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Wülfrath
Junge Flüchtlinge leben im "Haus Sonne"

Wülfrath: Junge Flüchtlinge leben im "Haus Sonne"
Rita Dittmer spielt mit Faramoz, Musa und Idris auch schon mal Karten. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. Die Bergische Diakonie hat zwei Wohnungen in Aprath zu einer Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge umgebaut. Die sieben Syrer und fünf Afghanen werden auf den Start in ein neues Leben vorbereitet. Von Oliver Wiegand

Als Abd Al vor eineinhalb Jahren gemeinsam mit seiner Familie im Wohnzimmer saß, hat sich der junge Syrer plötzlich erschreckt. "In den Schrank ist auf einmal eine Kugel eingeschlagen", sagt Abd Al. Draußen auf der Straße tobte der Krieg. Die Häuser waren irgendwann nicht mehr bewohnbar. "Wir konnten nicht mehr einkaufen gehen, nicht mehr zu Schule - das war kein Leben mehr", sagt auch sein Freund Malaz.

Abd Al und Malaz leben jetzt auf dem Gelände der Bergische Diakonie in Wülfrath. Im "Haus Sonne" haben die Syrer gemeinsam mit zehn anderen Flüchtlingen eine Unterkunft gefunden. Im Amtsdeutsch gelten sie als sogenannte "unbegleitete minderjährige Flüchtlinge". Gestern bot die Diakonie bei einem Pressetermin die Möglichkeit, die Unterkunft und deren Bewohner kennenzulernen. In den Zimmern der sieben Syrer und fünf Afghanen ist natürlich alles auf Hochglanz geputzt. Schreibtisch, Bett und Kleiderschrank - mehr Möbel braucht hier keiner. An den Wänden hängen Poster mit den neuesten Modellen von BMW.

Der Blick aus dem Fenster bietet Natur pur, das Haus Sonne liegt idyllisch am Hang. Ein Internetanschluss - um mit den Eltern, Onkeln oder Tanten in der Heimat kommunizieren zu können - fehlt noch. "Aber da sind die in Gesprächen mit den Anbietern", sagt Klaus Schmidt, Abteilungsleiter der ambulanten Jugendhilfe. Ihm und seinen Mitarbeitern geht es in erster Linie darum, den Flüchtlingen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren etwas Halt zu geben. Viele seien mehr als ein Jahr auf der Flucht gewesen. Alle sind über die mittlerweile gesperrte "Balkanroute" nach Deutschland gekommen. Zwischendurch haben einige der jungen Männer in der Türkei gearbeitet, um Geld für die Fluchthelfer zu sparen. "Sie reden nicht gerne darüber, aber sie mussten für die Flucht bezahlen", sagt Schmidt.

Im Haus Sonne sind die aber auch gefordert, ihr Leben ein Stück weit selbst in die Hand zu nehmen. Gemeinsam mit Pädagogen und Betreuern wird gekocht. "Es gibt aber auch Putzpläne", sagt Sozialarbeiter Matthias Tertel, der im Schichtdienst im Haus Sonne arbeitet. Der Tagesablauf ist sehr geregelt. Zehn Jugendliche besuchen die internationale Klasse am Gymnasium Wülfrath, zwei gehen auf das Berufskolleg am Neandertal. Erstes Ziel ist nach wie vor Deutsch lernen. Das beherrschen die Jugendlichen schon sehr gut. Doch zur Betreuung gehört auch Kunsttherapie bei Sunica Matjanic. Sie arbeitet gerne mit den Flüchtlingen und erzählt. Ein junger Afghane hat ein Bild von seiner Heimat gemalt. Als er sein Werk mit blühenden Kirschbäumen fertig hatte, musst er weinen. Heimweh.

Quelle: RP
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