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Wülfrath
Der Pfarrer geht niemals so ganz

Wülfrath: Der Pfarrer geht niemals so ganz
Heinz Otto Langel 2008 vor dem Kreuz, das ihm sein Vater zur Priesterweihe schenkte. FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)
Wülfrath. Heinz-Otto Langel von St. Maximin hat seinen Abschied für 2016 angekündigt. Der Mann ist etwas ganz besonderes. Von Valeska von Dolega

Vielleicht auch deshalb sind seine Gemeindeglieder einigermaßen fassungslos, dass ihr Pfarrer jetzt ankündigte: "Zum 30. September 2016 gebe ich in St. Maximin die Leitung ab." Aber Heinz-Otto Langel sagt auch: "Damit gehe ich eine Stufe zurück. Aber nicht in Rente." Wo er diesen Unruhestand verleben wird, bleibt (s)ein wohlgehütetes Geheimnis.

"Am liebsten ginge ich zurück nach Köln", bekennt der inzwischen 64-Jährige. Dort nämlich ist er geboren und groß geworden, das ist seine Herzensheimat. "Dort könnte ich sprechen, wie mir der Schnabel gewachsen ist", behauptet er. Dabei hat der Mann, der seit 1991 in Wülfrath als Seelsorger für die christlichen und sicher oft auch weltlichen Kümmernisse Ansprechpartner ist, sicher nie Probleme damit gehabt, verstanden zu werden. Was den Spätberufenen - zunächst machte der Handwerkersohn eine Ausbildung zum Schreiner, später war er als Substitut in einem damals renommierten Kaufhaus tätig, ehe er ab 1982 in 12 Semestern Theologie an St. Lambert studierte - auszeichnet, sind seine klaren Worte. Auch zu vielleicht als heikel oder schwierig geltenden Themen. "Kirche tut sich schwer mit Veränderungen. Die denkt in Jahrhunderten", lautete beispielsweise seine Einschätzung über neuerdings überraschend dezentral getroffene Entscheidungen des Papstes. "Das ist schon eine Sensation." Warum er ungern ein Blatt vor den Mund nimmt? "Ich komme ursprünglich aus dem Einzelhandel. Deshalb habe ich die Kundschaft im Blick." Und da spricht man am besten klare Kante.

Viel Spaß hatte er 2013 beim Aufwiegen beim Kartoffelfest. FOTO: dj

"Ich bin kein Diplomat", außerdem mag er es nicht, "alles tot zu diskutieren". Anstelle dessen geht er pragmatisch vor, ist er Mann der Tat. "Das Praktische ist meine Welt. Ich muss draußen sein. In der Gemeinde." Beim Thema Flüchtlinge sieht er das derzeitige Durcheinander darin begründet, dass "die Konstruktion unserer Verwaltung versagt. Nicht die Menschen." Denn "Verwaltungen verwalten sich meist bloß selbst und verkomplizieren alles." Tief in seinem Glauben verwurzelt, ist der Katholik überzeugt von "gelebter Ökumene". Für ihn ist das das "tägliche Miteinader", nicht in Form einheitlicher Gottesdienste. Sondern der gemeinsamen Veranstaltung. So wie an den Dienstagen im Advent. Am ersten Dienstag veranstaltet für alle Gemeindeglieder St. Jospeh, dann ist die Freie Gemeinde dran, dann die Evangelisch-Reformierte Gemeinde und zum Abschluss ist wieder St. Joseph Austragungsort. "Viele Leute kennen den eigenen Glauben nicht", stellt er fest. Und kann - natürlich - aus dem Stand einen fundierten Exkurs zu Gemeinsamkeiten von Katholiken, Protestanten und Juden halten ebenso wie zu Interreligiosität und einem praktischen Gleichnis in der Bibel. Da wird nicht bloß Matthäus 25, fehlerfrei "wahrlich, ich sage euch, wenn ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan." zitiert, da folgt die lebensnahe Übersetzung ins Hier und Heute als Sozialethik und soziale Gerechtigkeit gleich mit.

"Teilweise sind es noch immer die gleichen Probleme", beantwortet Heinz-Otto Langen die Frage, wie sich sein Job im Verlauf der Zeit verändert hat. "Da hat sich aber offensichtlich in den vergangenen 2000 Jahren nicht viel getan." Die Blindheit für Not sei leider unverändert. Und Ignoranz ebenso.

Nun kommt im nächsten Herbst, seinem 25. Jahr, also ein "neuer Chef", das hat auch Schönes. "Da bin ich nicht mehr für alles verantwortlich", so bleibt "vielleicht mehr Zeit für Schwerpunkte". Mit dann 65 geht er zurück in die zweite Reihe. Ein Alter, in dem er noch so manches bewegen kann. "Na ja, im Kindergarten oder der Jugendarbeit bin ich vielleicht nicht mehr der Richtige."

Quelle: RP
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