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Mit Torsten Frick, Vorsitzender Der Fdp-Fraktion In Tönisvorst
"Wir sind für die Freiheit des Einzelnen"

Mit Torsten Frick, Vorsitzender Der Fdp-Fraktion In Tönisvorst: "Wir sind für die Freiheit des Einzelnen"
Torsten Frick ist in Tönisvorst Fraktionsvorsitzender der Freien Demokraten. Mitglied in der FDP ist er seit 2007, gefühlt - so sagt er - jedoch schon wesentlich länger. FOTO: ACHIM HÜSKES
Willich. In den Sommerinterviews mit den Fraktionsvorsitzenden im Tönisvorster Stadtrat geht es um eine erste Zwischenbilanz ein Jahr nach der Kommunalwahl im Mai 2014: Heute kommt Torsten Frick, Vorsitzender der FDP-Fraktion, an die Reihe. Von Heribert Brinkmann

Nach der Kommunalwahl ist jetzt ein Jahr im neuen Stadtrat vergangen. Sind Sie mit dieser Zeit zufrieden?

Frick: Im Wahlkampf sind die verschiedenen Parteien vernünftig miteinander umgegangen. Wir haben einen derben Verlust erlitten und müssen uns langsam wieder aufrappeln. Zufrieden kann man mit dem Zustand nicht sein, vielleicht darf man als Politiker nie zufrieden sein. Aber ich bin auch nicht unzufrieden. Der Bürgermeister macht seinen Job gut, er tut, was machbar ist. Und ich bin froh, dass die Kämmerin, Frau Waßen, immer einen Blick auf die Kosten hat. In der Kommunalpolitik ist der Handlungsspielraum sehr eng, in der heutigen Haushaltslage sowieso, aber auch generell. 80 Prozent der Posten im Haushalt sind fremdbestimmt, freie Mittel immer geringer.

Wo möchten Sie denn sparen?

Frick: Zum Beispiel in der vergangenen Ratssitzung. Da ging es um die Erhöhung der Elternbeiträge für Randzeiten der OGS-Plätze. Ich habe viel Sympathie für den Wunsch von Eltern, möglichst wenig zu zahlen. Aber mit Blick auf die Finanzen muss man betonen, dass sowieso schon jeder OGS-Platz mit 1.400 Euro subventioniert wird. Als FDP wollen wir keine besondere Klientel bedienen, sondern sehen uns gesamtgesellschaftlich verpflichtet. Aus Sicht der FDP plädieren wir für eine verbrauchsgerechte Gebührenregelung. Wer viel in Anspruch nimmt, bezahlt auch mehr. Wir dürfen bei allem nicht vergessen, dass die Stadt Tönisvorst seit Jahren ca. fünf Millionen Euro mehr ausgibt als sie einnimmt. Auch einen Umweltmanager brauchen wir nicht, jedenfalls nicht bei unserer Kassenlage. Man darf das nicht gegeneinander aufrechnen.

Aber für die Flüchtlinge, die aktuell in die Stadt kommen, muss die Stadt viel Geld aufwenden.

Frick: Die Flüchtlingsfrage ist für mich keine Frage des Geldes, sondern der Menschenwürde. Wir dürfen nicht vergessen, wie es bei uns in Deutschland nach dem Krieg war. Auch heute haben diese Flüchtlinge ein Martyrium hinter sich gebracht. Wir wissen nicht, wie es mit den Flüchtlingen weitergeht. Die Fraktionsvorsitzenden haben zusammen mit dem Bürgermeister die Situation besprochen. Wir stehen alle hinter dem Handeln der Verwaltung. Die Anmietung der Daihatsu-Immobilie wird uns einen Zeitgewinn verschaffen.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis zu den anderen Fraktionen?

Frick: Das Wahlkampfgeplänkel mit der SPD haben wir abgehakt. Uns geht es um die Sacharbeit, wir können mit allen reden. Ich sehe auch keine Reibungspunkte, vielmehr herrscht viel Konstruktivität vor. Es gibt aber auch Leute in den anderen Fraktionen, die auf den Gegner gerne einprügeln, um von sich abzulenken und dem anderen zu schaden. So ticke ich nicht, mir geht es um die Sache. Politik ist für mich keine Selbstdarstellung. Das Gespräch mit der CDU ist im Unterschied zu früher entspannter geworden. Mit den kleinen Fraktionen gibt es einen regelmäßigen Austausch, das hat sich auch verbessert. Die Gesprächsbereitschaft ist da, die Umgangskultur ist eine andere geworden. Aber wir von der FDP sind nur zwei Leute im Rat, da muss man sich nicht so wichtig nehmen.

Haben sich die Freien Demokraten nach ihrer Wahlschlappe wieder gefangen?

Frick: Die FDP in Tönisvorst ist ja immer schon ein relativ kleiner Kreis mit einem harten Kern von Aktiven. Da hat sich nichts geändert. Und diese Aktiven arbeiten hart daran, aus der Talsohle herauszukommen. Die Mitgliederzahlen sind konstant geblieben. Ich finde gut, dass wir mit Wolfgang Lochner einen eigenen Kandidaten für die Landratswahl ins Rennen schicken. So wird die FDP wieder wahrgenommen. Und im Bundestag zeigt sich ja in jeder Debatte, dass der liberale Standpunkt dort fehlt. Ob mit Christian Lindner in NRW, Lencke Steiner in Bremen oder Katja Suding in Hamburg - die FDP hat junge, frische Gesichter, sie präsentiert Kandidaten, die ankommen.

Warum braucht man die liberale Stimme?

Frick: Freie Demokraten kämpfen für die Freiheit des Einzelnen. Liberal heißt für mich, jeder für sich ist wichtiger als das Kollektiv. Im Vergleich zu anderen Fraktionen verfolgen wir auch keine Fundamentalopposition: Ich bin dagegen, weil du dafür bist.

Ist das ein Grund für die wachsende Politikverdrossenheit?

Frick: Ja sicher, die Maßstablosigkeit, mit der in Berlin Politik betrieben wird, der Dissens des Regierungshandelns zu den Wünschen der Bürger, z.B. bei der Vorratsdatenspeicherung, wird natürlich vom Wählervolk auch wahrgenommen. Auch in der Politik gilt, man muss nicht alles machen, was geht. Die Maut-Pläne waren doch großer Käse. Warum kann man nicht auf andere, etwa die EU, hören? Das gilt auch für die Ministerin Andrea Nahles, die noch nie wertschöpfend in der freien Wirtschaft gearbeitet hat.

Interessieren sich junge Menschen denn noch für solche Fragen?

Frick: Sie sollten es, im eigenen Interesse. Wir werden doch alle totgeschmissen mit Informationen, die wir aber nicht mehr filtern können, junge Menschen erst recht nicht, woher denn auch. Wenn ihnen eingebläut wird, Chillen ist cool, und Erziehung findet nicht statt, dann wird es eng. Was Freiheit bedeutet, merkt man oft erst, wenn man sie verloren hat.

Und die Jugend vor Ort?

Frick: Finanzen sind Zukunftsfragen. Wer Schulden macht, beschneidet die künftig Handelnden. Die Frage der Mensa oder der Sporthallen betrifft Jugendliche. Ich würde mir wünschen, dass sich junge Menschen mehr in die Politik einbringen. Wir sind dafür offen. Und einen Fraktionszwang gibt es bei den Freien Demokraten in Tönisvorst nicht, Jeder ist für seine Stimme selbst verantwortlich.

Quelle: RP
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