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Stadt Willich
Zu spätes Werben ums Gaslicht

Stadt Willich. Post aus Berlin: Der Verein "Pro Gaslicht" appelliert per Mail an Bürgermeister Josef Heyes, das Gaslicht in Schiefbahn zu erhalten. Doch der Entschluss steht: Ab dem 25. Oktober werden die Laternen umgerüstet. Von Andreas Buchbauer

Das Ganze ist durchaus skurril: In Schiefbahn sollen die Gaslicht-Laternen auf Strom umgerüstet werden, und in Berlin formiert sich Widerstand. Bettina Grimm vom Verein "Pro Gaslicht" sah sich durch die Maßnahme, die der Planungsausschuss beschlossen hatte (RP berichtete), veranlasst, eine ausführliche Mail an Willichs Bürgermeister Josef Heyes zu schreiben. Darin wirbt sie für den Erhalt des Gaslichts. Sie befürchtet durch die Maßnahme eine "wesentliche Verschlechterung des Ortsbildes" – auch wenn sie Willich kaum kennt. Zwar war Heyes für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Doch Stadtsprecher Michael Pluschke sagt: "Auch wenn das Gaslicht durch Strom ersetzt wird: Optisch bleibt alles wie vorher."

Finanzielle Gründe

Die Umrüstung wurde aus finanziellen Gründen beschlossen. Jährlich ließen sich, so Pluschke, rund 30 000 Euro durch die Maßnahme sparen. Am 25. Oktober soll mit den Arbeiten rund um die Kirche St. Hubertus begonnen werden. Insgesamt werden 103 Laternen – sechs davon sind doppelarmig – ausgetauscht. Das Innenleben der als störungsanfällig geltenden, verbrauchsintensiven Gaslichter wird durch Stromleuchtköpfe ersetzt, die als deutlich robuster gelten. Die Laternen erhalten als 50-Watt-Leuchtmittel Natriumdampf-Hochdrucklampen.

Bettina Grimm und ihr Verein wettern gegen diese Umrüstung. In der Mail an den Bürgermeister, die unserer Redaktion vorliegt, heißt es: "Das rostbraune Natriumdampflicht ist weitgehend farbunwirksam, alles wird in diesem Licht gleich bräunlich." Am Telefon legt Grimm nach. "Das Gaslicht wurde angelegt, um den Ortskern zu verschönern. Es ist nicht verständlich, weshalb es jetzt einer Art belgischer Autobahnbeleuchtung weichen soll", sagt sie.

Der Verein "Pro Gaslicht" hat sich erst im vergangenen Jahr gegründet. Hervorgegangen ist er aus einer Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt von Gaslaternen in Berlin einsetzte. "Ähnliche Aktivisten gab es aber auch in anderen Städten", sagt Grimm. Nach der Vereinsgründung liege das Augenmerk daher bundesweit auf der Bemühung, die immer seltener werdenden Gaslaternen zu erhalten. Grimm verweist auf die Nähe zum Verein "Lobberland", der sich für den Erhalt des Gaslichts in Nettetal-Lobberich einsetzt.

In Schiefbahn kommt Grimms Werben zu spät: Die Maßnahme ist beschlossen und wird umgesetzt. Der Verein "Pro Gaslicht" ist überzeugt, dass der Ort dadurch an Flair einbüße. "Mit dem hochwertigen Gaslicht unterscheidet sich Ihr Ort von vielen anderen", schreibt Grimm an Heyes. Sie ist überzeugt: Ohne die nostalgische Beleuchtung sei Willich nur noch ein Ort wie viele andere auch.

Quelle: RP
 
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