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Ostern: Eine runde Sache
Anfängertest für Astronauten

Ostern: Eine runde Sache: Anfängertest für Astronauten
FOTO: Christoph Reichwein
Wülfrath. Ein Kreisel ist eine Oase in der Asphaltwüste. Er verschafft mir während der langweiligen Fahrt in einer Blechlawine den kleinen Glücksmoment. Eine Ampel ist ein Roboter. Wenn sie rot leuchtet, muss ich stehenbleiben, selbst wenn kein Autofahrer oder Fußgänger zu sehen ist. Von Uwe Reimann

Ein Kreisel aber entspannt. Er spricht nicht in einem Befehlston mit mir, sondern gönnt mir einen zen-artigen Augenblick, in dem ich entscheiden kann, wann ich hineinfließe oder durchbrause.

Dabei ärgern sich viele Autofahrer, wenn sie vor einem Kreisel abbremsen, gucken und langsam hineingleiten. Das ist Zeitverzögerung, ja. An einer Ampel aber müssten sie stoppen und wirklich warten. Da werde ich dann verrückt. Deshalb gleite ich auf der Mettmanner Straße immer wieder entspannt auf den wichtigsten Kreisverkehr Wülfraths zu. Tausende tun das jeden Tag aus allen vier Richtungen, die im Kreisel an der Ecke Mettmanner Straße/Flandersbacher Straße/Zur Loev enden und starten.

Für einen solch prominenten Anziehungspunkt der Kalkstadt hat sich der Kreisel vor der Eisbahn aber schlecht angezogen. Vier Lampen spenden Licht in der Nacht. In der Mitte stehen 27 (warum eigentlich 27?) Betonkübel, Marke industrielle Langeweile, im Ringelrein. Das Rot, Grün, Gelb und Blau auf ihren Außenhäuten ist nach langen Jahren abgewaschen und wirkt schmutzig. In einigen fristen Stiefmütterchen ihr Dasein, in einer steht eine kleine Tanne, in anderen räkelt sich undefinierbares Kraut über den Bottichrand. Kein schöner Anblick, wenn man zum Beispiel im Kreisel immer rumherum fährt und an der Mettmanner Straße direkt in den Eiskanal einfährt. Motivation ist anders.

Um die Einfahrgeschwindigkeit noch weiter zu reduzieren, werden bei Kreisverkehren in der Mitte oft künstliche Hügel oder Skulpturen aufgebaut, die die Sicht auf die andere Seite des Kreisverkehrs verhindern. Das haben die Wülfrather offenbar begriffen und sich an der großen Menge Beton vergriffen. Westlich, nach der Abfahrt über die Flandersbacher Straße, folgt noch ein schicker Kreisel, der zur Fliethe und zu Rheinkalk führt. Dazu einer oben an der L74. Und sonst? Unser Kreisverkehr ist der einzige an der Mettmanner Straße, obwohl sich vorher und nachher noch andere Ecken für Kreisfahrten anbieten würden. Warum sind es nicht mehr, es war doch mal anders, als alle immer mehr wollten?

Die Kreiselitis sei eine Krankheit, hieß es vor zwei Jahrzehnten. Beklagt wurde, dass die Städte Kreisel bauten statt der guten alten Kreuzungen, wo es ein Links gibt und ein Rechts, ein Rot und ein Grün und nicht so ein esoterisches Dauerfließen. Immer öfter gab's ein "Oooohhhmmm" statt ein "Brrrbrrrrr". Trotzdem hat sich kaum ein Geschäft in Hörweite des Wülfrather Kreisels niedergelassen. An der Loev, rund 20 Meter entfernt, hat ein Pflegedienst seinen Sitz. Das Kreiselbauen ist mittlerweile in Verruf geraten, weil Kreisel teuer sein sollen und mehr Platz bräuchten und vielleicht auch, weil der Kreisel aus dem Ausland kam. Aus Frankreich nämlich. Bei Dingen aus dem Nachbarland ist man in Deutschland ja grundsätzlich skeptisch. In Frankreich schert man sich ja kaum um Beulen und Macken am Auto. Aber hier in Deutschland kommt das Klagen über Automacken gleich hinter der Verdammung für Kinderschänder und Benzinpreiserhöher.

Gibt es denn zu viele Kreisel? Google Maps klärt auf: Die meisten Kreisel gibt es nahe der französischen Grenze, was der Befürchtung, bei der Kreiselitis handele es sich um eine ansteckende Krankheit, neue Nahrung gibt. Der Wahnsinn dreht sich eben. Der steht nicht einfach still vorm Ampelmast. Doch Drehen und Dummwerden sind beim Thema Kreisverkehr keine Geschwister. Es gibt jede Menge Arten kreativer Kreisverkehre. Zwar nicht in Wülfrath, aber anderswo. Magic Roundabout heißen sie in Großbritannien mit zwei verschiedenen Spuren. Unechte Kreisverkehre mit Vorfahrtschildern und Turbokreisverkehre mit zwei Spuren, bei der die innere immer um die Mitte führt und die äußere immer an der nächsten Abfahrt schon endet. Squareabout sind ohne jede Markierungen versehen, Throughabouts sind jene, in der eine Hauptrichtung geradeaus fährt und die andere einfädeln muss.

Dieses Kuddelmuddel der Arten löst sich im Kreisverkehr aber auf, denn ein Kreisel schafft Übersichtlichkeit, schnelles Passieren, weniger Unfälle, geringere Bau- und Unterhaltskosten und weniger Umweltverschmutzung. Man kann sich nicht verfahren, solange man in der Kreiselspur weiterfährt. Zur Belastungsprobe kann es werden, wenn sich bei dauerhaftem Kreiselfahren Magen und Gleichgewichtssinn melden. Fakt ist: Für angehende Astronauten ist das ein idealer Anfängertest. Aber der Kreisel schafft eine Verkehrsregel, die wirklich immer von jedem befolgt wird: das absolute Parkverbot im Ring. Oder hat ein Wülfrather schon mal vor der Eisbahn geparkt?

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