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Stadt Willich
Wohnungen für Fledermäuse

Stadt Willich. Die Nabu-Gruppe Willich zeichnet im Rahmen der Aktion "Fledermausfreundliches Haus" Bürger aus, die sich für die fliegenden Säugetiere einsetzen. Heinrich Stevens ist einer davon. Der Anrather schaffte sich Fledermauskästen an. Von Bianca Treffer

Die Idee, etwas für Fledermäuse zu tun, kam Heinrich Stevens, als er abends gemütlich im Garten saß und die Fledermäuse in der Dämmerung beobachtete, die auf der Suche nach Nahrung umherflogen. "Ich habe mir Gedanken gemacht, wo die Tiere eigentlich Unterkünfte finden", erinnert sich der Anrather. Er nahm Kontakt zur Biologischen Station in Neuss auf, die ein Verwandter von ihm leitet. Über diesen Weg erfuhr er von der Aktion "Fledermausfreundliches Haus" und stellte fest, dass man im eigenen Garten eine Menge tun kann, damit sich die kleinen fliegenden Säugetiere wohlfühlen.

Beim Nabu Willich kaufte er so zwei unterschiedliche Fledermauskästen und machte sich schlau, wo man diese am besten aufhängen sollte. "Die Ost- oder Westseite ist optimal. Wenn es sich um eine sonnengeschützte Südseite handelt, geht dies auch. Aber es darf nicht zu warm sein, das mögen die Fledermäuse genauso wenig wie zu viel Regen", informiert Jack Sandrock, der mit seiner Frau Monica Fledermausbotschafter beim Willicher Nabu ist. In Willich sind vier Fledermausarten anzutreffen. Es handelt sich um den Großen Abendsegler sowie die Zwerg-, die Wasser- und die Rauhautfledermaus. Allesamt Tiere, die bis auf die Zwergfledermaus auf der Roten Liste stehen.

"Fledermäuse haben es nicht leicht. Der Grund liegt in den klinisch reinen Gärten, die weder ein Nahrungsangebot beinhalten noch Unterschlupfmöglichkeiten bieten", weiß Manuela Menn, die in Viersen ehrenamtlich eine Fledermaus-Ambulanz betreibt. Nachtblühende Pflanzen, die entsprechend in der Nacht Insekten anlocken, sind kaum in Gärten vertreten. Entsprechend gering ist die Ausbeute an Insekten, wenn die Fledermäuse bei ihren nächtlichen Flügen unterwegs sind. Dazu kommt die Tatsache, dass Häuser an den Dächern wenig Nischen und damit keinen Unterschlupf bieten.

Beiden Problemen kann allerdings abgeholfen werden. Zum einem gibt es für die verschiedenen Fledermausarten entsprechende Fledermauskästen, die an Hauswänden angebracht werden können. Das Anpflanzen von Nachtblühern wie zum Beispiel Phlox, Lichtnelken und Nachtkerzen lockt Insekten und damit die Nahrung der Fledermäuse an. Eine solche Anlage funktioniert selbst in einem Blumenkasten auf dem Balkon.

Ein anderes Problem, das die Fledermäuse trifft, ist das Überwintern. Nicht alle verlassen den Niederrhein. Die, die hierbleiben, benötigen in der Regel kühle, aber frostfreie Räumlichkeiten. "Alte Spechthöhlen, die tief genug in Bäume gehen werden so zum Überwintern angenommen", informiert Jack Sandrock. Die Willicher Nabu-Gruppe hat zudem schon vor einigen Jahren einen alten Luftschutzbunker zu einem Winterquartier für die nur wenige Gramm wiegenden Säugetiere umgebaut. "Erstmalig haben wir zudem ein spezielles Winterquartier mit einer dicken Isolierung im Neersener Schlosspark installiert", berichtet Monica Sandrock. Wobei der Nabu gespannt ist, ob es angenommen wird.

Bei Heinrich Stevens indes freuen sich die Sandrocks über die Bereitschaft, den Fledermäusen ein Stück Heimat anzubieten. Dafür gab es jetzt die Plakette "Fledermausfreundliches Haus" samt Urkunde, Fledermausbestimmungsbuch und zwei Samentütchen mit nachtblühenden Pflanzen. "Die fehlen in meinen Garten noch. Daran habe ich nämlich, ehrlich gesagt, gar nicht gedacht", sagt Stevens, der ansonsten über eine farbenfroh blühende Ecke im Garten verfügt, in der sich die Insekten äußerst wohl fühlen.

Bislang konnte die Nabu-Gruppe Willich seit dem Projektstart im vergangenen Jahr 15 Plaketten für Fledermausfreundlichkeit in Willich verleihen. Ansprechpartner sind immer die beiden Fledermausbotschafter, die auch prüfen, ob Fledermausfreundlichkeit vorliegt, wenn sich ein Bürger für die Plakette angemeldet hat.

Quelle: RP
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