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Willich
Großbrand zerstört Lagerhalle

Großbrand in Willicher Halle
Großbrand in Willicher Halle FOTO: Günter Jungmann
Willich. Am Mittwochmorgen ist ein Betrieb der Firma "Smilax" bis auf die Grundmauern niedergebrannt: Meterhohe Flammen schlugen aus der Lagerhalle. Verletzt wurde bei dem Brand niemand. Von Willi Schöfer und Marc Schütz

Hans-Joachim Lenz ist immer noch fassungslos, als er sich die Brandruine anschaut. Der 80-Jährige wohnt mit seiner Frau Anneliese an der Linsellesstraße 175 – genau gegenüber der Stelle, an der in der Nacht zum Mittwoch ein Großbrand gewütet und eine 20 mal 70 Meter große Halle, in der früher die Schiefbahner Warengenossenschaft war, zum Einsturz gebracht hat. Es ist 9 Uhr, erst kurz zuvor hat die Feuerwehr ihren Dienst beendet und auch die letzten Brandnester gelöscht.

Um 0.23 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert, das Einsatzstichwort lautete "Brand in Industriebetrieb", sagt Michael Knauf, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Willich und Einsatzleiter in der Nacht, die für die freiwilligen Feuerwehrleute eine Besondere war. "So etwas passiert Gott sei Dank nicht jeden Tag", sagt Knauf. Hörbar erleichtert ist er, dass bei dem Großbrand niemand verletzt wurde. Da die Sicherheit der Einsatzkräfte vorgeht, wurde ein "Innenangriff" gegen das Feuer sofort ausgeschlossen, als die Wehrleute eintrafen. "Denn die Halle drohte einzustürzen, was sie später ja auch tat", berichtet der Einsatzleiter. 

Das direkt an die Halle angrenzende Geschäfts- und Wohnhaus konnte trotz der hohen Flammen in unmittelbarer Nähe gekühlt und damit geschützt werden. Das große und unübersichtliche Gelände wird seit Langem von der Firma "Smilax" genutzt, die dort dekorative Begrünungen, unter anderem Bonsai, Kunstpalmen und weitere künstliche Bäume, weltweit vertreibt. Auch die Mitarbeiter sind geschockt und sprachlos, als sie morgens ins Büro kommen, das im hinteren Teil des Brandortes liegt. Das weiße Geschäfts- und Wohnhaus der Firma "Smilax" hat auf den ersten Blick nur relativ kleine Rußschäden abbekommen. Auf der ersten Etage ist die Wohnung des Inhabers, der offenbar mit dem Schrecken davon kam.

Schon 45 Minuten nach ihrem Eintreffen konnte die Feuerwehr der Kreisleitstelle melden "Feuer unter Kontrolle". Die Nachlöscharbeiten dauerten jedoch noch bis gegen 9 Uhr am Morgen an. "Mithilfe von Baggern haben wir Schneisen in das Objekt gezogen, um Brand- und Glutnester abzulöschen", berichtet Knauf. Messungen des Brandrauches und des Löschwassers hätten unbedenkliche Werte ergeben, sodass für die Bevölkerung keine Gefahr bestanden habe. Vorsichtshalber wurden jedoch die Pumpstationen für Regen- und Abwasser abgestellt. Auch die Kreisleitstellen in Neuss und Mönchengladbach wurden über das Feuer informiert, da der Wind in diese Richtung stand.

"Sie können von Glück sagen, dass der Wind nicht in Richtung ihres Wohnhauses geweht hat, dies stünde jetzt nicht mehr hier", sagten Wehrmänner zu den Eheleuten Lenz. Eine zunächst angedachte Evakuierung war daher nicht erforderlich. Hans-Joachim Lenz hat gerade mit seiner Versicherung telefoniert. Denn das viele Wasser, das die Feuerwehrleute zur Vermeidung von übergreifenden Flammen auf das Dach und die Fassade ihres Wohnhauses spritzen mussten, hatte für Schäden in einigen Wohnräumen gesorgt. "Wir hatten richtig Angst", sagt Lenz. Wegen der großen Hitze haben sich ferner einige äußere Kunststoff-Rollos an den Fenstern seines Wohnzimmers verformt.

"Unfassbar, auf einmal ist die Halle weg", kommentiert das Geschehen der 81-jährige Zimmermeister Klaus Spindler. Er betreibt nach wie vor mit seinen Kindern eine große Holzhandlung, die etwa 150 Meter entfernt an der Straße "Am Schiefbahner Bahnhof" liegt. Ein Hinweisschild auf seine Firma steht unmittelbar vor der niedergebrannten Halle, weshalb viele zunächst dachten, dass ihm auch die Halle gehöre. Der in Knickelsdorf wohnende Handwerker war wie jeden Morgen gegen sechs Uhr zu seiner Arbeitsstelle gefahren. Sein weiterer Kommentar: "Ich wäre fast umgefallen, als ich dort die 38 Feuerwehrwagen stehen sah". Seine erste Befürchtung, es hätte auch seine Holzhandlung erwischt, bewahrheitete sich aber glücklicherweise nicht.

(rpo)
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