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Wülfrath
In kleinen Schritten zur neuen Heimat

Wülfrath: In kleinen Schritten zur neuen Heimat
Vorzeigeobjekt an der Fortunastraße: Dort hat die GWG gebaut und im Oktober 2016 Wohnungen für Flüchtlinge an die Stadt übergeben.i FOTO: D.Janick
Wülfrath. Deutsch lernen, Arbeit und Wohnung finden - das sind für 150 neue Wülfrather die nächsten Integrations-Schritte. Von Dirk Neubauer

Integration ist ein Prozess der vielen, kleinen Schritte. Da machen auch die 150 Asylbewerber in der Kalkstadt keine Ausnahme. Untergekommen sind sie alle. Viele haben schon eine Anerkennung. Nun müssten sie die deutsche Sprache lernen, mindestens bis zu einem festgelegten Level, das "B2" genannt wird, eine Arbeit aufnehmen und eine Wohnung finden. In der Praxis stellt sich heraus, dass diese schneidige Abfolge für jeden Neu-Wülfrather unterschiedlich rasch ablaufen wird. Im Gespräch mit der RP sagt der Leiter des Sozialamtes, Mike Flohr: "Auf dem Weg zu einer Integration müssen viele Herausforderungen gemeistert werden."

Wäre Flohr mit seinen drei Mitarbeitern auf 2,5 städtischen Stellen allein mit dieser Aufgabe - es wäre nicht zu schaffen. "Gott sei Dank unterstützen uns viele, viele Ehrenamtler", sagt Flohr mit einem großen Dankeschön. Sprachtrainer, Betreuer, Tafel-Mitarbeiter, Gemeindemitglieder, Menschen aus Wohlfahrtsorganisationen; tatsächlich ist die Liste der freiwilligen Helfer und Engagierten noch viel länger.

Thema: Sprache. Der Leiter der Agentur für Arbeit Mettmann, Marcus Kowalczyk, hat darauf hingewiesen, dass Sprachkenntnisse die absolute Grundvoraussetzung sind, um Menschen in den leer gefegten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Die Arbeitsagentur hilft, wenn auf die bisher vermittelten Deutschkenntnisse gezielt verbessert werden müssen. Bei der Anerkennung von Ausbildung und bisherigen Tätigkeiten versuchen Jobvermittler und Wirtschaft, flexibel zu sein. Müssen sie auch, denn belastbare Nachweise gibt es häufig nicht. Berufsbilder in der weiten Welt passen nicht zu deutschen Mindeststandards. Kowalczyk sagte im Jahresgespräch: "Meist hilft es, wenn jemand irgendwo zur Probe arbeitet." Aber auch dafür müsse der Betreffende die Sprache so weit beherrschen, dass Anweisungen und Sicherheitsregeln verstanden werden. Engpass: Wohnen. Auch für anerkannte Flüchtlinge gilt eine Wohnsitzauflage. Sie müssen in Wülfrath bleiben. Es sei denn, sie finden anderswo eine Arbeitsstelle. Problem allerorten aber ist der bezahlbare Wohnraum. Sozialamtschef Flohr hat derzeit 25 Unterkünfte im Bestand. Das sind zum Teil Wohnungen plus vier größere Unterkunftseinheiten. Im Unterschied zu deutschen Hartz-IV-Empfängern müssen Flüchtlinge oftmals mit einem Fünftel der Privatsphäre auskommen. Anders geht es nicht. An dieser Stelle wirkt die Berliner Hängepartie bei der Regierungsbildung bis hinein nach Wülfrath. Weil Sozialamtsleiter Flohr noch nicht weiß, wie der Familiennachzug geregelt wird, mag er sich vorerst nicht von der geschlossenen Unterkunft In den Eschen trennen. Möglicherweise müsse die noch reaktiviert werden, sagt er und rechnet vor: Falls 200.000 Familienmitglieder nachkommen, bedeutet das über den Verteilungsschlüssel ein Plus von rund 50 Personen für Wülfrath, eventuell innerhalb kurzer Zeit. Flohr: "Dafür müssen wir vorbereitet sein."

Quelle: RP
 
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