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Serie Zu Hause In . . . St. Tönis
Zwischen Windmühle und Wasserturm

Serie Zu Hause In . . . St. Tönis: Zwischen Windmühle und Wasserturm
Christiane Pohl bietet für den Heimatbund Führungen durch St. Tönis an. Hier steht sie in der Antoniusstraße vor dem Haus des Heimatbundes, in dessen Schaufenster ein Webstuhl steht. Im 19. Jahrhundert gab es in St. Tönis viele Hausweber, die in ihren Wohnungen oder auf ihren Höfen Stoffe erstellten. FOTO: WOLFGANG KAISER
Willich. Mit einem am Niederrhein einmaligen Kirchplatz, einer hübschen Fußgängerzone ohne Leerstand, schicken Neubaugebieten und einer guten Anbindung trumpft der fast 23.000 Einwohner zählende Stadtteil St. Tönis auf. Von Stephanie Wickerath

ST. TÖNIS Wer zum ersten Mal nach St. Tönis kommt und die Hochstraße besucht, ist meistens verzückt. Die ehemalige Hauptverkehrsachse zwischen Willich und Kempen wurde bei der Stadtkernsanierung in den 1970er Jahren zur Fußgängerzone erklärt. Seitdem geht es gemütlich zu in der Innenstadt. Zahlreiche Geschäfte, die meisten sind händlergeführt, beleben das Bild und laden zum Bummeln ein. Auch einige Cafés und ein Restaurant befinden sich in der Fußgängerzone.

Außerdem gibt es ein paar sehenswerte Häuser. "Ein Schmuckstück ist das Rathaus", sagt Christiane Pohl, die für den Heimatbund Führungen durch St. Tönis anbietet. An der Hochstraße 20 steht es, das Haus, das um 1800 gebaut wurde und um 1900 einen Vorbau im Stil der Neorenaissance bekam. "Einst war es ein Bauernhaus, später das Bürgermeisteramt, dann ein Wohnhaus und 1977 sollte es abgerissen werden, um Platz für ein Kaufhaus zu machen", weiß die Stadtführerin. Eine Bürgerinitiative und der Heimatbund konnten den Abriss verhindern. Heute ist die Stadtbücherei im Haus untergebracht. Außerdem tagt der Stadtrat in der oberen Etage. Auch das Standesamt ist dort angesiedelt.

Am Mertenshof in der KIrchstraße verweist Christiane Pohl auf einen Grabstein von 1709, der dort ins Mauerwerk des Hofes eingelassen ist. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

St. Tönis blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon 1188 gibt es eine erste Erwähnung des "Marktflecks im Kempener Land". Damals hieß der Ort noch Osterwerth. Nach und nach wuchs der Ort und änderte seinen Namen. "Aus dem 17. Jahrhundert gibt es einen Beleg, in dem der Ort St. Antonius in der Heyde genannt wird", erzählt Christiane Pohl, studierte Archäologin. Aus dieser Zeit stammt auch die Wallanlage rund um den Ortskern. Am Pastorswall ist sie heute noch als Bodendenkmal zu sehen.

Seinen Namen hat St. Tönis wohl vom heiligen Antonius, dem Begründer des Mönchtums in Ägypten. Der Namensgeber steht als kleines Denkmal an der Ecke Hochstraße/ Antoniusstraße. Weil er als Schutzpatron der Haustiere gilt, wird er oft mit einem kleinen Schwein gezeigt, was ihm den Spitznamen "Ferkes Tünn" eingebracht hat. Wer der Antoniusstraße folgt, kommt am Haus des Heimatbundes vorbei, in dessen Schaufenster ein Webstuhl steht. Im 19. Jahrhundert gab es in St. Tönis etliche Weber, die zu Zuhause an solchen Handwebstühlen ihre Ware produzierten.

An der Ecke Hoch- /Antoniusstraße steht das Denkmal von "Ferkes Tünn". FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

Weiter führt der Rundgang zur Pfarrkirche und ihrem einmaligen Kirchplatz. "Bereits 1483 gab es hier ein großes Kirchgebäude mit Turm", weiß Christiane Pohl. Ein Stein neben dem Hauptportal erinnert noch daran. 1585 stürzte der Turm ein, 1642 nach der Schlacht bei Hückelsmay wurde die Kirche gebrandschatzt. Immer wieder wurde an- und umgebaut, bis die Kirche 1903 ihre heutige Form erhielt.

Rund um die Kirche war ein Friedhof, auf dem bis 1848 bestattet wurde. "Die Häuser stehen quasi auf der Außenmauer des Friedhofs", sagt Christiane Pohl und deutet auf das Ensemble von größtenteils historischen Stadthäusern aus dem 19. Jahrhundert. Das älteste Haus der Gegend befindet sich ein paar Meter weiter Richtung Kirchstraße. Es ist das Patrizierhaus Mertens von 1745. "Es wurde von der Familie Bramers errichtet", erzählt Christiane Pohl. Nach dem Tod des letzten Bramers bekam den Hof eine Verwandte namens Mertens. Mertens waren viele Jahrzehnte hindurch Bauern und Müller. Die hinter dem Haus liegenden Scheunen und Stallungen wurden im vorigen Jahrhundert errichtet. Ein Grabstein von 1709, der belegt, dass es damals bereits einen Bürgermeister im Ort gab, wurde später ins Mauerwerk des Hofes eingelassen.

Hinter dem Mertenshof liegt die Freizeitanlage Pastorswall, die sich mit einem großen Kinderspielplatz, einem Bolzplatz und einer Minigolfanlage großer Beliebtheit erfreut.

Quelle: RP
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