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Postskriptum "Die Woche in unserer Stadt"
Die Reinigung der Rotkreuzler

Wülfrath. Wochenlang ist Wülfrath von neuen Zuweisungen von Asylbewerbern für die Standorte Wilhelmstraße, In den Eschen und diverser Wohnungen ausgenommen geblieben. Da man Mitte September eine Notunterkunft für die Flüchtlinge einrichtete, verzichtete das Land auf neue Asylbewerber für Wülfrath. Von Uwe Reimann

Die Schonfrist ist wohl vorbei, sagte Sozialamtsleiter Mike Flohr jetzt. Ab Dezember müsse man mit neuen Zuweisungen rechnen. Der Druck wird stärker. Eine Art Überdruck bildet sich derzeit in der Notunterkunft am Gymnasium. Seit Wochen mühen sich ehrenamtliche Helfer und das DRK, den Flüchtlingen ihren Aufenthalt möglichst angenehm zu gestalten. Das ist bewundernswert. Doch so sehr sie sich kümmern, Toiletten putzen ist nun wirklich nicht der Job von Freiwilligen. Als fast 150 Flüchtlinge vergangene Woche weiterreisten und das DRK in drei Tagen die gesamte Sporthalle wieder bezugsfertig herrichten ließ, säuberten viele freiwillige Helfer auch Toiletten und desinfizierten Betten. "Das habe ich nicht nötig. Es ist Aufgabe der Stadt, für eine professionelle Reinigung zu sorgen", sagte FDP-Sozialausschussmitglied Stefan Merrath. Er ist einer der freiwilligen Helfer - und möchte derart unappetitliche Aufgaben demnächst lieber bei einer professionellen Putzfirma von der Stadt beauftragt wissen. Flohr rutschte da in der Ausschusssitzung ein wenig unruhig auf seinem Platz und merkte nur knapp an: "Das ist Aufgabe des DRK. Das bekommt von uns Geld für die Flüchtlinge."

Wülfraths DRK-Chef Wolfgang Peetz hätte vielleicht für Klärung sorgen können. Er schwieg. Dabei rührt das Ganze an einer, sagen wir mal, mindestens ungeschickten wenn nicht ärgerlichen Konstellation. Die Stadt gibt über den Vertrag, den sie mit dem DRK für die Unterhaltung der Notunterkunft hat, keine Auskunft. Nach RP-Informationen bekommt das DRK 25 Euro pro Helfer pro Stunde. Die bekommt die Stadt wiederum vom Land erstattet. Doch das DRK zahlt nicht 25 Euro pro Stunde jedem Helfer. Manche arbeiten umsonst, manche bekommen fünf, manche acht Euro pro Stunde. Umso mehr Helfer also mitmachen, umso mehr kann das DRK "verdienen". Doch die Rotkreuzler gehen mit dem "Profit" verdienstvoll um. Davon bezahlen sie ihre Tätigkeiten, zahlen Inventar. Nur eine Putzfirma eben nicht.

Eigentlich doof: Da macht sich das DRK seine löbliche Arbeit selbst kaputt. Warum zahlt das DRK nicht jedem, Ehrenamtlern und auch angestellten Helfern, nicht einen einheitlichen Stundenlohn? Wer dann von den Freiwilligen trotzdem umsonst helfen will, kann es ja dem DRK (oder anderen) spenden. Das DRK wäre dann mit sich und den Helfern im Reinen - wenn es dann noch eine Putzfirma engagiert.

Quelle: RP
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