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Einschulung
Das war mein erster Schultag

Einschulung: Das war mein erster Schultag
Dorothea Walda (83) fand in ihren Familienalben kein Foto von ihrer Einschulung, aber drei Bilder, die zwei ihrer Brüder und eine Schwester mit ihren Schultüten zeigen. Sie sind vor 85 und mehr Jahren entstanden. FOTO: Walda
Mettmann. Der große Tag für die kleine Dorothea ist zwar schon 77 Jahre her, aber erinnern kann sich Dorothea Walda, 83-jährige Schauspielerin aus Wülfrath, auch heute noch gut an ihre Einschulung.

Wülfrath "Meine Schultüte war grün. Und leider zu zwei Dritteln mit Holzwolle gefüllt. Darauf lagen die kleinen Geschenke. Vieles davon stammte aus dem Handelsgeschäft meiner Eltern. Das habe ich mit einem Blick erkannt." Auch der Text des Gedichtes, das sie für den Ehrentag auswendig lernen musste, sitzt viele Jahrzehnte später noch: "Ich bin ein deutsches Mädchen ...." Bis zur letzten Zeile des in der Nazi-Zeit beliebten Vaterlandslieds gerät sie nicht einmal ins Stocken. "Viele Texte, die ich in den letzten zehn Jahren für Filmrollen gelernt habe, sind weg. Ältere Texte haben sich bis heute eingebrannt", sagt die 83-jährige, die schon im Kindergarten gerne schauspielerte ("Engelchen spielen"), und dann lange warten musste, bis sie von Berufs wegen einem größeren Publikum bekannt wurde. Der Startschuss dazu fiel 1995 mit "Club Las Piranjas" eine deutsche Fernsehkomödie, in der sie mit Hape Kerkeling spielte. Es folgten weitere Filme, Fernsehserien, Tatorte und mehr.

Was Dorothea Walda leider nicht fand, war ein Foto von ihrer Einschulung. Bei der Flucht nach dem 2. Weltkrieg aus der Heimatstadt Kanth (bei Breslau) rettete die Familie zwar vier Bilderalben bis nach Wülfrath, aber zu finden sind nur Schultüten-Fotos von zwei Brüdern und ihrer Schwester Christa-Maria, die 1928 eingeschult worden war. Alle fünf Geschwister von Dorothea Walda sind tot. Zwei Brüder fielen in Russland.

Thomas Gutmann (r.), mit Schwester Andrea, wurde 1977 eingeschult. FOTO: Gutmann

Haan (-dts) Am 5. Dezember 1966 war mein erster Schultag. 1966/67 gab es zwei Kurzschuljahre. Mit gut sechseinhalb Jahren begann der so genannte "Ernst des Lebens". Auf dem Hof der katholischen Grundschule in St. Tönis am Niederrhein waren unglaublich viele Kinder und Eltern.

Dann wurden die Namen aufgerufen - und wenig später stapfte die Klasse 1a mit über 40 Jungen hinter Lehrer Helmut Thissen durch das riesig erscheinende Treppenhaus in die erste Etage des Backsteingebäudes. Die erste Schulstunde startete gleich praktisch: Alle holten ihre Schiefertafeln aus dem Ledertornister, aus dem das Schwämmchen baumelte. Und mit dem Griffel malten wir eine Reihe "eeeeeee". Die Schwungübung war auch gleich die erste Hausaufgabe - drei Reihen "eeeeeee" sollten wir schreiben. Stolz wie Oscar präsentierte ich mein Werk der Mutter - die zum Schulstart noch gönnerhaft nickte. Später - wenn sie fand, dass ich nicht schön genug geschrieben hatte - nahm sie immer mal wieder den Schwamm und tilgte die Mühe von der Tafel.

Die Schultüte - eine in Blau-Gold - gab es erst zu Hause: Gefüllt war sie mit wirklich tollen Sachen: einem schwarzen Rollkragen-Pullover mit Zopfmuster auf der Brust (immerhin stand der Winter bevor) und einer Taschenlampe aus Metall- mit drei Batterien und blauem Reflektor-Gehäuse.

Langenfeld RP-Redakteur Thomas Gutmann (Jahrgang 1971) wurde im September 1977 zusammen mit seiner Zwillingsschwester Andrea in die Montessori-Schule in Düsseldorf-Garath eingeschult. Die Erinnerungen daran werden von den Tagen davor überlagert. Im Urlaub an der See bekam ich ganz dicke Knie. Daheim in Garath ging alles ganz schnell. Kinderarzt Dr. Glück (ja, so hieß er) sagte: Sofort in die Uniklinik!

Die erste Nacht verbrachte ich in einem Raum, der mir riesig vorkam und nur dieses eine Bett - meines - hatte. Die nächsten Tage lag ich mit Zlatko auf einem Zimmer, einem Jungen, der regelmäßig an einen Blutwäsche-Apparat angeschlossen wurde. Als es mir besser ging, machten wir mit den anderen Kindern Wasserschlachten draußen im Garten.

Aber nicht alle konnten mitspielen. So der Junge in dem Einzelzimmer am Ende des langen Klinikflurs, den ich einmal sah. Er war ganz blass und kahlköpfig. Ich soll nur eine Woche dort verbracht haben, aber es kam mir länger vor. An die Biene-Maja-Figuren und den Scout-Tornister, den mir meine Eltern brachten, erinnere ich mich. Und an "Schwester Gaby". Sie war lieb und schön, und hätte sie später in der "Schwarzwaldklinik" mitgespielt, Sascha Hehn hätte um sie geworben. Als meine Mutter kam, lief ich von Gaby über den Klinikflur in ihre Arme.

Am ersten Schultag war die Krankheit ("Purpura Schönlein-Henoch", eine Blutgefäßentzündung) für mich vergessen. Dass ich in der Kinderkrebsklinik war, habe ich erst später erfahren.

Quelle: RP
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