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Stadt Willich
"Wir wollen die Flüchtlinge integrieren"

Stadt Willich: "Wir wollen die Flüchtlinge integrieren"
So sollen die geplanten Häuser an der Fontanestraße in Schiefbahn und Am Bruch in Neersen aussehen. FOTO: KN
Stadt Willich. Der Willicher Planungsausschuss hat sich am Dienstagabend mit den weiteren Schritten für den Bau von Flüchtlingsunterkünften in Schiefbahn und Neersen beschäftigt. Dabei wurden auch die Bürger noch einmal gehört. Von Nadia Joppen

Politik und Verwaltung verständigten sich auf einen Kompromiss: Weil im Moment der Bedarf groß ist, werden die Flüchtlingsunterkünfte an der Fontane-Straße in Schiefbahn und im Baugebiet "am Bruch" jetzt im ersten Schritt in den vom Rat beschlossenen Strukturen gebaut. Aber weil auch der Vortrag von Torsten Busch als Vertreter der Nachbarn Fontane-Straße/Ringofenweg zur dezentralen Struktur einer "Integrationssiedlung" überzeugte, soll die Verwaltung bei der weiteren Entwicklung der jeweiligen Baugebiete so agieren, dass in den Folgejahren eine Verteilung der Menschen im Asylbewerbungsverfahren in mehrere Gebäude in verschiedenen Bereichen des jeweiligen Bebauungsgebietes möglich ist.

Der Ausschuss unterbrach seine Sitzung, damit Busch die Überlegungen der Nachbarn, die diese mit Planern entwickelt hatten, erklären könne. Busch betonte: "Ja, wir wollen Flüchtlinge; Ja, wir wollen Flüchtlinge integrieren" - blieb aber dabei, dass die Blockbebauung von je einmal vier und fünf Reihenhäusern die Integration eher behindere. Die Anwohner an der Fontane-Straße und am Ringofenweg wollten, dass die Kinder aus allen Familien zusammen groß werden und zum Beispiel das Erlernen der Sprache "beiläufig" erfolge - eine anerkannte Lernmethode, so Busch, selber Lehrer in Krefeld. Er führte auch aus, wie eine Entzerrung des Autoverkehrs aus Sicht der Nachbarn möglich sein könne: Wenn das Neubaugebiet über Poller etwa in der Mitte getrennt werde, müsste ein Teil der Autos über den Jakob-Germes-Weg und der andere Teil über die Fontane-Straße fahren. Die Struktur der momentan dort wohnenden Nachbarn sei ebenfalls günstig - mit Lehrern, Juristen und Menschen vergleichbarer Ausbildungen könne zum Beispiel Sprachunterricht erteilt und könnten Plätze für Praktika zur Arbeitsmarktintegration gewonnen werden, so Busch. Er bat darum, nichts zu überstürzen - zeigte sich aber mit einer schnellen Teilbebauung einverstanden.

Die Technische Beigeordnete Martina Stall wies den Ausschuss auf verschiedene Probleme hin: Es gibt einen gültigen Ratsbeschluss zur Bebauungsstruktur der Asylbewerber-Häuser, dazu drängt die Zeit, denn die Bezirksregierung setzt zwar derzeit die wöchentliche Zuteilung von 44 Menschen aus. Ab 4. Januar würden die Zuweisungen aber nachgeholt, so dass die Verwaltung mit mehr Menschen rechne. Sie finde das vorgetragene Konzept schlüssig, so Stall - ihr Problem lag in der tatsächlich aktuellen Situation. Sie erklärte auch, dass die Stadt darauf angewiesen sei, die eigenen Grundstücke zu bebauen, "keiner will Grundstücke für Flüchtlinge verkaufen", wies sie auf das Verhalten der Willicher Grundstückseigentümer hin. Erklärtes Ziel der Stadt ist es dagegen, nicht noch mehr Sporthallen zu blockieren.

Grundsätzlich wolle die Stadt den Bebauungsplan aufstellen - das dauere aber mit allen vorgeschriebenen Verfahrensschritten etwa zwei Jahre. Stall erklärte sich auch bereit, mehrere Planungsentwürfe zu machen. Sie befürchtete aber Verzögerungen durch Einwendungen der Bürger zu der ungelösten Verkehrsproblematik in Schiefbahn.

Vertreter aller Fraktionen lobten die Überlegungen der Nachbarn. Sie hatten aber genauso gut Verständnis für den Handlungsbedarf der Verwaltung. Daher verabschiedete der Planungsausschuss den Aufstellungsbeschluss einstimmig, aber mit dem ausdrücklichen Hinweis, die Anregungen der Bürger in die Gesamtplanung einzubeziehen.

Quelle: RP
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