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Wülfrath
Anger-Markt bringt zu wenig für die City

Wülfrath: Anger-Markt bringt zu wenig für die City
Der Anger-Markt im Eingangsbereich vor Edeka (links) und Fachgeschäften (rechts). FOTO: Michael Nacke
Wülfrath. 2013 eröffnete das Einkaufszentrum auf dem Areal der alten Stadthalle. Wirtschaftsförderer sieht lokale Kunden. Von Sabine Maguire

Eigentlich sollte er mehr Kundschaft in die Innenstadt locken. Nun allerdings werden immer mehr Stimmen laut, die dem Anger-Markt in dieser Hinsicht ein eher schlechtes Zeugnis ausstellen.

"Dem Einzelhandel hat der Anger-Markt nicht gut getan", glaubt Metzgermeister Peter Stracke. Aus seiner Sicht sei die Planung "in die Hose gegangen". Hinzu komme, dass der Umbau der Fußgängerzone zu lange gedauert habe. Früher sei sie ein Kundenmagnet gewesen: "Da gab es dort einen Lauf, und vor allem die Samstage liefen richtig gut", weiß Stracke, der sich vor sieben Jahren mit seiner Metzgerei am Kirchplatz niedergelassen hat. Nun zieht er mit seinem Geschäft an die Goethestraße, auch und vor allem wegen der Parkplätze. "Eine Magnetwirkung schreibt Stracke dem Angermarkt durchaus zu - allerdings nicht so, wie er es sich selbst gewünscht hätte: "Das hat sich alles dorthin verlagert. Am anderen Ende der Innenstadt läuft nichts mehr", glaubt der Metzgermeister.

Die Klagen vieler Einzelhändler sind längst auch zu Karsten Niemann durchgedrungen. Der Wirtschaftsförderer nimmt die Kritik durchaus ernst und ist mit dem Einzelhandel im Gespräch. Dabei ist er ein leidenschaftlicher Fürsprecher der Innenstadt-Idee.

Vor allem auch deshalb, weil nicht jeder mit dem Auto zum Einkaufen auf die "grüne Wiese" fahren könne. Damit sei speziell in Wülfrath die Fliethe gemeint. Real, dm und die Sparkasse seien durchaus attraktiv, um schnelle Besorgungen zu erledigen, weiß Niemann.

Mit der Kritik in Sachen Anger-Markt konfrontiert, fragt er ganz offen: "Was wäre denn die Alternative gewesen? Wer sich einmal zur Fliethe hin orientiert, ist für die Innenstadt verloren." Durchaus überzeugend stellt er klar, dass man sich mit Blick auf die Stadtentwicklung nicht an momentanen Trends orientieren könne und wolle: "Denn dass könnte irgendwann bedeuten, dass man auf die Innenstadt verzichten muss."

Denkt man diesen Gedanken konsequent zu Ende, so wird schnell klar: Eine Stadtplanung, die langfristig ausgerichtet sein sollte und sich nicht am wandelbaren Kundenverhalten messen lassen kann und darf, hat einen naturgemäß schweren Stand. Würde man es anders machen, zählt derzeit vor allem eines: Wo kann ich direkt vor der Tür parken, um in der Alltagshektik möglichst schnell meine Einkäufe erledigen zu können? Und der Rest wird im Internet gekauft - zum Fachhändler geht man höchstens noch, um sich informieren zu lassen.

Man muss nicht lange überlegen, was das über kurz oder lang für die Innenstadt bedeutet: Immer mehr Einzelhändler geben auf, weil sich ihr Geschäft einfach nicht mehr lohnt.

Mit dem Anger-Markt einen zusätzlichen Reiz zu schaffen, um in unmittelbarer Nachbarschaft zur Fußgängerzone einkaufen zu können, macht aus Sicht der Wirtschaftsförderung durchaus Sinn: "Der eine oder andere Kunde bummelt dann vielleicht doch noch durch die Geschäfte oder geht ins Café", hofft Karsten Niemann.

Schon jetzt würden sich immer mehr Menschen aufs Lokale besinnen - weg von großen Zentren und hin zu regionalen Angeboten.

Quelle: RP
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