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Stadt Willich
Willicher Stadtarchiv zieht nicht um

Stadt Willich: Willicher Stadtarchiv zieht nicht um
Umzugskartons benötigen die Willicher Archivare nun allenfalls dann, wenn die Archivalien vor 1970 zurück ins Stadtarchiv geholt werden sollten. FOTO: dpa
Stadt Willich. Das neue Kreisarchiv wird nicht in Willich gebaut. Der Kreistag stimmte jetzt der Grundlagenvereinbarung mit der Stadt Viersen zu. Damit bleibt das Willicher Stadtarchiv in Schiefbahn - und wird womöglich sogar vergrößert. Von Birgitta Ronge und Marc Schütz

Stadtarchivar Udo Holzenthal und Mitarbeiterin Marlene Mathes müssen keine Umzugskartons bestellen: Das Willicher Stadtarchiv bleibt an seinem Standort im Verwaltungsgebäude in Schiefbahn. Denn das neue Kreisarchiv, in dem das Willicher Stadtarchiv womöglich aufgegangen wäre, wird nun in Viersen gebaut - und dahin sollte das "Gedächtnis der Stadt Willich" nicht umziehen, war sich die Politik einig. Zu gute Arbeit wird von Holzenthal und Mathes geleistet, Kooperationen mit Schulen und Vereinen sind äußerst fruchtbar und bescheren dem Stadtarchiv gute Besucherzahlen. All das wollte man nicht aufs Spiel setzen.

Nun hat auch der Kreistag entschieden, nachdem sich der Viersener Stadtrat einen Tag zuvor mehrheitlich dafür ausgesprochen hatte, das Kreisarchiv in Viersen zu bauen. Die Stadt Viersen war auch Landrat Dr. Andreas Coenens Favorit gewesen, Willich wäre lediglich Plan B gewesen, danach wäre Kempen (bisher Sitz des Kreisarchivs) an der Reihe gewesen. Lebhaft ging es in der Sitzung des Kreistags zu. Dort waren drei Entscheidungen zu treffen: Wollen wir, dass mit Mitteln aus dem Kommunalinvestitionsförderungsprogramm ein neues Kreisarchiv gebaut wird? Wollen wir die Grundlagenvereinbarung mit der Stadt Viersen akzeptieren? Wollen wir, dass das neue Kreisarchiv in Viersen steht?

Ja. Mehrheitlich fasste der Kreistag die Beschlüsse in geheimer Abstimmung. Für den grundsätzlichen Beschluss, ein neues, zentrales Kreisarchiv zu bauen, votierten von 51 Stimmberechtigten 44, es gab zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. 29 Kreistagsmitglieder votierten für die Grundlagenvereinbarung mit der Stadt Viersen und den Standort Viersen, 16 stimmten mit Nein. Es gab sechs Enthaltungen.

Den Beschlüssen war eine intensive Diskussion vorausgegangen, in der die Fraktionen noch einmal ihre Positionen darlegten. Michael Aach (CDU) betonte, Viersen sei als Standort für das neue Kreisarchiv gut geeignet - nicht nur, weil Viersen die Kreisstadt sei, sondern auch, weil die Stadt für Bürger der übrigen Kommunen gut zu erreichen sei. Auch Jürgen Heinen (Grüne) erklärte, wie wichtig die Erreichbarkeit sei. Dem Argument konnte der Vorsitzende des Kreiskulturausschusses, Hans Kettler (SPD), nicht folgen: Nach dem Besuch im LVR-Archiv in Pulheim sei man doch sehr desillusioniert gewesen. Letztlich werde das Archiv eine große Lagerhalle sein - für zehn Kilometer Regalfläche, klimatisiert und am besten ohne Fenster. "Das wird ein Klotz in der Landschaft", stellte Kettler klar. Auch die zentrale Lage hinterfrage er: Zähle das Archiv 1000 Besucher im Jahr, seien das etwa vier pro Öffnungstag, "und da kommen auch welche mit dem Auto". Christoph Saßen (Linke) erklärte, seine Fraktion werde dem Archivneubau nicht zustimmen: Die friedlichste und beste Lösung sei es doch, die Stadtarchive in den Städten zu lassen.

Kritik musste Landrat Andreas Coenen (CDU) einstecken. Hans Smolenaers (SPD) sagte, der Landrat lasse die Kreistagsmitglieder im Unklaren, was der Neubau kosten werde - "fünf Millionen plus X". Jürgen Heinen verteidigte die Kreisverwaltung: Die habe getan, was sie könne - könne aber nichts für ihre Verhandlungspartner. Hans-Willy Trost warnte: "Wir kaufen die Katze im Sack und sollen dem Landrat einen Persilschein ausstellen, ohne auch nur annähernd die Kosten zu kennen." Kreisdirektor Ingo Schabrich beruhigte: Die offenen Fragen würden beantwortet, sobald man wisse, wer mitmache. Doch bislang habe nur eine Stadt geantwortet: Viersen.

Natürlich hätte man es in Willich gern gesehen, wenn es endlich in der zweitgrößten Stadt des Kreises auch eine Kreiseinrichtung gegeben hätte. Aber da gibt es durchaus attraktivere Alternativen - die Kreis-Volkshochschule beispielsweise, wie es Uwe Schummer (CDU), Bundestagsabgeordneter aus Neersen, jüngst in einem Pressegespräch anklingen ließ. Es sei schließlich Aufgabe des Landrats, für einen Interessenausgleich der Kommunen im Kreis Viersen zu sorgen, so Schummer. Doch das ist Zukunftsmusik, nun muss man in Willich erst mal überlegen, was der Bau des neuen Kreisarchivs in Viersen, das 2020 fertig sein muss, um fünf Millionen Euro an Fördergeld zu erhalten, für Willich bedeutet.

So müsse man auch darüber nachdenken, die Archivalien vor 1970, die sich im derzeitigen Kreisarchiv in der Kempener Burg befinden, nach Willich zurückzuholen und so ein Vollarchiv zu schaffen. Dann dürfe Willich aber auch nicht mehr über eine Umlage an den Kosten für das Kreisarchiv beteiligt werden, hatte Johannes Bäumges, Fraktionsvorsitzender der CDU, schon in der jüngsten Stadtratssitzung betont. Problematisch könnten die beengten Platzverhältnisse im Schiefbahner Verwaltungsgebäude werden. Doch auch da zeichnet sich eine Lösung ab: Wenn die Heimatfreunde 2018 ins "Kamps Pitter II" ziehen, das sie derzeit mit viel Eigenleistung bauen, wird Platz geschaffen fürs Stadtarchiv. Dann brauchen Holzenthal und Mathes allerdings doch den ein oder anderen Umzugskarton.

Quelle: RP
 
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