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Stadt Kempen
Zuhause bei Kempens Sankt Martin

Stadt Kempen. Für Franz -Josef Trienekens ist es eine Ehre, Sankt Martin verkörpern zu dürfen. Manchmal bekommt er sogar Fanpost. Von Tanja Karrasch

Der Herbst ist Franz-Josef Trienekens liebste Jahreszeit. Dann verfärben sich die Blätter in seiner Baumschule gelb oder rot, dann geht er mit Hund Veith, einem Deutsch-Drahthaar, auf die Jagd und vor allem: Dann ist wieder Sankt-Martins-Zeit und Trienekens, den die meisten als "Jüppi" kennen, wird auf Stute Primel sitzend als Sankt Martin den Zug anführen. Sein Lieblings-Martinslied ist übrigens auch "Der Herbststurm braust durch Wald und Feld". Zu sehr stürmen sollte es beim Zug in der kommenden Woche natürlich nicht, doch Trienekens findet: "Es sollte auch nicht 18 Grad warm sein, etwas herbstliche Stimmung darf schon sein." Kalt ist Franz-Josef Trienekens übrigens während des Zugs nie: "Dadurch, dass der Mantel hinten übers Pferd hängt, habe ich ja eine automatische Heizung."

In seiner Stube in der Baumschule brennt ein Feuer im Ofen, an den Wänden hängen schwarz-weiße Bilder vergangener Zeiten. Auf einem sitzt sein Großonkel Karl Pielen stolz im Sattel, auf einem anderen ist Friedhelm Funken als Sankt Martin zu sehen. "Die haben das beide 29 Jahre lang gemacht, diesen Rekord werde ich nicht brechen", sagt der 52-Jährige. "Ich will schließlich nicht im Rollator ans Pferd heranfahren." Trienekens spielt in diesem Jahr immerhin auch schon zum 13. Mal Sankt Martin. "Ungefähr" - ganz genau weiß er das nicht. Auf jeden Fall schon so lange, dass Kinder ihn manchmal auf der Straße ansprechen. "Du bist doch der Sankt Martin", sagen sie. Und Fanpost bekommt Trienekens auch: Mehrere Blätter hat ein Mädchen aneinandergeklebt und darauf die ganze Martinsgeschichte mit Filzstiften gemalt. Solange er vom Martinsverein gewählt wird, will der ehemalige Turnierreiter weitermachen. Und da es bei der Wahl nie einen Gegenkandidaten für sein Amt gibt, steht dem auch vorerst nichts im Wege.

Am Mittwoch und Donnerstag ist es so weit: Traditionell kommen die Herolde und der evangelische Posaunenchor vor dem Zug zu ihm in die Baumschule, zusammen stimmen sie sich mit Liedern und Püfferkes ein. Trienekens Lieblingsmoment? "Wenn der Gegenzug kommt und wir auch das Lichtermeer der Fackeln und den ganzen Zug sehen können. Sonst ist man ja doch relativ einsam da vorne."

Auf die Pferde kann sich das Martinstrio verlassen: "Die Tiere sind Vollprofis, gehen bei Schützenfesten und vielen anderen Martinszügen mit", erklärt Trienekens. Sie stammen von einem Reiterhof Schmitz in Krefeld, sind Menschenmengen und Lagerfeuer gewöhnt. "Bis die zu uns kommen, können die schon alle Martinslieder auswendig", scherzt Trienekens. Eine Herausforderung für ihn und seine beiden Herolde Georg Funken und Michael Fander ist allerdings die Mantelteilung, die nur beim Kleinkinderzug vorgeführt wird. Sechs- oder siebenmal wird diese den in Gruppen aufgeteilten Kindern auf dem Marktplatz gezeigt, bevor die Blo-esen, die gut gefüllten Martinstüten, verteilt werden. "Dafür müsste ich eigentlich drei Hände haben: eine für das Pferd, eine für die Zügel, eine für das Schwert", erklärt Trienekens. Außerdem sei es sehr eng mit den Pferden zwischen Kindern und Feuer. Trotzdem hat er Spaß an der Bettlerszene. "Die Zwerge gucken dann immer so andächtig." Trienekens freut sich auf die besondere Stimmung in der Stadt, und auf das traditionelle Gans-Essen im Kolpinghaus im Anschluss. Wenn "Jüppi" und die Herolde eintreten, stimmen alle Gäste ein Martinslied an. "Das ist auch schon Tradition", sagt er. Noch eine letzte Sammelaktion steht dem Kempener bevor, dann kann der Zug kommen. Auch die 50 Jahre alte Uniform liegt schon bereit. Nur einem gefällt das nicht: Hund Veith bellt los, sobald Franz-Josef Trienekens den Römerhelm aufsetzt. Sein Herrchen als Sankt Martin ist ihm ungeheuer.

Quelle: RP
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