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Wülfrath
Alle Achtklässler besuchen Ausstellung

Wülfrath: Alle Achtklässler besuchen Ausstellung
Etwa 30 Sekundarschüler der 8a besuchten die Ausstellung. FOTO: DJ
Wülfrath. "Klang meines Körpers" thematisiert Ess-Störungen. Bis heute ist die Schau an der Straße In den Eschen zu sehen. Von Valeska von Dolega

Auch wenn es der Titel suggeriert, hat "Klang meines Körpers" nicht ausschließlich mit Akustik, dafür um so mehr mit Achtsamkeit im Sinne eines In-sich-Hineinhörens zu tun. Die Wanderausstellung, seit 2006 unter der Schirmherrschaft der Caritas unterwegs, gastiert wieder einmal in Wülfrath. Bis Donnerstag ist sie In den Eschen 3 als multimediale Schau zum Thema Ess-Störungen erlebbar.

"Alle 8. Klassen der weiterführenden Schulen der Stadt werden die Ausstellung besuchen", erklärt Beatrix Neugebauer, Mitarbeiterin aus dem Caritas-Team der Suchtprävention. "Das ist sehr wichtig." Jetzt waren 29 Sekundarschüler der Klasse 8a zu Gast. "Zu Anfang wusste ich gar nicht, wohin ich als erstes schauen sollte", beschreibt Svenja (13) Schwierigkeiten, Zugang zu den "heftigen Geschichten", die in Wort, Bild, sogenannten Schatzkisten und Musikbeispielen aufgebaut sind, zu finden. Dokumentiert sind wahre Begebenheiten und leidvolle Erfahrungen verschiedener Teenager, die alle einen krank- und krampfhaften Umgang mit dem Thema Essen hatten. "Konkrete Zahlen kenne ich nicht", sagt Beatrix Neugebauer. Doch längst ist der Zustand nicht bloß bei jungen Frauen besorgniserregend - Männer ebenso betroffen. Verletzende Erlebnisse wie Mobbing und Konflikte in der Familie oder unter Freunden haben die in der Schau Porträtierten ebenso wie übersteigerten Perfektionismus, Einsamkeit oder Liebeskummer als Einstieg in die Sucht, Essen zu verweigern, beschrieben. "Das war bei zwei von meinen Freundinnen auch so", erklärt Svenja. Sie selbst ist durch die Klinikaufenthalte und Therapien der beiden insofern alarmiert, dass sie zwar sehr darauf achtet, was und wie viel zu isst. "Aber ich übertreibe es nicht."

Dabei ist der Körper eigentlich klug. Wie die Tankanzeige des Autos blinkt, wenn der Treibstoff verbraucht ist, registriert der Körper, ob seinen Zellen die Energie ausgeht. Dazu kontrollieren sensible molekulare Messinstrumente den Blutzuckerspiegel. Droht bei Unterzuckerung ein Engpass, signalisiert er das und das Gehirn verlangt Essen. Normalerweise. "Gefühle, die dich hinabziehen, in die Kälte, ins Ersticken", wie es einer der Porträtierten benennt, werden mit einem Übermaß oder dem totalen Verzicht an Essen kompensiert.

"Mir scheint, die Jugendlichen wissen eine Menge über Bulimie und Anorexie", mutmaßt Beatrix Neugebauer. "Aber in der Pubertät scheint dieses theoretische Wissen wenig zu helfen." Trotzdem kerngesund zu bleiben, sei dann ein Spagat. Damit der so gering wie möglich ist, wird "Klang meines Körpers" in einer rund zweistündigen Gruppenarbeit, bei der zunächst Mädchen und Jungen voneinander getrennt aktiv sind, plus abschließender Diskussion aufgearbeitet. "Schade, dass David nicht selbst da war", hieß es über einen der Porträtierten. "Man hätte ihn fragen können, wie es ihm jetzt geht." "Das mit der Musik, das hat mich sehr berührt", sagte Lee-Ann (13) über Klangbeispiele. "Das kenne ich von mir selbst", erklärt sie ihre Seelenmusik. "Wenn ich richtig schlecht drauf bin, höre ich 'Schutzengel'. In dem Lied ist alles drin - über mich."

Quelle: RP
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