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Wülfrath
Alle in einem Boot und hoch hinaus

Wülfrath: Alle in einem Boot und hoch hinaus
Jeder für jeden: Um zusammen Boot fahren zu können, muss der Kahn zunächst gemeinsam ins Wasser gehievt werden. FOTO: Kinder- und Jugendhaus
Wülfrath. Die Jugendförderung bietet wieder eine pädagogische Freizeit an. Kanufahrten und Klettertouren sind dabei Programm. Von Valeska von Dolega

"Es ist total schön hier. Nach Hause müsste ich eigentlich nur wieder, wenn ich saubere Klamotten brauche", ist eine der prägenden Teilnehmersätze, an die sich Margherita "Meggie" Hahn erinnert, wenn sie an die erste erlebnispädagogische Sommerfreizeit denkt. Nun steht die dritte Ausgabe dieser beliebten Ferienveranstaltung für "Teenies", wie die Elf- bis Fünfzehnjährigen heißen, an.

Drei Tage geht es für insgesamt 18 Teenies auf Tour nach Haltern. Ziel ist nicht mehr wie in der Vergangenheit ein Campingplatz, erstmalig wird eine Jugendherberge vor Ort angesteuert. "Per öffentlichen Verkehrsmitteln", wie Cheforganisatorin Meggie Hahn ausführt, auch das ist neu, früher wurde die Gruppe in privaten Pkw kutschiert. "Wir sind noch nicht am Ende und haben Spaß daran, uns weiterzuentwickeln", sagt die 36-Jährige über die Veränderungen. Das Wichtigste aber ist unverändert, nämlich die Aktivität in der Natur. "Wir werden Kanu fahren und klettern."

Das klingt sportlich und nach Herausforderung, verrät aber noch nicht alles übers Konzept. "Es geht natürlich auch darum, Vergnügen zu haben. Vor allem aber soll das Miteinander gefördert werden und die Bereitschaft, füreinander da zu sein." Die Paddelei entlang der Ruhr bietet besondere Impressionen, bedeutet aber gleichzeitig ein hohes Maß an Konzentration und Durchhaltevermögen. Noch gespannter sind Meggie Hahn und Kollege Stefan Jansen auf die Kletterei. "Wir haben die Jugendherberge extra mit aus diesem Grund ausgesucht, weil sie an einer Fassade eine spezielle Kletterwand hat." Damit ist ein neuer Akzent auf die Fahrt gelegt worden. Sie zu erklimmen, bedeutet Grenzen zu überwinden. "Nicht jeder hat die gleiche Kraft, Aufgaben zu bewältigen. Das ist an der Kletterwand wie im richtigen Leben." Und manche, so wie die diplomierte Sozialpädagogin, versuchen ihr Nervenflattern namens Höhenangst in den Griff zu bekommen.

Denn wer beim Klettern hoch hinaus will und beim Gang an die höchsten Spitzen Abwechslung und Spannung erleben will, muss sich auf andere verlassen. Auch diese Art des Teambuildings ist ausdrücklich als Ergebnis der Fahrt erwünscht. Es sei ein Phänomen unserer Gesellschaft, führt Meggie Hahn aus, "Gemeinschaft hinten an zu stellen und zunehmend seine Individualisierung zu pflegen". Bei der erlebnispädagogischen Freizeit geht es ums gemeinsame Ganze. "Dazu stellen wir ein gemeinsames Regelwerk auf." Das ist dann für die Dauer der Abenteuerfahrt bindend. Klar wäre es einfacher, wenn die beiden pädagogischen Betreuer dieses Reglement an den Start brächten. "Aber so haben die Kids sich selbst Gedanken gemacht, über das, was geht und zumutbar ist."

Die vergangenen Sommerfreizeiten haben gezeigt: Das Konzept geht nicht bloß auf, alle Beteiligten waren begeistert. "Wir haben oft darüber diskutiert, die Fahrt von 'nur' drei Tagen auf eine Woche aufzustocken." Allerdings geht das Sportprogramm durchaus auf die Kondition. "Die Kräfte schwinden relativ schnell", weiß auch Meggie Hahn über die so spielerisch ausschauende Paddelei über die Ruhr. "Und schließlich soll es ja lustig sein." Getreu dem übergeordneten Motto "Geh mit Spaß an deine Grenzen".

Quelle: RP
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