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Wülfrath
Der sympathische Nichtlächler geht

Wülfrath: Der sympathische Nichtlächler geht
Hans-Werner van Hueth war jahrzehntelang mit der Stadt beruflich "verheiratet". Der Abschied fällt ihm schwer. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. Der Abschied aus dem Job fällt ihm schwer. Nach 28 Jahren bei der Stadt Wülfrath hat Hans-Werner van Hueth heute seinen letzten Tag. Von Sabine Maguire

Eine private Email-Adresse hat er noch nicht eingerichtet. Wer Hans-Werner van Hueth erreichen möchte, kann das auf dem Dienstweg tun. Dort ist er ansprechbar. Oder besser: Er war es. Bis heute. "Jetzt kommt erstmal der Urlaub. Was danach kommt, weiß ich noch nicht", spricht Hans-Werner van Hueth mit beeindruckender Offenheit über die Angst vor dem Tag, an dem er eigentlich in sein Büro ins Rathaus gehen würde. Es wäre der 4. Januar - und er wird an diesem Tag zuhause bleiben. Und auch an all den Tagen, die noch kommen werden. Er ist dann pensioniert. Wo andere vollmundig von Plänen schwärmen, die man im Ruhestand nun endlich in Angriff nehmen könne, tut van Hueth nichts von all dem. Im Gegenteil: Er macht kein Geheimnis daraus, wie schwer ihm dieser Abschied vom Job fällt.

Wie erklär ich's den Wülfrathern? Van Hueth gemeinsam mit Bürgermeisterin Claudia Panke bei der Bürgerinfo-Versammlung zur neuen Flüchtlingsunterkunft. FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)

Beinahe 30 Jahre saß er an seinem Schreibtisch bei der Stadtverwaltung, um überall dort etwas zu bewegen, wo es um Jugend und Soziales ging. Später kamen noch Sport, Schule und Kultur hinzu. Es wird eine große Lücke zurückbleiben in einem Menschen wie Hans-Werner van Hueth, der all das immer mit Leidenschaft getan hat. Bürgermeister und Stadtdirektoren kamen und gingen - Loyalität und die Akzeptanz demokratischer Entscheidungen waren ihm ein hohes Gut.

"Manchmal saß ich allein in der Öffentlichkeit, um unpopuläre Beschlüsse zu vertreten", erinnert er sich an Momente, in denen sich die Politik aus dem, was sie zuvor besiegelt hatte, auf komfortable Weise zurückzog. Die Schließung der Grundschule in Rohdenhaus, das Aus für die Hauptschule: Es gab Augenblicke, in denen der Verkünder der Hiobsbotschaften von kühlem Gegenwind erfasst wurde. Auch das Ringen um die Zukunft des Zeittunnels sei nicht einfach gewesen. "Ich habe mich auch unangenehmen Dingen immer gestellt."

Enge Zusammenarbeit: Sozialamtsleiter Mike Flohr, van Hueth und der Erste Beigeordnete Rainer Ritsche (v.l.) FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)

Vor Wochen hat er damit begonnen, sich durch seine Terminkalender zu blättern. Vierzig Jahre Berufsleben rauschen so an ihm vorüber. Und ja, es mache ihn durchaus auch traurig, sagt er unumwunden. So manch einer mag den Kopf schütteln bei so viel Wehmut und sich beim Gedanken an den eigenen Ruhestand in die endlich freie Zeit hineinträumen. Einmal dort angekommen, nimmt man jedoch manches womöglich anders war. Und man spürt, was einen Menschen bewegt, der sich nun jenseits seines öffentlichen Amtes neu erfinden muss.

Die vergangenen Tage waren für van Hueth wohl so etwas wie ein Schaulaufen. Kollegen kamen, um ein letztes Mal mit ihm zu plaudern. Das Telefon klingelte, hier und dort brauchte man seinen fachlichen Rat. Derweilen räumte er langsam sein Büro aus, die Vitrine war schon vor dem letzten Tag leer. Sich Gründe schaffen, um im Januar nochmals im Rathaus vorbeischauen zu müssen - das wollte er nicht tun. Er wird neue Wege finden, um sich in Wülfrath einzubringen. Man wird dort bestimmt noch von ihm hören.

Quelle: RP
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