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Wülfrath
Er versöhnt CDU mit sich selbst

Wülfrath: Er versöhnt CDU mit sich selbst
Das derzeitige Bürgermeister-Trio: Claudia Panke, Andreas Seidler und Wolfgang Preuß. FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)
Wülfrath. Elf Jahre führte Andreas Seidler die Partei in Wülfrath, Heute abend wird Christian Schölzel sein Nachfolger. Ein Rückblick. Von Uwe Reimann

Es gibt angenehmere Momente, um Parteivorsitzender zu werden. Eine total zerstrittene Partei, ein Fraktionschef Gerd Rammes, der eine andere Führung in den Sattel heben wollte, dazu Knatsch und Ärger an fast allen Ecken einer orientierungslos gewordenen Volkspartei CDU in Wülfrath. 2004 drohte die Spaltung. Unbelastet von den vielen internen Mchtkämpfen wurde Andreas Seidler schließlich Parteivorsitzender. 59 von 94 Stimmen erreichte der damals 37-Jährige. "Ich wollte eigentlich nur zwei Jahre die Wülfrather CDU versöhnen und dann das Amt wieder abgeben." Pustekuchen. Aus zwei wurden elf Jahre, die der Versicherungsfachmann an der Spitze der CDU in der Kalkstadt stand. Nun ist endgültig Schluss. "Es sollen Jüngere in die Verantwortung, denn zu lange darf man es nie machen. Das macht sonst betriebsblind", sagt er. Heute Abend gibt Seidler den Parteivorsitz ab und die Mitgliederversammlung wird den von ihm vorgeschlagenen Christian Schölzel zu seinem Nachfolger wählen. Er wohnt seit Jahren in Wülfrath, ist erst seit einigen Jahren CDU-Parteimitglied und arbeitet in der Kreisverwaltung.

Beim Speed-Dating versuchte Seidler 2013 bei jungen Menschen die Lust auf Politik zu wecken. FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)

Auch wenn Seidler eigentlich gar nicht so lange Parteivorsitzender bleiben wollte, hat es doch viel Spaß gemacht, sagt der 48-Jährige. Aus der Anti-Rammes-Wahl als Chef hervorgegangen, blickt Seidler heute auf erfolgreiche Wahlkämpfe in Bund, Land und Stadt zurück, in der sich die CDU stabilisiert hat und auch heute noch als stärkste Fraktion im Rat die wichtige Politgröße ist.

Warum dann jetzt aufhören? Seidler gibt manchen Grund an: Jüngere sollen kommen, er möchte sich noch mehr der Familie und Sohn Moritz widmen, außerdem hat er Angst davor, zu lange an dem Sessel zu kleben. "Ich hatte bei meiner Wahl 2004 einen entscheidenden Vorteil: Ich habe mich nie hochdienen müssen und ich war keinem einen Gefallen schuldig."

Die gleiche Situation wie bei seinem Nachfolger Christian Schölzel, den er unterstützen will, aber ihn alleine gehen lassen möchte. Die innere Unabhängigkeit hat Seidler viele Freiheiten beschwert. Bei aller Kompromissfähigkeit hat er sich nicht verbiegen lassen.

Im Rat und Kreistag behält er seine Mandate, auch seine Ämter als stellvertretender Bürgermeister und Ausschussvorsitzender im Sozialausschuss behält er. Doch als "Gesicht" der Partei wird ein anderer künftig auftreten. Seidler hofft, dass Schölzel sich in Zukunft ebenso eine eigene Mannschaft zusammensuchen kann, wie er es nach 2004 getan hat. Vielleicht schafft er dann das, was Seidler noch immer als "Baustelle" seiner Partei empfindet. "Wir benötigen eine Geschäftsstelle in Wülfrath. Ein Problem. Ja, aber kein so großes wie die drohende Parteispaltung vor elf Jahren.

Quelle: RP
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