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Wülfrath
Fällt der Grabstein um, oder nicht?

Wülfrath: Fällt der Grabstein um, oder nicht?
Mit voller Kraft stemmt Friedhofsgärtner Jan Meyburg seinen Kipp-Tester gegen den Grabstein. Mindestens 50 Kilo muss das Testobjekt für mindestens zwei Sekunden aushalten. Ertönt der Signalton, ist alles okay. Wenn nicht, wird der Aufkleber "Vorsicht, Unfallgefahr" angebracht. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. Name, Geburts- und Todestag zieren den Grabstein. Fotos zeigen Verstorbene im Leben. Einmal im Jahr prüft die Stadt die Standfestigkeit der Grabsteine. Gestern war der "Steinrüttler" wieder unterwegs. Von Valeska von Dolega

Ob symmetrisch, tropfenförmig, naturbelassen, aus Marmor, en miniature oder im XXL-Format, welcher Grabstein auch immer die irdische Ruhestätte eines Verstorbenen schmückt, muss sicher stehen. Weil die Witterung im Allgemeinen und Frost im Speziellen dieser Standfestigkeit zusetzen können, wird ein Mal jährlich der ordnungsgemäße Zustand der Grabmale geprüft.

"Die Verwaltung muss die Verkehrssicherheit herstellen", sagt Bärbel Balzer, Mitarbeiterin der städtischen Friedhofsverwaltung. Die ist wichtig für alle Besucher sowie die dort arbeitenden Gärtner. Schlagzeilen wie aus Pennsylvania in den USA, wo ein 74-Jähriger beim Blumengießen vom Grabstein seiner Schwiegermutter erschlagen wurde, will man sich sparen.

376 Steine auf 376 Gräbern - also vertikal stehende Elemente, liegende Grabplatten bleiben unberücksichtigt - gilt es, nach ihrer akribisch geführten Liste zu überprüfen. "Das dauert zwei Tage, denn irgendwann lässt die Kraft nach." Damit meint die Verwalterin die zur Stemmprobe notwendige Energie. Die braucht aber nicht sie aufzubringen. Verantwortlich für die amtliche Rüttelprobe ist Friedhofsgärtner Jan Meyburg. Nein, extra Krafttraining in der Mucki-Bude musste er nicht absolvieren. "Ich habe auch nicht extra-gut gegessen." Die Hauptarbeit übernimmt nämlich ein weißes Helferlein, der sogenannte Kipp-Tester. Mit 500 Newton, was runden 50 Kilo entspricht, presst das Gerät zwei Sekunden lang gegen den zu überprüfenden Stein. Ist alles okay, ertönt am Ende ein quäkender Signalton wie man ihn vom Buzzer aus Quizshows kennt.

Die ältesten Gräber datieren aus den 1940er Jahren, entsprechend in die Jahre gekommen sind ihre Grabsteine. "Durch die Absenkung des Unterbodens stehen die teilweise ein bisschen schräg", erklärt der Friedhofsgärtner. Das ist nicht weiter bemerkenswert, wenn nur die markante Stelle zwischen Fundament und Betonkante stabil ist. "Das ist die Schwachstelle, an der es zu Mängeln kommen kann."

Bewegt sich der Stein, dokumentiert Bärbel Balzer das sofort an entsprechender Stelle ihrer Liste. "Außerdem mache ich ein Foto", auf den Wackelstein kommt ein unübersehbarer gelber Aufkleber und per Post wird der Nutzungsberechtigte darüber informiert, dass er etwas tun muss. "Hiermit bitte ich Sie, das Grabmal innerhalb von drei Wochen in einen standsicheren Zustand zu versetzen", heißt es dann im offiziellen Dokument. Standsicherheit verschaffen hier weder Kleber noch Silikon, "da muss der Fachmann ran", nämlich der Steinmetz. Der ist sowieso gefragt, weil er mit der Aufstellung des Steins eine gewisse Garantie für dessen Lebensdauer gibt und somit erster Ansprechpartner bei eventuellen Reparaturen ist.

Durchschnittlich zehn solcher Fälle gibt es bei der routinemäßigen Untersuchung. "Meist werden die Schäden entsprechend schnell behoben", sagt Bärbel Balzer. Kniffelig wird es nur dann, wenn erst ermittelt werden muss, wer für die Pflege des Grabes verantwortlich ist. "Da ist schon mal Detektivarbeit nötig, um beispielsweise Verwandtschaft ausfindig zu machen."

Quelle: RP
 
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