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Wülfrath
Forensik: Diakonie macht Rückzieher

Wülfrath: Forensik: Diakonie macht Rückzieher
Kaum einer zweifelte noch an einer Forensik in Wülfrath. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Wülfrath. Vor zwei Jahren machte die Bergische Diakonie Aprath dem NRW-Gesundheitsministerium ein Angebot. Teile des Klinikgeländes in Aprath sollten dem Land für den Bau einer forensischen Klinik verkauft werden. Voraussetzung war die Verlagerung von stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Wülfrather Innenstadt. Von Oliver Wiegand

"Wir tun so, als ob die Entscheidung gefallen ist und wir uns verändern werden", sagte Pfarrer Jörg Hohlweger, theologischer Vorstand der Bergischen Diakonie Aprath, noch vor wenigen Wochen der Rheinischen Post.

Kaum einer zweifelte noch an einer Forensik in Wülfrath. Am Dienstag kam die völlig überraschende Kehrtwende: Der Vorstand der Bergischen Diakonie Aprath (BDA) hat sein Angebot an das Land zurück gezogen. Grund seien "konzeptionelle und wirtschaftlichen Faktoren, die entgegen allen bisherigen Annahmen nun doch wesentlich ungünstiger seien als erwartet."

"Wir sind irritiert über das plötzliche Nein der Bergischen Diakonie, die uns das Grundstück aus eigener Initiative öffentlich für den Bau einer Maßregelvollzugsklinik für den Landgerichtsbezirk Wuppertal angeboten hatte", erklärte Ministerin Barbara Steffens in Düsseldorf. Während der Verhandlungen über den Verkauf des Grundstücks waren laut Ministerium keine Anzeichen zu erkennen, dass die BDA das Angebot zurückziehen könnte Die Verhandlungen seien aufgrund der Umzüge der Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Wülfrather Innenstadt "sehr aufwändig" gewesen.

Dazu hatte die Bergische Diakonie Aprath selbst ein Konzept vorgelegt. Daraufhin wurde der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW beauftragt, für die Fläche der Bergischen Diakonie in Wülfrath-Aprath eine Bauvoranfrage bei der Bezirksregierung in Düsseldorf zu stellen. Ziel war, den Abwägungsprozess bei der Suche nach dem am besten geeigneten verfügbaren Grundstück für die Errichtung einer Forensik im Landgerichtsbezirk Wuppertal rechtssicher zu gestalten und damit zu beschleunigen.

Der Wunsch der Diakonie, dem Land das Grundstück in Aprath für den Bau einer forensischen Klinik zu verkaufen, habe man "positiv aufgegriffen" und die mögliche Realisierung konstruktiv begleitet, heißt es aus dem Ministerium. "Umso verärgerter sind wir darüber, dass die Diakonie jetzt plötzlich ihr Angebot zurückgezogen hat", sagt der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug, Uwe Dönisch-Seidel. Er wird nun "alle notwendigen Vorbereitungen treffen", damit auf "Basis der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Errichtung einer Maßregelvollzugsklinik im Landgerichtsbezirk Wuppertal nach den Sommerferien eine rechtssichere, abschließende Entscheidung getroffen werden kann."

Wie viele Standorte jetzt noch in Frage kommen – darüber hüllt sich das Land auf Nachfrage der RP in Schweigen. Favorit war aber bereits ein Grundstück an der Müngstener Straße im Wuppertaler Stadtteil Lichtscheid. Weil dort die Bürger protestierten, brachte der Wuppertaler Oberbürgermeister ein Ersatzgelände am Gewerbepark Kleine Höhe im Stadtteil Katernberg ins Spiel.

 
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