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Wülfrath
Besser als das Tor des Monats

Wülfrath: Besser als das Tor des Monats
Spielen mit Köpfchen: die neuen Fairplay-Scouts Hadis Kordic und Ugur-Mert Özcekic. Neben Toren und Ergebnissen steht für sie das faire Miteinander im Vordergrund. FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)
Wülfrath. Nach Berlin sind Ugur-Mert, Hadis und Silas nicht bloß gefahren, um ein Fußballturnier für ihr Team zu entscheiden. Die Drei haben sich zu Fairplay-Scouts ausbilden lassen. Ihr Wissen geben sie jetzt an jüngere Mitspieler weiter. Von Valeska von Dolega

"Entscheidend ist auf dem Platz", lautet eine alte Fußballphrase. Die gilt nicht bloß für spielerische Effizienz. Sie gilt ebenso für das Drumherum. Und weil alles Gerede über ein soziales Miteinander nichts bringt, wenn man es nicht auf dem Grün des Rasens umsetzt, wurden jetzt drei Fairplay-Scouts (Infobox) ausgebildet.

Silas Hofer, Hadis Kordic und Ugur-Mert Özcekic (alle 15) heißen die Jungs. Sie wurden nicht zufällig ausgewählt, "wir kennen sie schon lange", wie Reiner Schmidt von der städtischen Abteilung für Kinder- und Jugendförderung sagt. Er ist passionierter Fußballspieler, Fan von Borussia Dortmund und trainiert - neben vielen anderen Aufgaben - Jugendliche in sogenannten offenen Gruppen. Bei den 10- bis 15-Jährigen sind es über 30 Leute, teils mit Handicap, die mitmachen. In der Altersklasse der 15- bis 18-Jährigen knapp 20 Mitspieler. Natürlich geht es um Spaß an der Sache. Hadis, erklärter Schalke 04-Fan und seit elf Jahren leidenschaftlicher Kicker, liebt den Sport ebenso wie Ugur-Mert, der seit sechs Jahren spielt und Real Madrid-Fan ist. Für beide war die dreitägige Berlin-Fahrt nicht bloß ein Abenteuer, sondern auch eine Auszeichnung, wie sie sagen. Aus den vielen Spielern, die an den Übungseinheiten der offenen Gruppen teilnehmen, sind diejenigen ausgewählt worden, die sich durch besonderes Engagement für und Rücksichtnahme auf andere auszeichnen.

"Denn Tore zählen wir nicht", erklärt Schmidt einen wesentlichen Grundgedanken des Trainingsbetriebs. Wichtiger als Ehrgeiz und die zu verleihende Torjägerkanone sind das sozialverträgliche Miteinander. Und um dieses Prinzip quasi auszubauen und zu manifestieren, sind Reiner Schmidt, sein sozialpädagogischer Kollege Stefan Jansen aus der Abteilung Kinder- und Jugendförderung sowie acht Spieler nach Berlin gereist. "Für einige war es überhaupt die erste Fahrt mit einem ICE." Finanziell möglich gemacht hatte die Sause die Stiftung "Ich kann was!". Sie unterstützt offene Jugendarbeit und damit Projekte wie sie Reiner Schmidt und Stefan Jansen konzipieren und durchführen. "Ohne das Geld wäre manches nicht möglich."

"Mit unserer Mannschaft waren wir auch auf dem Turnier", sagt Hadis. Noch wichtiger als die Platzierung war für ihn aber die Fortbildung zum Scout. "Zwei Stunden haben wir darüber geredet, was Fairplay heißt." Klar, kann mal im Eifer des Gefechts gefoult werden. "Aber dann hilft man dem anderen gleich wieder hoch." Auch Händeschütteln ist keine Geste, die für Profifußballer reserviert ist. Zum guten Ton gehört es ebenso, sich innerhalb einer Mannschaft nicht anzubrüllen. Nicht mal, wenn es um vergebene Chancen oder spielentscheidende Szenen geht. "Ich habe immer schon gedacht, man muss fair sein", sagt Ugur-Mert. Aber die Schulung war eine "positive Verstärkung", vermittelt wurden so wichtige psychologische Kniffe, wie unbedingt ruhig zu bleiben, Dinge zu begründen und nie irgendwohin zu reden, sondern denjenigen, der gemeint ist, direkt und respektvoll anzusprechen.

Das Konzept gilt nicht nur während des Spiels untereinander. Ein Fairplay-Scout übernimmt während eines Fußballturniers die Aufgabe eines Spielbeobachters. Dafür zählt er nicht geschossene Tore, sondern wie gut Fairplay-Regeln eingehalten werden. Und weil Silas, Hadis und Ugur-Mert das so gut drauf haben, sollen sie in Zukunft so etwas wie Multiplikatoren sein. Ihre Haltung sollen sie beim Training und auch den nächsten Turnieren an ihre Mitspieler vermitteln. Für sie ein logischer Gedanke, denn "Fairplay ist ein guter Gedanke".

Quelle: RP
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