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Wülfrath
Für gleiche Bezahlung von Frauen geworben

Wülfrath. Gleichstellungsbeauftragte Gudula Kohn und Equal-Pay-Beraterin Beate Kneer informieren auf Markt. Von Dominique Schroller

Rote Taschen, rote Tulpen und eine Menge Informationen verteilten Gudula Kohn und Beate Kneer an ihrem Stand auf dem Wochenmarkt. Möglichst viel Aufmerksamkeit wollten die beiden Damen mit ihrem Auftritt erregen. "Denn heute ist der Tag, an dem die Frauen erst anfangen, Geld zu verdienen, während die Männer das bereits seit dem ersten Januar tun", sagte Beate Kneer. Die Equal-Pay-Beraterin setzt sich offensiv für die gleiche Bezahlung beider Geschlechter ein.

Noch klafft zwischen den Gehältern allerdings eine statistische Lücke von 22 Prozent. "Die großen Differenzen ergeben sich vor allem durch die unterschiedlichen Berufe. Dort, wo der Frauenanteil hoch ist, wie bei Dienstleistungen, der Pflege oder im sozialen Bereich, ist die Bezahlung gering. In typischen Männerdomänen ist sie dagegen deutlich besser", betonte Beate Kneer. In manchen Branchen habe mit dem Geschlechterwandel sogar ein Preisverfall eingesetzt. "Als Sekretäre noch überwiegend Männer waren, haben sie auch gut verdient. Seit vor allem Frauen in den Vorzimmern sitzen, hat sich das gewandelt." Dahinter stehe häufig der Gedanke, dass die Damen früher oder später eine Familie gründeten oder eher nur dazuverdienen wollten.

"Dieses traditionelle Rollenmodell mit dem Mann als Hauptverdiener hat sich in den Köpfen festgesetzt", berichtete die Gleichstellungsbeauftragte Gudula Kohn. "Viele junge Paare haben uns zwar heute erzählt, dass sie sich bei der Betreuung der Kinder besser absprechen wollen, doch nach der Geburt verfallen sie häufig wieder in traditionelle Muster."

Dafür müsse sich in den Köpfen grundlegend etwas ändern, betonte Wilma Barths. "Wir Frauen sollten endlich anfangen, unsere Jungs anders zu erziehen. Das dauert zwar mindestens zwei Generationen, doch es wäre ein Anfang", sagte die Wülfratherin.

Handlungsbedarf sieht auch Magda Grimm. "Die Gleichberechtigung steht im Grundgesetz, doch seit Generationen tut sich nichts. Wir beackern das Thema seit 30 Jahren und wenn Hausmann wirklich ein toller Job wäre, hätten ihn sich die Herren schon lange unter den Nagel gerissen."

Die Frauen, die unbezahlt am heimischen Herd arbeiteten oder bei Teilzeit blieben, bekämen das, spätestens bei der Rente zu spüren. "Besonders groß ist die Gefahr der Altersarmut bei den Minijobs. Da ergibt sich aus einem Jahr Arbeit ein Anspruch von 4,50 Euro im Monat", rechnete Gudula Kohn vor.

Die Gleichstellungsbeauftragte hofft, dass sie in Zukunft nicht mehr auf den Markt gehen muss, um für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen zu werben.

Quelle: RP
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