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Wülfrath
Frauen stehen zu allen Zeiten ihren Mann

Wülfrath: Frauen stehen zu allen Zeiten ihren Mann
Karin Vorländer macht Quotenfrauen wenig Hoffnung. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. Anlässlich des Equal Pay Days hatten die Landfrauen in das Kommunikations-Center Schlupkothen eingeladen. Karin Vorländer referierte zum Thema "Wert der weiblichen Arbeit". Von Dominique Schroller

"Das bisschen Haushalt macht sich von allein - sagt mein Mann", verkündete Johanna Koczian in ihrem ironischen Schlager bereits in den 70er Jahren. Seitdem hat sich bei der Gleichberechtigung noch nicht viel bewegt, wie Karin Vorländer feststellen musste. Die Journalistin und Autorin hat die Historie bis heute aufgerollt und kommt zu der Erkenntnis: "Männer machen Geschichte - Frauen machen sauber".

Als bestes Beispiel zitierte sie in ihrem Vortrag zum Weltfrauentag in der Kathedrale das Wülfrather Stadtbild herbei. Bei den Straßennamen wimmelt es geradezu von mehr oder weniger großen Männern: Goethe und Schiller, Eichendorff und Brecht, Thyssen und Krupp. Die Frauen lassen sich dagegen an einer Hand abzählen, es sind genau drei: Die Lyrikerin Ina Seidel, die Naturforscherin Maria Merian und die Kernphysikerin Lise Meitner. "Während ihr Mann Otto Hahn den Nobelpreis bekam, entwickelte sie sich zu einer überzeugten Pazifistin", betonte Karin Vorländer.

Es habe eine lange und unheilvolle Tradition, dass die Frauen so wenig die Welt bewegt und so viel sauber gemacht hätten. Viele hätten zwar zu allen Zeiten ihren Mann gestanden, doch ihre Spuren hätten sich schlicht verwischt. "Denn Männer machen nicht nur Geschichte, sie schreiben sie auch und bestimmen, wer in die Annalen eingeht. Da ist manches unter den Tisch gefallen." Oder hat schlicht einen anderen Namen bekommen. "Weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte, wurde aus der Apostelin Julia ein Julius und die Welt war wieder in Ordnung."

Frauenquote hin, Quotenfrauen her kann Karin Vorländer auch für die Zukunft wenig Hoffnungen wecken. Denn das neue Gesetz betreffe maximal 160 Frauen. "Mehr Aufsichtsräte gibt es gar nicht. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, dauert es noch mindestens 56 Jahre bis zu einer Gleichstellung von Mann und Frau."

Gewitzt und unterhaltsam referierte die Mutter von vier Söhnen über Frauen und die Welt sowie die Welt der Frauen. Haus und Herd seien auf Dauer keine Lösung. "Die Hälfte der Menschheit sind Frauen und ich finde es nur gerecht, auch Geld, Macht und Einfluss zu teilen." Freiwillig konnte sie aber selbst ihre eigenen Sprösslinge nicht für das bisschen Haushalt begeistern. "Für das Bügeln habe ich sie bezahlt", gestand sie. Daraufhin regte sich Widerstand im Plenum der Landfrauen, die gemeinsam mit der Stadt zu der Veranstaltung eingeladen hatten. "Frauen bekommen auch kein Geld für Kochen, Putzen, Waschen", lautete der Einwand. "Stimmt. Doch ich habe es wenigstens geschafft, dass Bügeln bei meinen Söhnen positiv besetzt ist und das ist auch etwas", konterte Karin Vorländer. Sie ist überzeugt, dass Gleichstellung Erziehungssache ist und Frau durchaus Einfluss nehmen kann. Viele der Frauen nickten zustimmend, die beiden Quotenmänner in der ersten Reihe blieben kritisch.

"Das Thema ist uns wichtig - gerade in Zeit von Fachkräftemangel und Altersarmut. Wir setzen uns daher nicht nur im ländlichen Raum für die Gleichberechtigung ein", betonte Jutte Kuhles, Kreisvorsitzende der Landfrauen und stimmte dann in den allgemeinen Beifall des Publikums mit ein.

Quelle: RP
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