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Wülfrath
Bei Evi trifft man sich

Wülfrath: Bei Evi trifft man sich
Eveline Gebauer und ihr Mann führen seit 2007 eine Kneipe. FOTO: Janicki, Dietrich
Wülfrath. Die Liebe ist eine Himmelsmacht und aus Liebe geschieht viel. Im Falle von Eveline "Evi" Gebauer und ihrem Mann Wolfgang Borreck entstand daraus gleich eine ganze Kneipe. Von Valeska von Dolega

Denn als die beiden vor elf Jahren nach Wülfrath zogen, fehlte dem passionierten Dart-Spieler ein entsprechender Ort, an dem er sein Hobby ausüben konnte. "Und dann haben wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Location gemacht", das leer stehende Lokal im Untergeschoss der Wilhelmstraße entdeckt und mal ganz nebenbei ein "hoffentlich tragendes Konzept entwickelt". 2007 wurde "Evis Bistro" eröffnet, in dem man unter anderem Dart spielen kann. Hauptsächlich aber ist es für seine Veranstaltungen bekannt.

"Es war ein Sprung ins kalte Wasser", erinnert sich die 56-Jährige. Gelernt hat sie einen sozialen Beruf, war 18 Jahre in einem Kinderheim in Langenberg berufstätig. "Ich liebe den Umgang mit Menschen" und wer sieht, wie die Augen der Blondine dabei strahlen, weiß, dass das nicht bloß ein Lippenbekenntnis ist. Sie interessiert, was andere bewegt und umtreibt. "So kommt man ins Gespräch".

Dabei hört sie gerne genau hin und registriert, was andere mögen. Und beim flotten Smaltalk über die Theke hinweg geht es oft sprichwörtlich vom Hölzchen aufs Stöckchen und dabei um Themen, die wiederum als Ideen in der Kneipe umsetzbar sind. "Das muss man dann halt ausprobieren", ist ihre Lieblingsmaxime.

Im Vorfeld der Feier zum einjährigen Bestehen stand beispielsweise plötzlich eine Schülergruppe in der Tür. Die entpuppte sich als Band, wurde spontan zum Fest engagiert und nachdem dieser musikalische Beitrag "echt erfolgreich" war, fragten sich Evi Gebauer und ihr Mann, warum sie solche Events nicht öfter ins Programm aufnehmen. "Denn unsere Gäste hatten ganz offensichtlich Spaß.". So entstand sozusagen aus dem Tun die Idee, regelmäßig Konzerte zu veranstalten.

"Ich liebe Reggae", diese Musik entspricht "absolut" ihrem Lebensgefühl. Ginge es nach ihr, gäbe es "viel mehr Live-Auftritte" dieses Genres. "Aber gute Interpreten gibt es nur wenige." Ähnlich wie beim Gospel, ein weiterer Musikstil, der sie fasziniert. "Allerdings nur zum Zuhören. Bei meiner Stimme ist selber Singen vollkommen ausgeschlossen." Was so nicht stimmt, denn wenn Cover-Bands oder die seit 2008 etablierte Fire-Bowl das Souterrainlokal rocken, ist sie laut schmetternd mit von der Partie. "Manchmal sogar auf der Bühne", manche Formationen gastierten bereits so oft, dass es freundschaftliche Verbindungen gibt. "Inzwischen müssen wir uns gar nicht mehr darum kümmern, Liveacts zu finden. Wir bekommen per Post und E-Mail bundesweit Demo-Tapes und Anfragen." Der Trubel gefällt der Kneipenwirtin, "ich bin immer wieder an Neuem interessiert".

Und weil sie für so vieles offen ist, hat auch die junge Generation ambitionierter Dichter ihr Zuhause hier gefunden. Auch hier das gleiche Prozedere wie bei den Musikern, "eines schönen Tages kam Jan Schmidt reinspaziert und fragte, ob wir nicht einen Poetry Slam veranstalten wollten. Da habe ich erstmal im Netz geguckt, was das eigentlich ist."

Aber weil theoretische Entscheidungen ihre Sache nicht sind, sondern sie die Probe aufs Exempel gerne in der Praxis macht, traf sie fix eine Entscheidung. "Sonst haben wir sonntags geschlossen. Aber warum nicht ausgerechnet dann einen Poetenabend veranstalten?" Auch dieses Format ist inzwischen ein gut frequentierter Selbstläufer.

Jenseits des Tresens ist Eveline Gebauer bevorzugt kreativ. "Früher habe ich auch gestrickt und gehäkelt", inzwischen beschränkt sie sich aufs Nähen. Wobei "beschränken" nicht dem entspricht, was sie aus Stoffen und Garn herstellt. Kleider und Kostüme, bevorzugt im Stil der 60er Jahre entstehen dann im kleinen Atelier. Aufwendige Applikationen sind ebenso von Hand verarbeitet wie plissierte Röcke oder bauschige Blusen. "Das macht mir einfach Spaß", beantwortet sie die Frage, wie sie denn stundenlang so filigrane Stiche setzen kann. Zu Karneval sorgte sie zuletzt als Blumenfee für Furore, das war ein fließendes Kleid in zartem Grün, und einen passenden Hut gab es selbstverständlich auch aus der eigenen Werkstatt.

Die floralen Elemente übrigens sind kein Zufall. "Totale Entspannung" nämlich findet die Kneipenwirtin mit Herz in ihrem Garten. "Das ist so wunderschön anzusehen, wie allmählich alles grünt und blüht." Inmitten der bunten Pracht kommen dann auch oft Einfälle für weitere Veranstaltungen.

Quelle: RP
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