Zunft durch seine Forschungsarbeit einen bedeutenden Namen, galt aber aufgrund seiner politischen Vergangenheit als nicht unumstritten. Gerade seine Rolle im Dritten Reich als Mitglied der geheimen Feldpolizei, der während des Zweiten Weltkrieges im besetzten Polen und in der Ukraine an verantwortlicher Stelle des Nazi-Regimes mitarbeitete, wird in dem Aufsatz von Rehm beleuchtet. Rehm hat seine Forschungen über Föhl noch nicht abgeschlossen. Aber der erste Teil seiner Arbeit zeigt, dass Föhls Karriere als eine von vielen in der damals jungen Bundesrepublik gelten kann, wo trotz erfolgter Entnazifizierung Mitläufer und Mittäter des Nazi-Regimes mit weiterhin brauner Gesinnung durchaus in leitende Positionen gelangen konnten.

Das neue Kreisheimatbuch lebt aber auch wieder von den vielen eher kleinen Geschichten, etwa über die "Brauerei zum Bären" in Grefrath (Manfred Birk) oder den alten Dorfplatz in Elmpt (Dr. Karl Heinz Achten). Der frühere Leiter des Grefrather Freilichtmuseums, Dr. Heinz-Peter Mielke, gibt einen Einblick in die Gerätschaft des am Niederrhein so beliebten Bügelsports. Immerhin gibt in Grefrath und Willich zwei Vereine, die in niederländischen Ligen um Meisterschaftspunkte mitspielen. Lesenswert ist auch das Lebensbild, das Prof. Dr. Erhard Louven von dem irisch-deutschen Schriftsteller Hugo Hamilton zeichnet, dessen Mutter aus Kempen stammte und der im Juli 2004 zu einer Lesung ins Gymnasium Thomaeum kam.

Das Heimatbuch Kreis Viersen 2017 - der 68. Band der Reihe - hat der Kreis Viersen in einer Auflage 3000 Exemplaren herausgebracht. Es ist ab sofort für zwölf Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich.

Quelle: RP
 
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